Schweizerischer Katholischer Presseverein
Association Catholique Suisse pour la Presse
Associazione Cattolica Svizzera per la Stampa

Auf zu neuen Ufern

Von Thomas Gmür
Thomas Gmür, geboren 1967, ist Historiker. Er hat in Fribourg, Bern und Rom Zeitgeschichte, Moderne Geschichte und Betriebswirtschaft studiert und publiziert zu politik-, wirtschafts- und kirchenhistorischen Themen und ist Verfasser diverser Vereins-, Firmen- und Familiengeschichten. Gmür ist Chefredaktor der „Civitas“, des Organs des Schweizerischen Studentenvereins sowie Geschäftsführer einer Immobilienfirma in Luzern.

Während nach dem Vatikanum, vor allem aber nach der Synode eine verstärkte Säkularisierung einsetzte, machten im wirtschaftlichen Umfeld Konzentrationsbestrebungen von sich reden, dies selbstredend auch im Verlagswesen. Viele einst führende Blätter mit katholisch-konservativem Hintergrund gerieten ins Strudeln. Im Jahresbericht 1983 des SKPV liest sich dies so:

«Auch im vergangenen Jahr mussten wir feststellen, dass der Konzentrationsprozess in der Schweizer Presse unvermindert anhielt, wovon auch katholische Zeitungen betroffen waren. Aus unserer Sicht wiegt besonders schwer, dass die Zahl der Zeitungen, welche sich klar als Meinungspresse deklarieren, weiterhin im Schwinden begriffen ist. In diesem Bereich sind aber auch erfreuliche Beispiele aufzuzeigen, wie der Schulterschluss rund um die Neuen Zürcher Nachrichten zeigt, der dazu geführt hat, dass das Sprachrohr mit klar christlicher Weltanschauung im Raum Zürich wieder den Stellenwert zurückerobert hat, den es braucht, um als Zeitung beachtet und geachtet zu werden.»

Das Schicksal der Neuen Zürcher Nachrichten (NZN) scheint hier exemplarisch. Nach den gesellschaftlichen Entwicklungen mit ihren Auswirkungen auf das Verständnis kirchenpolitischer und religiöser Belange begann für die NZN ein beschwerlicher Weg. Die traditionelle Leserschaft brach mehr und mehr weg. Die Nachfrage nach katholischer Meinungspresse schmolz zusehends dahin. Es mutete nun an wie ein Anachronismus, als der SKPV freudig vermeldete, wie katholische Schreiberlinge in der Grossstadt Zürich «in den journalistischen Tageskampf eingegriffen» haben. Von diesem Kampf war nun reichlich wenig zu spüren. Andere Sorgen plagten die NZN. Bis 1972 wurde die Zeitung im Zürcher Seefeld gedruckt. Wie so häufig im Zeitungswesen werden Redaktion und Verlag durch Einnahmen aus dem Druckgewerbe quersubventioniert. Dies war ab Anfang der Siebziger-Jahre nicht mehr möglich, als das Stammhaus im Seefeld als Druckerei nicht mehr zur Verfügung stand. Fortan wurde die NZN in St. Gallen bei der Ostschweiz gedruckt. Zu Beginn der Achtzigerjahre bäumte sich das Blatt kurzzeitig auf. Die Rosabrillensicht schlug sich im Jahresbericht des SKPV nieder, konnte aber nicht über die unüberwindbaren Probleme hinwegtäuschen. 1985 hatte die NZN eine Auflage von 12‘000, 1991 sackte diese dramatisch auf 5‘000 Exemplare ab. Ob die früheren Zahlen der Wahrheit entsprechen, ist zweifelhaft, denn ein Insider sagte dazu: «Man beschiss ohne Ende bezüglich der Auflage.» In dieser Zeit wäre es von Nöten gewesen, auch ausserhalb des schwächelnden eigenen Milieus zu überzeugen, was schon aus finanziellen Gründen ein unlösbarer Kraftakt gewesen wäre. So gingen die Neuen Zürcher Nachrichten 1991 ein. Als Vermächtnis der NZN blieb die Beilage Katholische Kultur, die später als Christ und Kultur vom Vaterland weitergeführt wurde. Im Jahresbericht 1991 fand der damalige Vereinspräsident Alois Hartmann deutliche Worte: «Wir sind uns wohl der Solidarität zur eigenen Presse viel zu wenig bewusst. Wir reden viel davon – aber machen zu wenig. Wir rühmen uns unserer eigenen klaren Haltung – aber verpassen es, diese mit Nachdruck in der Werbung für unsere Presse einzusetzen. Was ich konkret meine: Viel zu viele jammern über ein Ungenügen unserer Presse, sind aber nicht bereit, diese tatkräftig zu unterstützen, sie auch wirklich zu abonnieren. […] Vergessen wir nicht, was wir erreichen, wenn wir so weiterfahren – dass wir eines Tages keine eigene Presse mehr haben, keinen Gesprächspartner mehr, niemanden mehr, der nicht nur hin und wieder, sondern dauernd über die Ereignisse aus unserem eigenen gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Bereich informiert.» Wer dieses deutliche Statement liest, fragt sich, was von der 1984 veröffentlichten Studie Kooperationsmöglichkeiten und -bereitschaft der, der CVP nahestehenden Zeitungen in der Schweiz vom damaligen Kipa-Redaktor Pius Schmid übriggeblieben ist.

Etwas früher als die NZN wurde die Schaffhauser Zeitung liquidiert, jene Zeitung, die seit 1905 das Organ der Katholiken im reformierten Kanton Schaffhausen war. 1992 stellte das Aargauer Volksblatt aus Baden sein Erscheinen ein. Der SKPV war seit je eng mit dem Aargauer Volksblatt verbunden. Hier verdienten viele Journalisten ihre Sporen ab, die später im Verein aktiv mitarbeiteten. Der langjährige Präsident der Direktionskommission sowie Kipa-Verwaltungsrat August Bärlocher war beim AV Redaktor. Die Neuen Berner Nachrichten suchten bereits 1969 eine Annäherung an andere katholische Blätter, den Zuspruch erhielt das Vaterland, welches die Zeitung vollständig integrierte. Bereits dieser Deal war mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden, die später den Vaterlandaktionären kommuniziert wurden: «Wir müssen unseren Verlegerkollegen hüben wie drüben zu bedenken geben, dass bald einmal der Moment gekommen ist, wo es für solche Gespräche [über Kooperationen, Anm. der Red.] zu spät sein könnte. Auf alle Fälle würde es sich das Vaterland sehr gut überlegen, ob es bei einer Zeitung retten helfen würde, wenn es überhaupt nichts mehr zu retten gibt.»

Diese Zeit begleitete der SKPV sowie die anderen katholisch konnotierten Vereine nur mehr am Rande. Als Verein konnte der Schweizerische Katholische Presseverein nur bedingt Einfluss nehmen. Konnte er in seinen Anfängen den Verlagshäusern noch finanziell unter die Arme greifen, wären nun Summen gefordert gewesen, die seine Möglichkeiten weit überfordert hätten. Vermehrt traten publizistische Fragen in den Hintergrund der tatsächlich existentiellen wirtschaftlichen Kernfragen des Überlebens. Ein weiterer Faktor war ebenfalls mitentscheidend. Verschiedene konservative Zeitungen buhlten um die Vorherrschaft, in Luzern das Vaterland, in St. Gallen die Ostschweiz, in Zürich die NZN. Dieses Gegen- statt Miteinander beförderte den drohenden Untergang der katholischen Presse nur noch mehr. Zwar diskutierten in den Jahren 1969/1970 unter dem Vorsitz von Nationalrat Leo Schürmann die katholischen Verleger der Deutschschweiz über ein Zusammenarbeitsmodell zwischen den NZN (inkl. deren verschiedenen Kopfblätter), dem Vaterland sowie der Ostschweiz. Eine deutschschweizerische Lösung hätte wohl von allen ein Einlenken und eigene Abstriche abverlangt, um schliesslich der gemeinsamen Sache dienlich zu sein. Doch die angestrebte Lösung kam nicht zu Stande, denn es gab Widerstand aus «Luzern», namentlich mit Ressentiments gegenüber «Zürich» verbunden. Das Vaterland war nur bereit einzulenken, sofern dies «die eigene Position nicht schwächt».

Im Jahresbericht 1986 spricht Alois Hartmann die herrschenden «widrigen Umstände» an: «In der Tat ist es heute nicht leicht, dieses Anliegen an seine Fahnen zu heften. Weil immer mehr nivelliert, das heisst bis zur Unkenntlichkeit eingenebelt wird, weil wir uns in der Öffentlichkeit oft nicht mehr getrauen, vom Christlichen zu reden, weil alles ‹neutral› sein will, hat es auch eine christliche Presse, haben es katholische Zeitungen schwer, sehr schwer.»

Dem SKPV blieb in dieser Zeit, wo seine ureigenste Aufgabe, das Fördern der katholischen Presse, mithin das Unterstützen katholischer Zeitungsredaktionen und Zeitungsverleger, wegbröckelte, nichts anderes übrig, als zu neuen Ufern aufzubrechen und sein Betätigungsfeld neu zu strukturieren, was mit den Worten des Geschäftsführers wie folgt tönt: «Prioritäten setzen ist auch für uns notwendig geworden.» Grundlage für die Neustrukturierung war die bereits erwähnte Studie von Willy Kaufmann, die nicht nur eine strukturelle Konzentration der Medienarbeit postulierte, sondern auch aufzeigte, wie diese zu erfolgen hätte. Mit dem erfolgten Aufbau des Schweizerischen Katholischen Pressesekretariats ab den frühen Siebzigerjahren konnte ein erster wichtiger Schnitt im bisherigen Auftritt vollzogen werden. Die nun einsetzende vereinsinterne Rationalisierung der Arbeiten führte zu deutlich modernerer Wahrnehmung seitens der Zielgruppen. «Mit seinem Pressesekretariat bildet er heute die anerkannte Drehschreibe für die Zusammenarbeit innerhalb der katholischen Medienarbeit in unserem Land», schrieb der Vereinspräsident Franz Josef Kurmann im Jahresbericht 1984. Und der Geschäftsführer war sich schon 1977 sicher: «Im Bereiche der Medienarbeit ganz allgemein erledigen wir Arbeiten, die anderswo kaum ohne merkliche Mehrausgaben bewältigt werden könnten. Daraus sei in aller Bescheidenheit die Schlussfolgerungen gezogen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Von der römischen Kurie gab es zwei Veröffentlichungen, die zur medialen Präsenz etwas sagten: zum einen das Konzilsdekret Inter Mirifica von 1964, zum andern die Pastoralinstruktion Communio et Progressio von 1971. Communio et Progressio hat bei ihrem Erscheinen grosse Beachtung gefunden und im Gegensatz zu Inter Mirificaauch Neuerungen gebracht.

«Die Aufgaben, welche die Kommunikationsmittel in der Gesellschaft haben, erfüllen sich nicht von selbst. Deshalb müssen Kommunikatoren und Rezipienten auf diesem Gebiet gut vorbereitet und ausgebildet sein, damit sie die Möglichkeiten der Medien voll ausschöpfen können.» (Communio et progressio)

Die Pastoralinstruktion forderte nicht weniger als die Schaffung «einer nationalen Hauptstelle für alle Kommunikationsmittel.» Das Pressesekretariat nahm sich zusammen mit dem «Koordinationsausschuss für katholische Medienarbeit» dieser Verpflichtung an. Walter Buchs hielt dazu fest: «Die Aufgaben, die uns Communio et progressio gestellt hatte, werden in der Schweiz in den nächsten Jahren wieder einen Schritt weiterkommen. Das Schweizerische Katholische Pressesekretariat wird zur Verfügung stehen, um die Aufgaben einer nationalen Hauptstelle zu übernehmen. Gewappnet mit den Erfahrungen der letzten Jahre, unterstützt von den Trägerorganisationen, bereichert von den Kontakten mit Partnerorganisationen im Ausland und im medienüberschreitenden Bereich und auf der wichtigen Sprachgrenze in der Schweiz gelegen, wird es auch diese Arbeit im Dienste der Kirche übernehmen.»

1977 gibt sich der Verein neue Statuten, worin er klar umreisst, was er zu fördern gedenkt:

a) die Katholische Internationale Presseagentur in Freiburg (Kipa);

b) das Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Freiburg zur Aus- und Weiterbildung der Journalisten;

c) die Buchberatung und Gründung guter Bibliotheken in Pfarreien und Gemeinden sowie in Heimen;

d) die Dienststelle der Fachvereinigung für Presse und Publizistik der Schweizer Katholiken.

Das einstige Propagandasekretariat erscheint in den Statuten nicht mehr und die Siebzigerjahre haben wohl aufgezeigt, dass man guten Gewissens «die Unterstützung finanziell bedrohter katholischer Zeitungen, insbesondere in der Diaspora» streichen kann. Die Statuten stipulieren nun auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen:

a) dem Medienrat der Schweizer Katholiken als gemeinsames Planungs- und Führungsorgan der katholischen Medienarbeit;

b) der Fachvereinigung für Presse und Publizistik der Schweizer Katholiken, in der der SKPV die Federführung innehat, und für deren Dienststelle er verantwortlich ist;

c) den regionalen Pressevereinen, deren Aktivität er fördert;

d) dem Schweizerischen Katholischen Volksverein (SKVV)

Dieser Statutenartikel dürfte aus den Diskussionen mit den verschiedenen Playern entstanden sein, woraus schliesslich auch das Pressesekretariat erwuchs. Vor allem aber waren die neuen Statuten Ausdruck der sich ändernden Zeit und der Präsident stellte den Jahresbericht 1977 unter das Motto «Herausforderung durch neue Aufgaben».

Die moderne Zeit verlangte auch neue Ausdrücke. In den Berichten fällt beispielsweise auf, dass schleichend anstelle des «Katholischen» das «Christliche» tritt. Es scheint, der Verein hätte – zumindest sprachlich – jenen Prozess vorweggenommen, den die meisten katholischen Zeitungen verschlafen hatten. Der früheren katholischen Filmberatungsstelle nahm man zunächst den religiösen Bezug im Namen weg und mutierte sie zum Filmberater, ehe man 1972/73 daraus das neue Magazin Zoom-Filmberater schuf. Für die Lancierung der neuen Zeitschrift, die von den beiden grossen Landeskirchen getragen wurde, sind 1972 CHF 36‘000.00 Rückstellungen gemacht worden. Dies wird als «ein Zeichen gelungener Koordination wie ökumenischer Zusammenarbeit» gepriesen. Zoom war die bedeutendste schweizerische Publikation im Filmbereich. Die Filmzeitschrift berichtete ausführlich über das breite Spektrum des Filmschaffens. Die Auflage blieb mit 6000 Exemplaren stets im kritisch tiefen Bereich. Die wirtschaftlichen Herausforderungen waren hohe, der publizistische Anspruch ebenfalls. In den Neunzigerjahren verschärften sich die finanziellen Probleme und im Juni 1999 erschien die letzte Ausgabe. Mit der Mitherausgeberin, der Stiftung Ciné-Communication gab man sodann die Zeitschrift Film heraus, die noch bis zum August 2001 erschien. Mehrere Wechsel in der Redaktion waren Ausdruck der Kurzlebigkeit des nicht mehr von kirchlichen Organisationen getragenen Filmheftes. Der Katholische Mediendienst der Schweiz und die Reformierten Medien, welche von Beginn weg als Herausgeberinnen des Zoom verantwortlich zeichneten, berichteten fortan mit dem Internetdienst Medienheft.ch über Medienpolitik, Medienpädagogik sowie Medienentwicklung. Im August 2011 stellten Charles Martig und Urs Meier, die Geschäftsführer der beiden konfessionellen Mediendienste, den Internetdienst aus finanziellen Gründen ein.

Im Jahresbericht 1977 schreibt Walter Buchs: «Ferner wäre es denkbar, dass der SKPV jährlich am Mediensonntag einen katholischen Journalistenpreis vergibt oder für angehende katholische Redaktoren Stipendien für Praktiken zur Verfügung stellt.» Es dauerte danach noch einige Jahre, bis aus dieser Randnotiz ein Vorhaben wurde. Rund zehn Jahre später konkretisierte sich dieser Preis, mit dem der Verein «Journalisten zu verantwortungsvoller Arbeit auf der Grundlage christlichen Gedankengutes ermutigen und fördern» will. 1994 wurde der Katholische Medienpreis zum ersten Mal verliehen. Die Auszeichnung ging an die Autoren der Fernsehserie «Pâques à Jerusalem», die vom Westschweizer Fernsehen von Karfreitag bis Ostern 1994 ausgestrahlt wurde. Bei der Übergabe des Preises an Georges Haldas, Jean-Philippe Rapp und Jacob Berger war auch der Präsident der Bischofkonferenz Pierre Mamie anwesend.

Die Konzentration im Pressewesen, verbunden mit einem Verdrängungskampf, führte dazu, dass sich viele zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung zusammenfanden. Ein anderer Grund war die technische Entwicklung. Längst haben andere Medien wie Radio und Fernsehen sich einige Stücke des Kuchens ergattert. Es entstand ein wachsendes Bedürfnis an audiovisuellen Medien. Die kirchlichen Verleihstellen – namentlich kantonale und regionale katechetische Arbeitsstellen und Medienzentren – brauchten ein Gremium, um ihre Preis-, Verleih- und Verkaufspolitik absprechen zu können. Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Kleinmedieninteressierter der Schweiz (AKK) nahm dieses Anliegen auf. Das Tonbild Ist das unsere Kirche? wurde 1979 mit rund CHF 3500.00 aus dem Medienopfer unterstützt.

Etwas mehr Unterstützung erhielt im selben Jahr 1979 die Arbeitsgemeinschaft für katholische Kinder- und Jugendpresse (AKJP), für die Werbeaktion der drei katholischen Jugendzeitschriften JUMI, tut/Weite Welt und club-m. Diese Aktion war vorerst auf drei Jahre festgelegt. Dem Schweizerischen Katholischen Presseverein war das Verbreiten guter Bücher sowie eben auch guter Zeitschriften stets ein zentrales Anliegen, die AKJP stiess also auf offene Ohren beim Verein. Die Jugendzeitschriften sprechen eine Klientel an, die sich nach wenigen Jahren vollständig erneuert, jährlich gilt es etwa 20% des Abonnentenbestandes zu ersetzen. Die Argumente der Arbeitsgemeinschaft überzeugten den Koordinationsausschuss für die katholische Medienarbeit des SKPV, denn: «Aus dem Blickwinkel unserer christlichen Presse für die Erwachsenen kann man nicht übersehen, dass bereits unter Jugendlichen die potentiellen Leser von morgen rekrutiert werden müssen.» Seitens der AKJP war man sehr erfreut über dies willkommene Unterstützung: «Der weitsichtigen Tätigkeit des Schweizerischen Katholischen Pressevereins verdankt die AKJP die erfreulichen Ergebnisse in einer schwierigen Situation, die sie allein nicht hätte meistern können.»

Das Grundanliegen des Vereins lag auch dem Jugendbischof Otto Wüest am Herzen: «Ich freue mich immer, wenn ich feststellen kann, dass unsere Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit auch lesen. Entscheidend ist aber, was sie lesen. Unter den vielen Jugendzeitschriften fallen jumi, tut und läbig sehr positiv auf: Die Redaktionen suchen aus christlicher Verantwortung heraus, eine interessante Zeitschrift zu gestalten und dabei ein sauberes Niveau zu halten.»

Aus dem Nachlass der Neuen Zürcher Nachrichten kam die Beilage «Christ und Kultur» zur Vereinigung der Verleger katholischer Zeitungen, die fortan als Herausgeberin firmierte. 1983 überarbeitete die Vereinigung das Konzept der Beilage, die wesentlich aus finanziellen Beiträgen vom Medienopfer gespiesen wird. So sah das Konzept folgende Zielformulierung vor:

den Leser über die für das Zusammenleben der Menschen und ihre soziale und kulturelle Entfaltung relevanten Entwicklungen in Gesellschaft, Staat und Kirchen zu informieren;

– ihm die geistigen und religiösen Perspektiven der Vorgänge in Gesellschaft, Staat und Kirchen zu erschliessen;

ihm die geschichtlichen Quellen aktueller Fragestellungen aufzuzeigen;

– ihn in religiösen Fragen zu orientieren.

Dies sollte durch eine sachgerechte, offene und wahrheitsgetreue Information sowie durch eine aus christlicher Grundhaltung heraus unternommenen Darstellung und Beurteilung geschehen.

Gedruckt wurde die Beilage in Luzern, zunächst beim Vaterland, ab 1991 nach der Fusion des Vaterlands mit dem Luzerner Tagblatt bei der Maihof Druck AG. Seit den Neunzigerjahren heisst die Beilage «Christ und Welt». Im Jahre 2000 löste sich die Vereinigung der Verleger katholischer Zeitungen (VVKZ) auf, danach trat der SKPV als Träger der Beilage auf – unter der ausdrücklichen Bedingung, dass die kirchliche Mitfinanzierung erhalten bleibt. Das Fastenopfer seinerseits ist einer der Hauptsponsoren der Beilage, die zeitweilig eine Auflage von rund 200‘000 ausweisen konnte.

Für das Institut für Journalistik hatte das Medienzeitalter positive Auswirkungen. Ein erster wichtiger Schritt im universitären Umfeld war die Anerkennung als offizielles Universitätsinstitut 1966 mit der Eingliederung in die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Uni Freiburg. «Aus dem wohlwollend geduldeten, vielleicht hin und wieder als ‹wilder Sprössling› betrachteten Seminar für Journalistik war das Institut für Journalistik der Universität Freiburg geworden.»

Ab 1968 kamen erstmals wie bereits erwähnt Kurse aus den Bereichen Film, Radio und Fernsehen hinzu. Ursprünglich war das Institut im Foyer St. Justin untergebracht, mit dem erfogten Umzug in Räumlichkeiten der Universität Miséricorde ist 1978 ein weiterer wichtiger Schritt vollzogen worden. Der Jahresbericht des SKPV verzeichnet für dieses Jahr ein Defizit des Instituts von CHF 1800.90, der übernommen wurde. Aus der Medienkollekte konnten ordentlich CHF 40‘000.00 beigesteuert werden. Zwei Jahre später wurde der Beschluss zur Schaffung eines Lehrstuhls für Journalistik und Kommunikationswissenschaft gefällt, erster Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor wird ab Anfang 1982 Prof. Dr. Louis Bosshart.

In den Siebzigerjahren kam es auch zu einer engeren Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Katholischen Buchhändler und Verleger der Schweiz (VKB) sowie dem Katholischen Lehrerverein, der die Zeitschrift Schweizer Schule editierte. Die Vorstellung des VBK im Jahresbericht 1977 machte bereits deutlich, in welchem Umfeld sich die Vereinigung in diesen Jahren befand, zeigte sie doch die Probleme des konfessionellen Buchhandels in exemplarischer Weise auf. Dabei verschwieg sie nicht, «dass die Kirche aus einer Bewahrungs- und Bevormundungspsychologie heraus eigentlich dem Buch feindlich geblieben ist (II Vaticanum und Synode 72)». Mit den katholischen Buchhändlern begann ab 1987 auch eine spezielle Zusammenarbeit. Zusammen setzte man sich als Trägerschaft für die Herausgabe eines Pressedienstes ein, Herausgeberin war die Kipa. Dieser Pressedienst (pdb – pressedienstbuch) wollte «vor allem katholischen Zeitungen, Zeitschriften, Pfarrblättern usw. ermöglichen, gezielt auf aktuelle und wichtige Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt aufmerksam zu machen». Der Schweizerische Katholische Presseverein hatte von Beginn weg hohe Ansprüche an diesen Pressedienst, alimentierte er ihn doch massgeblich. Mehrmals äusserte der SKPV Kritik einerseits an der einseitig eingeengten Themenwahl im Bereich Kirche-Religion-Theologie, andererseits an der journalistisch mageren Form des pdb-Bulletins. Die Kritikpunkte prallen jedoch an einer Wand des scheinbaren Unverständnisses ab. Der Verein konnte nicht mehr länger Träger eines Bulletins sein, dessen destruktive Grundhaltung «keinen Beitrag zur Bewältigung der gegenwärtigen innerkirchlichen Spannungen» leistet, sondern bloss «zusätzlich Sand ins Getriebe» streut. Nach fünf Jahren endete dieses Engagement des Pressevereins. ‘Wir sind zum Schluss gelangt, dass es wohl nicht mehr möglich ist, Änderungen in dem mehrmals besprochenen Sinne herbeizuführen; anderseits entspricht der Pressedienst unseren Vorstellungen in keiner Weise.’

Unermüdlicher Einsatz zeichnete Josef von Matt aus Stans aus. Der Buchhändler weibelte wie keiner für sinnvolle Jugendbücher, namentlich in den Berggebieten, wo der Zugang nachgerade erschwert war. Er schrieb jeweils rührende Berichte in den Jahresrückschauen, verfasste Gedichte, erzählte gerne auch vom Alltag in den Bergen, den er selbst erlebt hat. Und stets motivierte er Lehrer, Pfarreien, Jugendliche:

«Das auch noch, Herr Gruber», skandierte der Schulpräsident und lief rot an, «nun kommen Sie in diesem Jahr schon mit dem dritten Begehren, und es ist erst März!» Der Lehrer blieb ruhig und sagte gedämpft: «Ich wollte nur fragen.» «Ich kenne das», fuhr der Schulpräsident mit erhöhter Stimme fort, «Sie machen ein Gesuch an den Schulrat, und, weiss der Himmel, ist die Hälfte noch dafür. Jetzt ist Schluss! Die Kinder sollen ihre Aufgaben machen und helfen daheim, statt lesen!» Aus seiner Mappe zog der Lehrer einige zerknüllte Heftli, die er seinen Buben abgenommen hatte und begann daraus vorzulesen: «Jimmy zog seinen Revolver und schoss ihm drei Kugeln in den Bauch. Mit breitem Grinsen schaute er auf den Mann, der sich heulend auf dem Boden wälzte und schrie voll Verachtung: ‹Ich hätte höher zielen können, aber er soll mit Schmerzen verenden, das Aas!› Dann steckte Jimmy die rauchende Waffe ein und trat mit seinem gespornten Stiefel auf die Kehle des Blutenden.» «Herr Präsident, das ist der Lesestoff unserer Bergkinder, solange wir keine gute Schulbibliothek haben», erklärte der Lehrer und legte noch zehn andere Heftli vor. «Weiß der Himmel, wie sie hier heraufkommen, aber sie sind da. Verbieten? Wegnehmen? Sie kommen wie die Ameisen. Eine Schulbibliothek ist ein sehr dringendes Anliegen.» «Die Schulden abzahlen ist auch dringend», stöhnte der Schulpräsident, «wir haben kein Geld!» Der Lehrer packte die zerschlissenen Schundheftli in seine Mappe und sagte: «In diesem Fall, Herr Präsident, schreibe ich an den Schweizerischen Katholischen Presseverein nach Zug, dort finde ich gewiss Verständnis und Unterstützung.» (Josef von Matt, Jahresbericht 1970)

Josef von Matt starb hochbetagt 1988. Sein Einsatz für die Förderung des Jugendbuches wurde honoriert, denn «Tausende junger Menschen schöpften daraus geistige und religiöse Nahrung, holten sich hier einen wichtigen Teil ihres Rüstzeuges für das Leben in Familie, Beruf und Gesellschaft». Die Förderung seitens des SKPV schlief danach bald einmal ein, sei es wegen mangelnder Nachfrage, sei es wegen anderer Finanzquellen, vorab der öffentlichen Hand.

Mit dem Einbruch der katholischen Zeitungen und dem Wegbröckeln einer treuen Mitgliederbasis entfielen nach und nach auch wichtige finanzielle Mittel, um die eigentlichen Aufgaben, die im Wesentlichen nicht gänzlich andere waren als diejenigen bei der Vereinsgründung, finanzieren zu können. Hier boten die verschiedenen Aktivitäten für andere Organisationen eine wichtige Einnahmequelle, das Pressesekretariat konnte so stets aufs Neue finanzielle Mittel generieren. Ein anderer wichtiger Faktor war der Mediensonntag. Hier «sprudelten» alljährlich die Gelder, die nachher in Projekte investiert werden konnten, wofür sonst die Mittel nicht vorhanden gewesen wären.

«Der Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, der auf den Sonntag nach dem Fest Christi Himmelfahrt festgelegt ist, soll allen Gläubigen die Bedeutung der Medienarbeit mehr und mehr bewusst machen. Die Synode erwartet von allen Katholiken und Ihren Seelsorgern, dass sie durch das Opfer am ‹Mediensonntag› ihr Verständnis bekunden und zugleich einen unentbehrlichen finanziellen Beitrag für besondere Aufgaben leisten.» (Auszug aus einem Synodentext, der am 12. September 1975 gesamtschweizerisch verabschiedet wurde.)

«In den Jahren 1972 bis 1975 haben sich die Diözesansynoden auch mit dem Thema: ‹Information und Meinungsbildung in Kirche und Öffentlichkeit› befasst. In allen Bistümern sind dazu bis Ende 1976 Texte veröffentlicht worden, und es wurde darin zu Fragen Stellung genommen, die direkt unsere Arbeit betreffen. Als Folge dieser Synodenarbeit kann man feststellen, dass man sich ganz allgemein mehr um unsern Verein interessiert. Dieses wachsende Interesse konkretisiert sich in vielen Formen.» (aus dem Jahresbericht des SKPV 1976)

Der Koordinationsausschuss, worin der SKPV vertreten war, formulierte 1975 Richtlinien zur Verteilung des Medienopfers, welches nicht als reine Vereinstätigkeit zu betrachten ist, sondern vielmehr als eine Angelegenheit und ein Anliegen aller katholischen Massenmedienorganisationen im Auftrage der Schweizer Bischöfe. Der Schweizerische Katholische Presseverein wurde mandatiert, die Vorbereitung für den Mediensonntag, die Durchführung, das Inkasso des Opfers sowie die Verteilung der Mittel zu leisten. Dank dieser Aufgabe ist eine stete Grundauslastung des Pressesekretariats gewährleistet. Im Wesentlichen führte das Medienopfer jene Ideen weiter, die 1960 mit der Schaffung des Presseopfers im Auftrag der Schweizer Bischöfe ihre erste Ausformulierung fanden.

Im Zusammenhang mit dem Strukturmodell der Kirche Schweiz haben die Vertreter des SKPV die Hauptanliegen des Vereins – Kipa und Institut für Journalistik – in Erinnerung gerufen, was für die Verteilung des Medienopfers von grosser Wichtigkeit ist. 1980 konnten beispielsweise CHF 100‘000.00 an die Kipa sowie CHF 50‘000.00 (CHF 20‘000.00 davon freilich für die Errichtung des Lehrstuhls) an das Institut für Journalistik ausbezahlt werden, die Einnahmen der Kollekte beliefen sich auf CHF 380‘000.00, Geschäftsführer Bruno Köstinger konnte erfreut bilanzieren: «Die Sensibilisierung der jugendlichen und erwachsenen Bevölkerung für Medienfragen nimmt spürbar zu, wir sagen: glücklicherweise!»

1982 konnte man sich mit der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) dahingehend einigen, dass inskünftig die administrativen Leistungen des Sekretariates des SKPV für andere im katholischen Medienbereich tätige Organisationen – namentlich auch sämtliche Kosten des SKPV in Zusammenhang mit dem Medienopfer – abgegolten werden. Ähnliche Vereinbarungen bestanden bereits mit der Kipa sowie der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Presse (AKP). Der 1983 neugeschaffenen Medienkommission wurde von der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) die ausschliessliche Verantwortung über das Medienopfer übertragen. Der Kommission unter der Leitung von Abbe André Babel wurden vier Arbeitsgruppen eingegliedert: Arbeitsgruppe Mediensonntag/Medienopfer (Vorsitz: Hans-Peter Röthlin, Informationsbeauftragter der SBK); Pastorale Prioritäten im Medienbereich (Vorsitz: Don Valerio Crivelli, Direktor Centro Cattolico della Radio e Televisione (CCRT)); Harmonisierung innerhalb der Finanzierungsinstitutionen (Vorsitz: Professor Louis Bosshart, Direktor des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Freiburg); Medienbildung (Vorsitz: Alfons Croci, Leiter der Arbeitsstelle für Radio und Fernsehen (ARF)). Mit dieser neuen Organisationsstruktur bestand nun auch ein direkterer Draht zur Bischofskonferenz. Vorläufer dieser Kommission waren der Grosse und der Kleine Koordinationsausschuss für katholische Medienarbeit, geschaffen Ende der Sechzigerjahre auf Initiative von Dr. Max Gressly und Professor Florian Fleck hin. Erster Ausschusspräsident war Armand Claude, zweiter Präsident bis zum Übergang in die Medienkommission war Alois Hartmann. An der SKPV-GV 1985 in Einsiedeln referierte Abt Georg Holzherr, der Medienverantwortliche der SBK. Er meinte, die Presse müsste vermehrt ein Forum des Dialogs sein. Es liege am Journalisten, «die Samenkörner der Werte auf fruchtbares Erdreich auszustreuen und den Sauerteig der Wahrheit richtig dosiert dem Teig der öffentlichen Meinung beimengen zu können». Abt Holzherr sprach sich nicht nur für eine klar katholisch-kirchlich orientierte Presse aus, er forderte auch ein vermehrtes Engagement der Kirche auf allen Stufen ein.

Der Jahresbericht 1985 weist auf einen wunden Punkt hin: «Das grosse Problem bildet der geringe Beliebtheitsgrad der katholischen Medienarbeit bei der Geistlichkeit.» Die Mitarbeit seitens der Pfarreien sei oft unzureichend, der Kollektenertrag demnach auch geringer als erwünscht. Ein Jahr später erfährt man, welche Anstrengungen seitens der organisierenden Medienkommission ergriffen wurden: «Mittelpunkt der Vorbereitungsarbeiten ist immer der direkte Dienst an den Geistlichen und ihren engsten Mitarbeitern in der Pfarrei, in erster Linie die Erstellung und der Versand der notwendigen Unterlagen, die ihnen bei der sinnvollen Durchführung des Mediensonntags dienlich sind: Gottesdienst-Unterlagen, Dokumentation zur Thematik, Aushängeplakate, Bericht über das Medienopfer-Ergebnis des Vorjahres und über die Verteilung der Gelder. […] Darüber hinaus sind in mehreren Pfarreien in Zusammenarbeit mit unserem Pressesekretariat Begleitaktionen wie Ausstellungen, Film- oder Vortragsabende, Besichtigungen und andere Anlässe organisiert und durchgeführt worden.» Vor diesem Hintergrund erscheinen die Enttäuschungen, die gegenüber abseitsstehenden oder ständig kritisierenden Pfarreien zum Ausdruck kommen, durchaus nachvollziehbar. Die Unterstellung des Medienopfers in die Verantwortung der Medienkommission entzog dem SKPV eine wichtige Aufgabe. Zwar hatte er weiterhin die treuhänderische Verwaltung der Medienopfergelder inne, doch die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die direkte Projektförderung waren eingeschränkt – auch wenn personell sehr enge Beziehungen bestanden. Das gab aber auch Luft für andere wichtige Aufgaben, worunter eines der wichtigsten Engagement noch stärkere Förderung erfuhr: die Katholische Internationale Presseagentur, Kipa. Das Standbein Kipa wurde über all die Jahre stets wichtiger. Die 1917 gegründete Agentur, seit 1945 auch mit einem französischen Pendant, galt als eine der ältesten katholischen Nachrichtenagenturen. Mit der Tendenz im Zeitungswesen, auch bei den Korrespondenten zu sparen und Stellen zu streichen, stieg das Interesse an einer bestens informierten und vernetzten Presseagentur wie der Kipa. Die Agentur war bestrebt, breite und fundierte Informationen aus dem Vatikan, Informationen aus der Kirche und Informationen aus der Ökumene zu vermitteln. «Diese Trilogie ist bedeutungsvoll. Die Kipa bringt nicht nur einseitig ‹Rom›. Sie betreibt auch nicht einfach ‹Kirchturmspolitik›. Sie weiss sich ganz besonders der Ökumene verhaftet. Mit andern Worten heisst das: sie trägt allen Strömungen Rechnung. Ihre Berichterstattung ist weltoffen. Diese Offenheit bezieht sich nicht nur auf den Stoff, sondern auch auf den Bezügerkreis.»

Ein katholischer Pressedienst, der über die Grenzen hinaus auch andere, mitunter kirchenferne Kreise ansprechen oder gar erschliessen kann, ist zum einen eine grosse Herausforderung, zum anderen auch kostenintensiv. Bereits 1976 und 1977 mussten erkleckliche Summen zur Defizitdeckung der Kipa vom SKPV aufgebracht werden, dies in der leisen Hoffnung, «dass solche Massnahmen wirklich einmalig sind und bleiben». Die Kipa selbst bezeichnete sich als Spezialitätengeschäft, das nicht floriert, «um selbsttragend und gar noch gewinnabwerfend zu sein». Es erwuchsen der Kipa Konkurrenten, die mit ganz anderen finanziellen Mitteln ausgestattet waren, die – dem Zeitgeist folgend – nicht mehr auf fundierte tiefgründige Informationen zu katholischen oder christlichen Themen setzten, sondern lieber oberflächlich und flach in ihren Berichterstattungen blieben. Präsident Hartmann forderte 1988 angesichts dieser Probleme, auch solche der technischen Infrastruktur, eine Neuformulierung des Selbstverständnisses der Kipa. Gleichzeitig drückte «sich auch die Schweizer Bischofskonferenz unmissverständlich für die Erhaltung und den Ausbau dieser Agentur» aus. Bruno Köstinger setzte als Geschäftsführer der Kipa den Neuaufbau der Redaktion um, beschaffte die nötige finanzielle Unterstützung im technischen Bereich durch den Presseverein und konnte bei seinem Rücktritt Morgenröte verkünden: «Heute darf sich die Kipa in journalistischer Hinsicht, vom Abdruck her wieder sehen lassen.» Köstinger vermeldete auch vermehrtes Intersees an der Agentur aus Osteuropa und der Dritten Welt, wo zwar keine grossen Gelder eingebracht werden konnten. Während es journalistisch für die Kipa erfreulichere Neuigkeiten zu vermelden gab, kriselten die beiden Hauptsponsoren, das Fastenopfer und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz. Ihre Beiträge konnten nicht weiter der Kaufkraft angepasst werden, was sodann den SKPV finanziell stärker forderte.

Für das Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaften markiert 1998 einen wichtigen Meilenstein. Das Studium kann fortan als Hauptfach mit einem Lizentiat für Gesellschaftswissenschaften belegt werden. In den folgenden Jahren erfährt das Institut verschiedene Ausbauschritte mit neuen Professuren. Ab 2003 bilden die Professuren in «Medien- und Kommunikationswissenschaft» und «Sociologie de la communication et des médias» neu zusammen mit den Professuren für Soziologie und Politikwissenschaft das Departement für Gesellschaftswissenschaften der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Die Bezeichnung «Institut» verschwindet. Zum Gedenken an die beiden Pioniere von 1966 wird ein «Dr. Max Gressly – Prof. Florian Hans Fleck-Preis» für hervorragende Arbeiten in der Medien- und Kommunikationswissenschaft eingerichtet. 2004 werden neue Bachelorstudiengänge eingeführt. Der langjährige Institutsleiter Prof. Louis Bosshart wird 2013 pensioniert, ein Jahr später erhält das Departement den neuen Namen Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (DCM). 50 Jahre nach den bescheidenen Anfängen ohne eigenen Lehrstuhl weist das DCM sechs Professuren aus.

Die Vergabe eines Medienpreises, 1994 erstmals durchgeführt, animierte den Schweizerischen Verein Katholischer Journalistinnen und Journalisten unter seinem Präsidenten Pater Bruno Holz, ab 1995 einen nationalen Preis für junge Journalisten zu vergeben, der sofort auf breites Interesse stiess. Derweil vergab die Medienkommission den Katholischen Medienpreis 1996 an den weitum bekannten und renommierten NZZ-Feuilletonisten Dr. Hanno Helbling. Für ihr unermüdliches Schaffen in diversen katholischen Gremien wurden 2006 gemeinsam Don Valerio Crivelli, langjähriger Direktor des Centro Cattolico per la Radio e la Televisione (CCRTV) und Realisator von zahllosen Gottesdienstübertragungen am Radio und Fernsehen, und Abbé Michel Demierre, Regisseur der katholischen und religiösen Sendungen beim Westschweizer Fernsehen TSR, mit dem Medienpreis ausgezeichnet. 2016 gingen die Preise an Marie-Astrid Langer und Cyprien Lovis.

Der alljährliche Mediensonntag ist stets auch einem konkreten Thema gewidmet, um zusätzlich Pfarreien und Gläubige zur Kollekte zu motivieren. So war 2003 beispielsweise das leider dauerhaft aktuelle Thema «Medien für den Frieden». Die generierten Opfereinnahmen von rund CHF 370‘000.00 lagen fast CHF 60‘000.00 tiefer als jene vom Vorjahr, was angesichts der Mobilisierungskraft des doch wahrlich brennenden Themas ernüchtern ist. Es ist aber unerlässlich, in Zeiten versiegender finanzieller Quellen, in Zeiten negativer Motivation gegenüber kirchlichen Themen stets aufs Neue die Notwendigkeit kirchlicher medialer Einmischung zu kommunizieren. Und dies geschieht seitens des Schweizerischen Katholischen Pressevereins gebetsmühlenartig. Thema 2017, im Jubiläumsjahr, ist – Nomen est Omen – «Mehr Good News».

2003 wurde Christ und Welt vom Fastenopfer sowie der Römisch-katholischen Zentralkonferenz mit Fr. 20‘000.- zum letzten Mal unterstützt. Den nötigen Restbetrag von rund Fr. 37‘000.­ sollte der SKPV auf Vorschlag von Fastenopfer/RKZ bei den rund zehn Kantonalkirchen beschaffen, in deren Gebiet die Zeitungsseiten Christ und Welt erscheinen, was sodann auch gelang.

Für den SKPV bedeutet diese Art der Mittelbeschaffung einen wesentlich grösseren Aufwand als bisher. Um die Finanzierung ab 2004 sicherzustellen, wurde zwischen dem SKPV und der Neuen Luzerner Zeitung AG, der Produzentin der Christ und Welt-Seiten, ein Vertrag mit anderen Modalitäten abgeschlossen. Demnach wird wöchentlich nur noch eine Zeitungsseite für das Projekt produziert. Die Basellandschaftliche Zeitung, Oltner Tagblatt und Appenzeller Volksfreund haben davon zustimmend Kenntnis genommen.

Mit der Veröffentlichung dieser Seiten «soll mitgeholfen werden, dass kirchliche, religiöse und theologische Themen regelmässig erscheinen und nicht ganz dem Event-Denken geopfert werden.» Seit einiger Zeit kann Christ und Welt auf der Homepage abgerufen werden. 2016 steuerte der SKPV CHF 12‘368.00 an das Verlagsprojekt Christ und Welt bei.

Mit der Kipa bestand seit je eine sehr enge und erspriessliche Zusammenarbeit. Umso spezieller ist der Entscheid, die Kipa 2015, also genau zwei Jahre vor deren 100-Jahr-Jubiläum zu liquidieren. Wo sonst im Jahresbericht des SPKV die Zusammenarbeit mit und die Geschäftsführung für die Kipa im Vordergrund standen, heisst es heute, im Jahresbericht 2016: «Für die Genossenschaft Kipa-Apic erledigen wir die Liquidationsarbeiten.» Der Entscheid an der Genossenschaftsversammlung der Katholischen Internationalen Presseagentur 2015 fiel einstimmig: «Zu reden gab bloss noch die Verwendung des Genossenschaftskapitals (250‘000 bis 300‘000 Franken). Schliesslich einigte man sich darauf, je 40 Prozent des Vermögens an die beiden Medienzentren in Zürich und Lausanne zu überweisen und 20 Prozent an den Katholischen Presseverein (SKPV).» Viel mehr gab es nicht zu vermelden. Die Kipa-Apic freilich lebt in den beiden katholischen Medienzentren weiter, die die Onlineportale kath.ch, cath.ch und catt.ch betreiben.

Der Vorstand ist nun herausgefordert, seine Strukturen anzupassen. Mit dem Präsidenten Markus Vögtlin steht dem Verein ein versierter Kenner der katholischen Medienlandschaft vor. Vögtlin wurde 2002 Nachfolger von Walter Buchs, nachdem er bereits einige Jahre im Vorstand mitarbeitete. Er war Chefredaktor des katholischen Sonntag und somit journalistisch tätig. Lange Jahre vertrat er den SKPV im Kipa-Apic-Vorstand, war Mitglied der bischöflichen Medienkommission und kurze Zeit auch Leiter der Fachredaktion «Religion» beim Schweizer Radio DRS. Bei dieser Grossinstitution vermisste er den Gestaltungsfreiraum, dessen es bedurfte, um zielkonform das Wünschbare umzusetzen. Dank seiner verschiedenen Hüte hat Vögtlin das nötige Know-how, die Strategien und Strukturen anzupacken und anzupassen. Seit 1.1.2008 steht ihm der Geschäftsführer Melchior Etlin zur Seite. Er ist als Ökonom, der im Verbandsmanagement «zu Hause ist», und bereits neben dem Presseverein auch die Geschäfte der Kipa leitete sowie das Sekretariat des Schweizerischen Vereins Katholischer Journalistinnen und Journalisten führt, der richtige Mann für den Strategie- und Strukturprozess.

Bei all der Veränderung der vergangenen hundert Jahre gilt, dass der Verein stets für andere zugegen war und nie für sich allein. Der Schweizerische Katholische Presseverein hat jeweils Aufgaben übernommen und Projekte angerissen, begleitet und betreut, um vor allem «die katholische Präsenz in den Medien zu fördern» – seit 100 Jahren.

Quotes:

• ‘Wir sind uns wohl der Solidarität zur eigenen Presse viel zu wenig bewusst.’ (Alois Hartmann)

• ‘Communio et progressio’ hat bei ihrem Erscheinen grosse Beachtung gefunden und im Gegensatz zu ‘Inter mirifica’ auch Neuerungen gebracht.

• ‘Mit seinem Pressesekretariat bildet der SKPV heute die anerkannte Drehschreibe für die Zusammenarbeit innerhalb der katholischen Medienarbeit in unserem Land’ (Franz Josef Kurmann)

• ‘Prioritäten setzen ist auch für uns notwendig geworden.’ (Walter Buchs)

• ‘Das Vaterland war nur bereit einzulenken, sofern dies ‘die eigene Position nicht schwächt.’’