Schweizerischer Katholischer Presseverein
Association Catholique Suisse pour la Presse
Associazione Cattolica Svizzera per la Stampa

«Ihr müsst den Menschen Hoffnung bringen!»

«Ihr müsst den Menschen Hoffnung bringen!». Markus sprach deutlich und mit ernsthafter Miene. Er meinte es genau so, wie er es sagte. Hoffnung sollen wir bringen. Nichts anderes.

Ich erinnere mich gut an den Jahreswechsel 2013/14. Seit einigen Wochen überlegten wir intensiv, ob wir es wagen sollten, in das Abenteuer einer Magazin-Lancierung zu steigen. Durch einige schier wundersamen Fügungen hatte es sich ergeben, dass wir plötzlich sehr konkret über diese Idee nachdachten, die wir schon seit einigen Jahren in unseren Hinterköpfen rumtrugen. Ein Magazin für junge Sinnsucher wollten wir machen. Ganz analog, gedruckt auf Papier, gefüllt mit vielen Lebensgeschichten und in schönem Design daherkommend. Ein Heft, dass junge Menschen in ihren Lebenswelten inspiriert, animiert und motiviert. An das Wort «Hoffnung» hatten wir dabei allerdings ehrlicherweise nie gedacht. Doch Markus brachte uns den Schlüssel, den wir bei all unserem Durchringen durch die scheinbar verschlossenen Türen einer möglichen Machbarkeit noch brauchten. Wir entschieden, Markus’ Worte zu unserem Grundsatz zu machen: unser Magazin soll den Menschen Hoffnung bringen! Im Oktober erschien Melchior zum ersten Mal, gleich in einer Auflage von 25’000 Exemplaren und im gesamten deutschen Sprachraum – momentan arbeiten wir an der Ausgabe Nummer 7.

Mir scheint, dass Markus damals nicht nur zu uns gesprochen hat. Seine Aussage gilt genauso für die gesamte christliche Medienszene. Seine Worte entsprechen meiner Ansicht nach dem Grundauftrag eines jeden kirchlichen Medienauftrittes: Hoffnung soll gebracht werden.

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Als junge Medienschaffende haben wir uns natürlich nicht nur im Prozess der Lancierung von Melchior immer wieder die Frage gestellt, wie heutzutage Kommunikation funktionieren kann. Seit Jahren beschäftigen wir uns in unserem Medienkollektiv Fisherman.FM mit diesen Themen. Als junge Katholiken denken wir besonders auch immer neu darüber nach, was die Grundpfeiler von christlicher Kommunikation sind. Wie müsste katholische Medienarbeit in der heutigen Zeit aussehen? Wo hapert es oft und was könnten Schlüssel sein, dass eine Relevanz wieder steigt? Drei forsche Thesen möchte ich dazu aufstellen.

1. Verkündigung und Zeugnis

Papst Franziskus hat in seinen Botschaften zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, – aber auch schon in seinem ersten grossen Schreiben Evangelii Gaudium, – mehrfach darauf hingewiesen, dass die Verkündigung des Evangeliums klar an erster Stelle aller Aktivitäten der Kirche zu stehen habe. So bin ich mit ihm überzeugt, dass dies auch für jede katholische Medienarbeit in der Schweiz gilt. Doch sind wir ehrlich. Werden wir diesen Ansprüchen gerecht? Dümpeln wir als katholische Medienschaffende nicht oftmals viel mehr in – für die Öffentlichkeit eigentlich bedeutungslosen – kirchenpolitischen Sümpfen umher? Es fällt uns leicht, unsere Medien mit Berichten über einen möglichen neuen Bischof von Chur zu füllen. Doch wie sehr hat die eigentliche Verkündigung der Frohbotschaft von Jesus in unseren Medien Platz?

Mich erstaunt es immer wieder, wie wenig ich in katholischen Medien über Jesus erfahre, wie selten ich darin von Menschen lese und höre, wie sie von einer persönlichen Beziehung mit diesem Jesus berichten, Zeugnis ablegen. Wäre nicht viel mehr das authentische und ermutigende Glaubenszeugnis von Katholiken gefragt, in einer Zeit, in der so viele Menschen geradezu danach lechzen, diesen Jesus und seine rettende Barmherzigkeit zu erfahren?

Ich bin überzeugt, dass katholische Medien in Zukunft nur funktionieren werden, wenn die Verkündigung der Frohbotschaft in ihnen wieder prioritär wird. Es geht nicht an, dass kirchliche Medien ihren Konsumenten das Allerwichtigste, nämlich Jesus Christus und seine rettende und heilende Botschaft, grossmehrheitlich vorenthalten. Wir brauchen das zeugnishafte Zeichen der Jesus-Nachfolge, denn dies ist meiner Meinung nach grösste christliche Inspiration und Animation.

2. Ästhetik und Exzellenz

Ich muss gestehen, dass ich als gelernter Mediendesigner beim Betrachten und Konsumieren der katholischen Medienerzeugnisse immer wieder mit grosser Ratlosigkeit zurückbleibe. Etwas fiel mir immer besonders auf und stimmte mich auch traurig: die katholischen Medien sind einfach fast nie schön gemacht. Beispiele gefällig? Die Internetseite kath.ch hatte jahrelang den Charme einer Homepage eines Regionalspitals. Die Schweizerische Kirchenzeitung – immerhin DIE katholische Publikation des Landes – erscheint in einem ultratoten Layout, das genauso für ein Beerdigungsinstitut passen könnte. Die meisten Pfarreiblätter arbeiten mit einem gequält frischen Auftritt, der wohl auch den oftmals gequält frischen Zustand einiger Pfarreien wiedergibt.

Ich weiss, das ist polemisch. Allerdings würden mir mit Sicherheit alle Marketingprofis dieses Landes bestätigen: auf der Höhe der grafischen Zeit ist die Kirche mit ihren Medienerzeugnissen bei weitem nicht. Es ist manchmal fast schon grässlich, wie diese emotionslos, unfreundlich und qualitativ schlecht daherkommen. Wie glaubwürdig ist eine Kirche eigentlich, die in ihr die schönste und beste Botschaft weiss, diese aber in ihren Medienerzeugnissen in ein schäbiges, unästhetisches Kleid verpackt?

Ich bin überzeugt, dass Medien mit katholischen Inhalten in Zukunft nur funktionieren werden, wenn sie auch ästhetisch Ansprüche an sich selber stellen. Ich wünsche mir, dass wir in der katholischen Medienarbeit neu über Schönheit und Exzellenz nachdenken und uns dabei auch von den vielen schönen Produkten der säkularen Medienwelt inspirieren lassen.

3. Kreativität aus Überzeugung

Es ist erstaunlich, was die Medienwelt in den letzten Jahren für eine grosse Veränderung durchgemacht hat. Alleine in den letzten 15 Jahren habe ich miterlebt, wie sich praktisch alles verändert hat. Das Medienkonsumverhalten hat sich derart rasant verändert, dass viele grosse Verlagshäuser nicht mehr wissen, wie sie sich retten können. Heute kann jeder Mensch nicht nur Medienkonsument sein, sondern sich als ein eigener Medienkanal inszenieren, sozusagen selber Medienproduzent sein. Mittels Social Media kann ich, wenn ich es geschickt mache, durch Text, Bild und Video mehr Menschen erreichen, als manche herkömmliche Redaktion dies in einer gedruckten Zeitung tun kann. Ich sehe diese Entwicklung für die Verbreitung des Glaubens als grosse Chance. Denn sie bedeutet auch, dass jeder Christ über eigene Kanäle die Möglichkeit hat, seinen Glauben authentisch zu bezeugen, darzustellen und zu teilen und damit andere Menschen zu erreichen. Das christliche Lebenszeugnis wird an Strahlkraft gewinnen.

Allerdings, eines ist in dieser neuen Medienwelt besonders gefragt: Kreativität. In der Vielzahl an Medienprodukten im World Wide Web muss man herausstechen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Banales und uninspiriertes Auftreten geht unter und findet keine Beachtung. Wenn man aber den Mut hat, die Dinge neu zu denken und kreative Wege einzuschlagen, wird dies mit grosser Wahrscheinlichkeit mehr Beachtung finden.

Ich bin überzeugt, dass katholische Medienarbeit in Zukunft nur funktionieren wird, wenn wir uns zu Mitarbeitern des Creator Spiritus machen, dem kreativen Schöpfergeist Gottes. Dieser ist es, der immer wieder mit neuen Ideen überrascht und schöpferisch tätig wird. Dazu müssen wir ihn in unseren Überlegungen und dem konkreten Arbeiten immer wieder anrufen und wirken lassen. Seine Kreativität ist immer frisch und überzeugend.

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Mit Melchior versuchen wir diese drei Grundsätze immer wieder neu konsequent zu meditieren und in unserem Tun umzusetzen. Verkündigen wollen wir weniger durch ein Predigen von oben herab, sondern durch das erzählen und darstellen von Geschichten, durch das Portraitieren von Menschen mit (auch schwierigen) Lebensrealitäten und mittels einem Nachforschen der grossen philosophischen und theologischen Fragen, die das Leben stellt. Ästhetik und Exzellenz sind uns wichtig in der Produktion und Herstellung des Magazins. Neben dem Design gehören dazu auch Papierwahl und Bindequalität. Und einen kreativen Zugang wählen wir jedesmal, wenn wir bereits ganz zu Beginn im Redaktionsprozess darüber nachdenken, wie man ein Thema in neuer Weise journalistisch und gestalterisch aufbereiten könnte und hierzu auch das Gebet um den Heiligen Geist konsequent anwenden.

Ich freue mich auf die nächsten 100 Jahre der katholischen Medienarbeit in der Schweiz. Sie werden weiterhin grosse Veränderungen bringen. Doch die Frohbotschaft von Jesus Christus wird immer aktuell sein. Ästhetik und Exzellenz werden immer anziehend sein. Kreativität und Überzeugung haben jederzeit das Potenzial, neue Möglichkeiten zu schaffen. Der Heilige Geist ist uns versprochen und seine Anwesenheit ist konkret und spürbar. Packen wir die Zukunft an, die Menschen warten darauf, dass ihnen jemand DIE Hoffnung bringt.