Schweizerischer Katholischer Presseverein
Association Catholique Suisse pour la Presse
Associazione Cattolica Svizzera per la Stampa

Vom Aufbruch zum Umbruch

Von Thomas Gmür
Thomas Gmür, geboren 1967, ist Historiker. Er hat in Fribourg, Bern und Rom Zeitgeschichte, Moderne Geschichte und Betriebswirtschaft studiert und publiziert zu politik-, wirtschafts- und kirchenhistorischen Themen und ist Verfasser diverser Vereins-, Firmen- und Familiengeschichten. Gmür ist Chefredaktor der „Civitas“, des Organs des Schweizerischen Studentenvereins sowie Geschäftsführer einer Immobilienfirma in Luzern.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges läutete eine neue Entwicklung, ein neues Verständnis des Katholischen in der Schweiz aus. Die Schweiz blieb glücklicherweise von den kriegerischen Auseinandersetzungen verschont. Dennoch spürten die Bürgaerinnen und Bürger auch soziales Elend. Es ist mitunter der Weitsicht kirchlicher Institutionen zuzurechnen, dass weiteres Elend in der Schweiz ausblieb. Hilfsorganisationen, kirchliche, staatliche sowie private, halfen dort, wo Hilfe benötigt wurde. Und stets, wenn es den Leuten weniger gut geht, suchen sie Halt im Glauben. Dies war auch im Krieg nicht anders. Die umliegenden Staaten lagen teilweise in Schutt und Asche, was zu einer starken Zunahme der Migration in die Schweiz führte, die bis Mitte der Siebzigerjahre anhielt, als die Ölkrise die wirtschaftlichen Boomjahre vorerst beendeten. Die Einwanderer kamen mehrheitlich aus katholischen Gegenden, vor allem jene, die ab Mitte der Fünfzigerjahre für den Aufschwung der Schweiz mitverantwortlich waren.

1947 wurde Niklaus von Flüe vom Papst heiliggesprochen. Es schien offensichtlich, dass es Bruder Klaus zuzuschreiben ist, dass unser Land vom Krieg verschont blieb. Der Heilige vom Ranft verband somit Protestanten und Katholiken gleichermassen, viele neue Kirchen erhielten seinen Namen und unterstanden seinem Patrozinium.

1958 bestieg ein neuer Papst den Stuhl Petri, Johannes XXIII., der «lächelnde Papst», heimste derart viel Sympathien ein, dass er bereits bei seinem Amtsantritt ein Glücksfall für die Kirche war. Als er dann kurz danach das zweite Vatikanische Konzil einberief, löste dies für die kommenden Jahre einen kircheninternen Hype sondergleichen aus. Das Vatikanum stärkte das katholische Verständnis nachhaltig. Die Konzilsberichterstattung erfasste auch Reformierte sowie Nicht-Christen. Ein gewaltiger Ruck ging durch die Weltkirche, ein enormer Elan drang durch sie. In der Schweiz gipfelte der neue Geist der Kirche in der Synode 72, die bis in die äussersten Verästelungen der Basiskirche drang.

In der Politik erreichten die Katholisch-Konservativen in den 50er-Jahren unter ihrem Generalsekretär Martin Rosenberg Höhenflüge. Kurze Zeit stellten die Konservativen gar drei Bundesräte. Ihre Durchschlagkraft war gewaltig. Ihr Gestaltungswille stärker als jener der Freisinnigen.

1952 erinnerte der Verein daran, dass es ein Vierteljahrhundert her sei, dass einer der bekanntesten katholischen Schweizer Literaten seiner Zeit verstorben ist. Seit dem Wirken Heinrich Federers hätte sich im publizistischen wie im allgemeinen katholischen Auftrage nichts Wesentliches geändert. Federer beeinflusste mehrere Generationen von Heranwachsenden in deren Verständnis für katholisch geprägte Literatur. Während der eine schon länger tot war, schied 1952 einer der angesehensten und wichtigsten Redaktoren der katholischen Presse hin. Eugen Kopp prägte während rund dreissig Jahren das Zentralorgan der katholisch-konservativen Schweiz, das Vaterland. August Bärlocher würdigte ihn im Jahresbericht: «Wer Kopp-Artikel las, wusste am Schluss klar und bestimmt, wie es gemeint war und was er sagen wollte. […] Er hasste den Irrtum und liebte den Irrenden.»

In diese Zeit des Um- und des Aufbruchs fällt auch eine wichtige Zäsur beim Schweizerischen Katholischen Presseverein. 1954 schied Walter Amstalden, der 1934 das Zepter von Philipp Etter übernommen hatte, aus dem Amt. Sein Vorgänger freilich blieb noch einige Jahre prägend im Bundesrat. Amstalden «hat ein gewichtiges Wort gesprochen, das Beachtung fand. Und er hat es verstanden die Mitglieder der Direktionskommission im Geiste schöner Harmonie zur Arbeit zusammenzuführen.»

Die Erstarkung der Konservativen Partei führte dazu, dass die SKK vermehrt von der Partei vereinnahmt wurde. Dies führte 1954 zu grösseren Reibereien, was sich auch im Jahresbericht ausdrückte:

«In mehreren Sitzungen und in einer Aussprache mit der katholischen Publizistenvereinigung am Vorabend des Schweiz. Katholikentages in Freiburg wurde die Stellung der SKK zum SKPV abgeklärt. Nicht dass in unserm Verein Zweifel geherrscht hätten, die SKK (Schweizerische Katholische Korrespondenz) in Bern sei nicht ein Werk unseres Vereins, was schon 1929 und späterhin bei verschiedenen Gelegenheiten wieder festgestellt wurde und auch aus dem Beitragsverhältnis unseres Vereins an die SKK im Vergleich zum Beitrag anderer Gremien sowie aus den Protokollen hervorgeht. Anlässlich der Abstimmungspropaganda zur Finanzreform hat sich aber zwischen leitenden Instanzen der Partei und des Pressvereins eine Diskussion ergeben über das Verhältnis zur SKK. Es ist der Partei unbenommen, weiterhin grundsätzliche Verlautbarungen mit den Sendungen der SKK an die Redaktionen zu leiten. Der nähere Modus wurde in einer schriftlichen Vereinbarung niedergelegt. Die SKK aber ist nach wie vor ein Unternehmen nicht der Partei, sondern des Schweiz. Kathol. Pressvereins. Auch dieses Pressewerk bedarf der finanziellen Ausweitung. Doch wurde mit den verantwortlichen Organen auch Aussprache gepflogen über den inhaltlichen Ausbau. Alle diese Verhandlungen hier und dort nahmen viel Zeit unserer Direktionskommission oder einzelner ihrer Mitglieder in Anspruch.» Die Auseinandersetzungen mündeten schliesslich in der Abtretung der Schweizerischen Katholischen Korrespondenz an die Schweizerische Konservativ-christlichsoziale Volkspartei. Seit Ende 1958 führt die Partei den Pressedienst Schweizerische Konservative Korrespondenz.

Monsignore Giovanni Montini, der spätere Papst Paul VI, schriebe 1952 zur Bedeutung der katholischen Presse: «Das Presseapostolat stand dem Heiligen Vater von jeher besonders am Herzen. Der Papst hat ihm wiederholt seinen Segen gegeben und wichtige Richtlinien hierüber erlassen. Heute, da die Wahrheiten unseres Glaubens so oft misskannt werden und verhängnisvolle Irrtümer die Geister auf Abwege führen, so dass die unvergänglichen Güter der Kirche Christi von vielen nicht mehr geschätzt werden, kommt der wichtigen Rolle der katholischen Zeitung eine ganz besondere Bedeutung zu».

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Umbruch- und Aufbruchstimmung forderte die Kirchenoberen heraus. Bischof Franziskus von Streng ermahnte 1952 zur Fastenzeit die Gläubigen eindringlich ihrer Pflicht gegenüber der katholischen Presse: «Leider erfüllen nicht alle Katholiken ihre Pflicht gegenüber der katholischen Tages- und Lokalpresse. Die katholische Zeitung ist der Lautsprecher des katholischen Glaubenslebens. Wenige andere Tagesblätter sind es, die sich bemühen, christliches Ideen- und Kulturgut in die Öffentlichkeit hinauszutragen. […] Wer regelmässig nur neutrale Presse liest, wird neutral, religiös lau, kalt und gleichgültig. Wer kirchenfeindliche Blätter abonniert, hilft den Feinden der Kirche. Die katholische Zeitung ist der Herold, der das katholische Volk zum gemeinsamen religiösen und kulturellen Verteidigungs- und Aufbauwerk aufruft und sammelt…»

Wie kaum zuvor äussern sich nun Bischöfe, Kardinäle, ja sogar die römische Kurie unter Papst Pius XII. vermehrt zu pressepolitischen Themen («auffällig gehäufte Kundgebungen»), die die Redaktoren der Jahresberichte des SKPV jeweils dankbar aufnehmen und den Mitgliedern zukommen lassen. 1953 gipfelte dies in der schön formulierten Forderung nach «Publizistik des christlichen Charmes».

Es fällt ebenfalls in die Zeit des starken Engagements der katholischen Presse sowie der weltlichen und geistlichen Hüter des «sentire cum Ecclesia», als die Katholische Internationale Presseagentur Kipa zu neueren Ufern aufbrach. Einerseits firmierte die Kipa ab 1955 als Genossenschaft, nachdem sie 1932 als Privatunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Andererseits standen sich «Traum und Wirklichkeit» gegenüber: die Technik ermöglicht die schnellere Übermittlung von Texten und Nachrichten aus aller Welt, dank dem Fernschreiber, dem Telex, wird die Kipa Meldungen à la minute absetzen. Der Schweizerische Katholische Presseverein war 1955 bei den Genossenschaftsgründern und unterstützte die Kipa mit namhaften Beiträgen. Die technische Entwicklung der Agentur war nur dank finanzieller Leistungen des SKPV möglich, der bei den Bischöfen vermittelnd für das Presseopfer am Pressesonntag eintrat. Die Kipa hat für die katholische Berichterstattung der folgenden Jahre dank ihres technischen Fortschritts hohe Anerkennung erhalten, so beim Tod Papst Pius XII. demjenigen von Papst Johannes XXIII., beim Konklave sowie massgeblich beim II. Vatikanischen Konzil – «auf der Redaktion der Kipa stehen nun fünf Fernschreiber. Einer ist mit einem permanenten Kabel mit dem Büro in Rom verbunden.»

Die Nähe zur Geistlichkeit wird klar ersichtlich bei der Tagung von Redaktoren und Pfarrherren, die 1963 auf dem Rügel, oberhalb des Hallwilersees, stattfand. Aus dem Ergebnisbericht lesen wir:

1. In der Zeit der Vertiefung und gegenseitigen Annäherung der christlichen Konfessionen drängt sich gebieterisch die Forderung auf: die Massenmedien (Presse, Radio, Fernsehen und Film) intensiver in den Dienst der Religion, des Christentums und der Kirche zu stellen. An erster Stelle steht die Presse. Sie hat immer noch die breiteste und tiefste Wirkung der vier Massenmedien. Mit ihr werden täglich über 500 Millionen Menschen erreicht. Ob wir wahre, lebendige Christen bleiben, ob wir das Christentum tiefer in die Herzen und weiter in die heute offene Welt hineintragen, hängt zu einem sehr grossen Teil von der Presse, den Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten ab: ob diese noch christliche Substanz besitzen oder ob sie neutral, oberflächlich und nivellierend sind und es immer mehr werden. Wir sind heute auf dem besten Wege, durch die sogenannte Sensationspresse immer mehr und mehr an menschlicher und christlicher Substanz zu verlieren. Am Konzil wurde der Satz ausgesprochen: «Die Kirche ist auf die Presse lebensnotwendig angewiesen.»

2. Die Seelsorger brauchen heute mehr und mehr die Unterstützung durch die gute Presse. Nicht dass eine politische Zeitung zu einem Predigtblatt werden soll. Aber die Seele der Zeitung muss christlich sein. Der Redaktor muss die Welt und das grosse Weltgeschehen mit christlichen Augen betrachten und die grossen, entscheidenden Fragen, namentlich die Fragen der Erziehung, aus dem christlichen Blickfeld sehen. Der Seelsorger und der Redaktor gehören zusammen. Beide sind eine Schicksalsgemeinschaft. Beide brauchen einander.

3. An der Konferenz auf dem «Rügel» wurde von Redaktoren die dringende Bitte an die Geistlichen gerichtet: Ihr Seelsorger, wir bitten euch, helft uns in der geistigen Not der Gegenwart, in der allgemeinen Verflachung und Nivellierung des Lebens. Ihr Pfarrherren, unterstützt die gute Presse mit eurem ganzen Ansehen und eurem ganzen Einsatz. Der Redaktor braucht die Hilfe der Seelsorger. Zusammen sind Pfarrer und Redaktor eine Macht, zusammen sind sie ein Segen für das christliche Volk. Wenn wir das Christentum im Volke lebendig erhalten wollen, müssen wir die katholische Presse stärken, sie besser, tiefer und zeitgemässer ausbauen. Am Konzil wurde ferner erklärt: «Die Kirche kann heute ihre Aufgabe nicht erfüllen ohne die Benützung der Massenmedien. Und weiter: Nur wenn die Presse der Kirche hilft, wird es ihr möglich sein, das christliche Weltbild noch weiter und noch eindringlicher zu verbreiten. Die gute Presse ist ein Herzensanliegen des Konzils.» Der Berichterstatter des Konzils für die Behandlung der Massenmedien, Erzbischof von Sens, Rene Stourm, rief die Worte von Papst Johannes XXIII. in Erinnerung: «Die Macht der Presse ist gewaltig, da sie die öffentliche Meinung, deren Bedeutung jedermann kennt, bildet und lenkt.» Erzbischof Rene Stourm schreibt in seinem Referat vor dem Konzil: «Wie sollte die Kirche ruhig bleiben, wenn so viele Seelen, die sie mit der Taufe bezeichnet hat, wegen schlechter Lektüre und wegen der Vorführungen, die sie so häufig betrachten, den Glauben und die guten Sitten verlieren?!» Es ist eine unabdingbare Forderung des Konzils, dass Bischöfe und Klerus der Presse ihre ganze Aufmerksamkeit schenken und die Redaktoren es sich zur Pflicht machen, die Kirche in dieser schweren Aufgabe mit ganzer Hingabe zu unterstützen. Beide, die Kirche und die Presse, werden durch ihre getreue Zusammenarbeit sich im Volke die besten Helfer und Unterstützer schaffen. Auch hier besteht die gleiche gegenseitige Gewissenspflicht: die Kirche und die gute Presse bringen dem Volke Licht, Trost und Kraft. Das gläubige Volk aber steht andererseits ebenfalls tatkräftig zur guten Presse und zu den Seelsorgern.

Viel Hoffnung, sei es von Seiten der katholischen Medienschaffenden, sei es von Seiten der kirchlich Engagierten, sei es von Seiten der gläubigen Basis, ruhte auf dem Vatikanischen Konzil. Vieles konnte erreicht werden, einiges bleibt Stückwerk. Doch gerade die Verlautbarungen zur Presse, zur Öffentlichkeitsarbeit gehören zu den wenig greifbaren Aussagen des Konzils. «Es ist das schlechteste Konzilspapier», meint der langjährige Präsident des Pressevereins Alois Hartmann.

Der Schweizer katholische Presseverein initiierte 1963 die Schaffung von Pfarrei- und Klassenbibliotheken, vor allem in bedürftigen Berggemeinden. Die teilweise bereits bestehenden Bibliotheken sind oftmals in kläglichem Zustand mit veraltetem schlechtem Buchbestand. Einer der wichtigen Förderer dieser gemeinsinnigen Idee war der Buchhändler Josef von Matt aus Stans. Dieses Engagement wurde vor allem auch von den Lehrschwestern, die damals in die äussersten «Chrachen» entsandt wurden, geschätzt: «Durch Ihre Gabe bilden Sie unsere Leute. Mir ist es wichtig, dass gute und beste Erzählungen zu unserm einfachen Volk kommen, das fördert den kulturellen Aufbau, festigt den Charakter und stärkt die Wehrkraft.»

Die zahllosen Bemühungen, die katholische Presse inhaltlich zu stärken und deren Verbreitung auszudehnen, täuschen nicht hinweg, dass ihr ein eisiger Wind entgegenblies. Ende der Fünfzigerjahre erschien erstmals der Blick und führte als Boulevardblatt einen bislang gänzlich unbekannten Journalismus ein. In Zürich und anderen urbanen Zentren kam es zu ersten Zusammenschlüssen, es entstanden die ersten grossen Pressekonzerne. Dies führte zu erhöhtem Druck auf die mittleren und kleinen Lokalzeitungen sowie auf die Meinungspresse. Die gesellschaftlichen Entwicklungen hatten Auswirkungen auf das katholische Milieu, und damit auch auf die damals sehr starke Konservative Christlich-soziale Volkspartei. Langsam begann – zunächst in den städtischen Zentren und Agglomerationen – ein bis anhin relativ homogenes Milieu zu erodieren. Einige katholische Verleger sahen diese Entwicklung am Horizont aufblitzen und organisierten sich ab 1963 in der Vereinigung der Verleger katholischer Zeitungen (VVKZ). Im selben Jahr wurde die AKP, die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Presse, aus der Taufe gehoben. Ihre Aufgaben bestanden stipuliert in Artikel 2 des Reglements darin,

eine verständnisvolle und rationelle Zusammenarbeit zwischen den Verlegern und Redaktionen zu fördern,

– den Nachwuchs, die Ausbildung und die Weiterbildung von Journalisten zu fördern

– alle Pressefragen, welche zweckmässig gemeinsam durch Verleger und Journalisten behandelt werden, zu beraten,

– die Interessen der katholischen Presse nach aussen zu vertreten.

Der SKPV ist mit dem VVKZ sowie dem Verein katholischer Publizisten Mitträger der AKP. Die AKP war am 8. Juli 1964 Gründerin des Seminars für Journalistik der Universität Freiburg, dessen Vorläufer das journalistische Seminar unter Prof. Müller-Büchi war (die Anerkennung der Statuten als offizielles Universitätsinstitut durch den Freiburger Staatsrat erfolgte am 29. April 1966). Auf Initiative von Studenten (darunter viele Mitglieder des Schweizerischen Studentenvereins) gab es auch Film-, Radio- und TV-Kurse. Die Arbeitsgemeinschaft wurde zunächst ausschliesslich durch den Presseverein, den Hochschulrat, die Verlegervereinigung sowie das Fastenopfer alimentiert.

Die AKP veranstaltete Fortbildungskurse für Journalisten und Verleger. Gastrecht erhielt sie im Hotel Pax-Montana in Flüeli im Kanton Obwalden. Das Thema der ersten Tagung, «Hat die Gesinnungspresse noch eine Chance?», war bereits ein voller Erfolg, weshalb die Pax-Montana-Kurse fortgeführt wurden. In der Romandie entwickelte sich bald schon ein Pendant auf dem Mont-Pélerin.

Das Institut für Journalistik hat 1971 den Auftrag vergeben «für eine kritische Strukturanalyse der Medienarbeit der Schweizer Katholiken.» 1974 erschien die Schrift Katholische Medienarbeit in der Schweiz von Redaktor Willy Kaufmann. Er zeigt das Zusammenarbeiten der verschiedensten Player auf und stellt mehrmals fest, dass strukturelle und organisatorische Herausforderungen bevorstehen. Anfang der Siebzigerjahre scheint die Entwicklung unaufhaltsam in eine Richtung zu gehen, die Massenmedien verdrängen nach und nach die kleinen Lokalzeitungen, es kommt zu einer Boulevardisierung im Pressewald. Der Verdrängungskampf hat vor allem auch die katholischen Zeitungen in den urbanen Zentren und Agglomerationen hart getroffen, in Zürich, Basel und Bern verschwinden Zeitungen, die für die Diasporakatholiken einstmals starken bindenden Einfluss ausübten.

Was Kaufmann ebenfalls konstatierte, war eine fehlende Zusammenarbeit der verschiedenen Player. Oftmals wurde gleiches in verschiedenen Gremien ausgearbeitet, ohne dass irgendein Koordinationsbedarf ersichtlich gewesen wäre. Im Jahresbericht 1964 hielt der damalige Sekretär Eigenmann noch folgendes fest: «Der Umstand, dass das Sekretariat des Seminars und jenes der Arbeitsgemeinschaft wie auch das der Verleger-Vereinigung in der gleichen Hand liegen, erleichtert die rationelle Zusammenarbeit unter den genannten Institutionen und gab auch die Möglichkeit zu einer erfreulichen Zusammenarbeit mit den übrigen Spitzenorganisationen der Schweizer Katholiken, aber auch mit den Berufsorganisationen der katholischen Presse im In- und Ausland und mit den übrigen Berufsorganisationen der Presse.»

Was hat sich in den Jahren zwischen 1964 und 1974 denn derart verändert, dass Kaufmanns Schlüsse diametral zur Erkenntnis Eigenmanns erscheinen? Zunächst wiesen die Katholiken einen hohen Organisationsgrad aus. Das Pressewesen war auf all seinen diversen Ebenen bis in die äussersten Kapillaren fein strukturiert. So ist es wenig erstaunlich, dass jede Organisationseinheit für sich in Anspruch nahm, bald einmal eigenständiger und unabhängiger agieren zu können. Die Abspaltung der früheren Schweizerischen Katholischen Korrespondenz hätte hier eigentlich Beispiel für eine aufkommende Entwicklung abgegeben. In den Siebzigerjahren – die Krise im katholischen Milieu schlug nun voll durch – fehlte es zusehends an katholisch konnotiertem Personal. Damals kam es auch zur Zusammenlegung der AKP, der VVKZ, der Kipa und des SKPV in den noch heute bestehenden Räumen der Paulusdruckerei und man merkte damals, dass die Brötchen kleiner gebacken wurden, «als noch zehn Jahre zuvor».

Die Jahre nach der Synode 72, die vielerorts die Aufbruchstimmung dämpften, waren aber von einem anderen Phänomen geprägt. Vieles wurde zwar erreicht, angegangen, umgesetzt etc., die katholische Medienarbeit gab sich neue Strukturen und der SKPV stand «in einem gewissen Sinne am Scheideweg», wie der neue Vereinspräsident Franz Josef Kurmann 1974 feststellte. Doch etwas hatte die Verantwortlichen nicht bemerkt, und dies hatte vor allem in Zeiten des Umbruchs markante Auswirkungen: es waren fast immer die gleichen Leute in den Gremien vertreten. Häufig bewegte man sich im Kreis. Was den Anschein einer gewissen Dynamik hinterliess, war eigentlich ein Treten an Ort. Es gab zwar viele positive Aspekte dieser Phase, so ist vor allem die Filmförderung als eine solche zu erwähnen, der Erfolg der Filmzeitschrift Zoom gehört sicher auch dazu. Gewiss wäre einer breiten Bevölkerungsschicht der Zugang zu literarischen (und nicht nur katholischen) Werken ohne den SKPV verwehrt geblieben. Die Neustrukturierung des «Neuen Buchs» ab 1972/73 mit stärkerer Einbindung der Buchhändler tat das Ihre.