Schweizerischer Katholischer Presseverein
Association Catholique Suisse pour la Presse
Associazione Cattolica Svizzera per la Stampa

«Von der Diaspora in die Kerngebiete der katholischen Schweiz» – Die ersten Jahrzehnte des Pressevereins

Von Thomas Gmür
Thomas Gmür, geboren 1967, ist Historiker. Er hat in Fribourg, Bern und Rom Zeitgeschichte, Moderne Geschichte und Betriebswirtschaft studiert und publiziert zu politik-, wirtschafts- und kirchenhistorischen Themen und ist Verfasser diverser Vereins-, Firmen- und Familiengeschichten. Gmür ist Chefredaktor der „Civitas“, des Organs des Schweizerischen Studentenvereins sowie Geschäftsführer einer Immobilienfirma in Luzern.

Der Wunsch, sich seitens der katholischen Presse vermehrt zu organisieren, bestand schon länger. Zum einen fühlten sich die Katholisch-Konservativen seit der Gründung des modernen Bundesstaates faktisch in der Minderheit, zum anderen wurde das Katholische stets auch mit dem Konservativen in Verbindung gebracht, was die Unterstützung politisch eher liberaler gesinnter Kräfte für die katholische Sache seit je konfliktanfällig gestaltete.

Der neue Bundesstaat, der sich 1848 gegen die mehrheitlich katholischen Innerschweizer, Walliser, Freiburger und Teile der Ostschweiz sowie des Aargaus formierte, drängte das Religiöse, vorab das Katholische, aus dem politischen Alltagsgeschehen. Die Bundesverfassung von 1874 enthielt gar mehrere Artikel, welche sich in concreto gegen die Katholiken (z.B. «Jesuitenartikel») wandte. Damit verbunden waren gewiss auch innerkirchliche Spannungen, kulturkämpferische Auseinandersetzungen, die Abspaltung der christkatholischen Kirche oder die Zerschlagung des einst mächtigen Kirchenstaates nach der Einigung Italiens.

In dieses Spannungsfeld fallen vermehrte Aktivitäten, sich katholischerseits zu formieren, sei es religiös konnotiert oder auf politischem Parkett. Politisch führte dies zur Erstarkung der Katholisch-konservativ Gesinnten, die bald darauf mit dem ersten Bundesrat Einzug in die Landesregierung nahmen. Religiös konstituierten die Katholiken sich in mehreren Vereinen und Verbänden, die ihre Zugehörigkeit zum römisch-katholischen Glauben unterstrichen.

Piusverein als treibende Kraft

Bereits 1857 gründeten Katholiken den Piusverein, eine Organisation zur Bewahrung des Glaubens, für christliche Liebeswerke und die Pflege katholischer Wissenschaft und Kultur. Emil Pestalozzi-Pfyffer nannte als treibende Umstände, die zur Gründung des Piusvereins führten, «die zahlreichen Misserfolge, welche die Katholiken während der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts erfahren mussten.» Ein nicht minder wichtiger Grund war der fehlende Zusammenhalt untereinander. Dank einer gewissen Sogwirkung des Piusvereins entstanden in dessen Umfeld 1859 der Bücherverein, 1863 die Inländische Mission oder 1901 der Caritas-Verband. 1904 schlossen sich verschiedene katholische Männer- sowie Jünglingsvereine mit anderen zum Schweizerischen Katholischen Volksverein (SKVV) zusammen.

Gerade dieses verzweigte katholische Vereinswesen stand quasi dem späteren Presseverein Pate. An der Generalversammlung des Schweizerischen Piusvereins von 1867 in Altdorf wies der Pfarrer, Volksdichter und Zeitungsredaktor Franz Anton Rothenfluh (1835-1893) auf die prekäre Situation der katholischen Presse hin. Nur etwas mehr als zwanzig katholische Presseorgane bestanden damals. Emil Pestalozzi-Pfyffer schilderte den damaligen Zustand am 3. Pressetag 1923 wie folgt: «Es erschienen damals in der Schweiz 268 politische Tagesblätter, von denen 190 entschieden katholikenfeindlich genannt werden mussten. Katholische Blätter existierten damals keine zwei Dutzend, also höchstens 8 Prozent der Gesamtzahl. Von den politischen Blättern erschienen 47 täglich, unter diesen aber nur 2-3 katholische.»

Rothenfluh fasste seinen Aufruf in folgende Worte: 1. Nie ein der katholischen Kirche feindliches Blatt zu abonnieren oder irgendwie zu unterstützen und zu fördern; 2. die schon bestehende, entschieden katholische Presse sowohl durch Abonnements als auch durch Mitarbeit zu unterstützen; 3. die Gründung einer Zentralzeitung für die katholische Schweiz oder Erweiterung eines schon bestehenden Blattes zu einem Zentralblatt anzustreben. Solcherart herausgefordert nahm der Piusverein Altdorf erste Versuche in Angriff, die Pressefrage vermehrt zu thematisieren. Zunächst gründete der spätere Volksverein eine Sektion für Presse als Zentralstelle für Pressefragen, womit er die Verbreitung guter Bücher sowie die Einführung von Volksbibliotheken unterstützte. Gerade letzterem Engagement des Piusvereins ist es zu verdanken, dass das Bibliothekswesen sich schnell im öffentlichen Bewusstsein festnagte. Bereits nach wenigen Jahren konnte die Vereinsspitze die Errichtung von rund 60 Ortsbibliotheken vermelden.

Als der Piusverein 1874 in Sachseln unweit des Grabes des Seligen Bruder Klaus seine Jahresveranstaltung abhielt, konstatierte derselbe Rothenfluh: «Wir haben es seither zu einem trefflich redigierten Zentralorgan (das Vaterland) für die deutsche und ebenso die französische Schweiz gebracht, welche von einer beträchtlichen Schar wackerer Kämpfer in den Kantonen umgeben sind, die alle mannhaft und beherzt, wie es Katholiken ziemt, für die Interessen unserer heiligen Kirche einstehen und dafür öffentlichen Dank und Anerkennung aller schweizerischen Katholiken verdienen.» In seinem ideologiegetränkten Pathos scheint der Redner geflissentlich darüber hinwegzuschauen, dass ein nicht geringer Teil der katholischen Schweiz mit jener erwähnten konservativen Zeitung reichlich wenig anzufangen wusste.

In jene Jahre fällt auch das bischöfliche Engagement für die katholische Presse, so widmen sich fortan in unregelmässigen Abständen die Diözesanbischöfe in ihren Hirtenschreiben dem Pressewesen. Mit dem Pontifikat Leos XIII: (ab 1878) nehmen diese Stellungnahmen zu. Auch ist in der Schweiz nach dem unglückseligen Kulturkampf etwas Tauwetter eingezogen. So nahmen an den Feierlichkeiten zum 400. Todestag des Seligen vom Ranft 1887 drei (!) Bundesräte teil – «diese Milderung der Gegensätze hatte auch ihren Einfluss auf die Presse (Pestalozzi-Pfyffer).»

Gegründet im protestantischen Zürich

Vordringlich wurden Massnahmen zur stärkeren Unterstützung des katholischen Pressewesens während des Ersten Weltkrieges. Damals dramatisierte sich die Lage der katholischen Presse zunehmend. In Zug wurde eine Sammelstelle für Bücher und Zeitschriften errichtet, um die an der Grenze stehenden Soldaten via deren Feldgeistlichen mit Lesestoff zu versorgen.

Die Pressesektion des Volksvereins organisierte 1916 den ersten Schweizerischen katholischen Pressetag. Der St. Galler Redaktor Emil Buomberger rief erfolgreich die anwesenden Freunde und Vertreter des katholischen Pressewesens zur Gründung eines Schweizerischen Katholischen Pressevereins auf. Nach umsichtigen Vorbereitungsarbeiten wie beispielsweise der Ausarbeitung von Statuten wurde am 12. Juni 1917 in Zürich der Schweizerische katholische Presseverein gegründet.

Zürich als zwinglianisches Bollwerk wurde nicht zufällig als Gründungsort gewählt: Um die Neuen Zürcher Nachrichten hat sich eine grosse Anhängerschaft der Diasporakatholiken geschart. Per Ende 1917 kamen rund ein Viertel der Mitglieder aus dem Kanton Zürich, von den damals angeschlossenen 77 Vereinen stammten ebenfalls die Mehrheit (32) aus dem Stand Zürich. Dahinter folgten sodann die gemischt-religiösen Kantone St. Gallen, Aargau und Thurgau, erst danach Schwyz und Luzern. Im ersten Jahr hat der Propagandasekretär seinen Fokus auf die Deutschschweizer Kantone gerichtet, weshalb ein verschwindend kleiner Teil aus der französisch- und der italienisch-sprachigen Schweiz rekrutiert werden konnte.

Bald nach der Gründung des Vereins ging das Zentralkomitee an die Umsetzung des aufgestellten Arbeitsprogramms. Dieses Programm sah folgende Tätigkeiten vor: Propaganda für den Presseverein (hierzu gab es einen Propagandasekretär), Sammlung der lokalen und regionalen Pressevereine, Planung sowie Ausrichtung von Pressetagen, damit verbunden Abgabe aufklärender Schriften zur katholischen Presse.

Die Zürcher Katholiken hatten sich bereits sehr breit organisiert. Diese Strukturen dienten den Verantwortlichen als Beispiel, welche Strukturen auch in anderen Kantonen umgesetzt werden sollten. Welch starke Stellung die Zürcher Katholiken seit Beginn innehatten, zeigt ein Blick ins Organigramm des Gründungsjahres. Der erste Vereinspräsident war der Zürcher Arzt Emil Pestalozzi-Pfyffer, der seinerzeit als Zwinglianer zum Katholizismus konvertierte, als deutschsprachiger Vizepräsident amtete der Kaufmann Niklaus Dedual aus Zürich, die Geistlichkeit wurde vom langjährigen Vikar und späteren Pfarrer der Zürcher Antoniuspfarrei vertreten. Der erste Geschäftsführer Eduard Müller sowie der einflussreiche Propagandasekretär Rupert Kugelmann waren ebenfalls beides Zürcher Katholiken.

Propaganda und Finanzspritze

Bereits im ersten Vereinsjahr strebte der Vorstand eine stärkere Einbindung der bereits existierenden lokalen und regionalen Pressevereine an. Er bot selbstredend auch seine Hilfe zur Gründung solcher Organisationen an. Schon von Beginn weg sah sich der Verein mehr als Bindeglied der verschiedenen Suborganisationen sowie als Koordinator, namentlich in Bezug auf die Propagandatätigkeit, als «Zentralorgan für alle Bestrebungen auf dem ganzen Gebiete der Presse […], welches die grossen Ziele im Auge behält.» Hingegen «die Kleinarbeit in der Agitation für die katholischen Blätter» sollte Aufgabe lokaler Volksvereine und anderer katholischer Gesellschaften sein. Um den Mitgliedern, den Sektionen, den Redaktoren die Ziele und Aufgaben des Vereins näher zu bringen, gelangte man einerseits mit einem Schreiben an rund 1300 Pfarrämter, andererseits hielt man achtzehn sogenannte Pressevorträge mit dem Ziel, «vermehrte Aufklärung in die breiten Volksschichten zu tragen und zu vermehrtem Eifer für die Verbreitung unserer katholischen Blätter aufzufordern und anzuregen.»

Propagandatätigkeit erfordert stete Aufmerksamkeit und kreative Ideen. Um katholische Presseerzeugnisse auch wirklich unters Volk zu bringen, bemühte sich der Verein, die Zeitungen an den Kiosken sowie in den Restaurationsbetrieben aufzulegen. Die Katholiken wurden im Dezember 1917 aufgerufen, Zeitungen jeweils auch an den Kiosken zu kaufen.

Eine Idee, welche jedoch nie konkretisiert wurde, war das Verbinden eines Zeitungsabonnements mit dem Abschluss einer Versicherungspolice. Mangels positiver Rückmeldungen begrub man dieses Ansinnen bereits nach einem Jahr wieder.

Propaganda sollte jedoch nicht bloss von den Vereinsfunktionären betrieben werden, viel mehr forderte man diesbezügliches Engagement von den Mitgliedern und den Zeitungsherausgebern selbst ein. Denn: «Ist das liberale Blatt einmal im Hause, so ist es schwer, es wegzubringen, und die Familie beherbergt einen Gast, der sie langsam von Gott wegführt.» Bei derartigen Aufrufen zur Verbreitung katholischer Presseerzeugnissen, kommt stets auch die Nähe des konservativen zum katholischen Gedankengut zum Ausdruck; das Liberale seinerseits konnte mit katholischen Wert niemals deckungsgleich sein.

Ein Verein, der ziemlich klare Aussagen hinsichtlich der Ausrichtung der katholischen Presse macht, wird schnell auch mit Forderungen konfrontiert, nicht nur mit Rat sondern auch mit Tat zur Seite zu stehen. Ein kleiner Verlag gelangte denn auch mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an den Verein. Da gerade das Streuen katholischer Werte bis in die äussersten Kapillaren der Gesellschaft ein Anliegen des SKPV ist, konnte er sich diesem Subventionsgesuch nicht widersetzen. Mit einer Finanzspritze von Fr. 1000 sowie Unterstützung bei organisatorischen Fragen konnte das kleine Zeitungsunternehmen vor dem Untergang bewahrt werden, «ein Werk der Tat, das sich auch nach aussen sehen lassen darf.»

In einem der ersten Jahresberichte fasste Vikar Gottfried Hess, später Pfarrer von St. Anton, Zürich, die Arbeitsziele dahingehend zusammen: es müsse geschafft werden, «an den Grundlagen und geistigen Bedingungen einer guten katholischen Presse, an der Volksaufklärung über die Presse und an der systematischen Verbreitung der Presse». Hess wollte dem katholischen Gedanken mehr Luft und Leben in der Öffentlichkeit verschaffen. Um mit der Aufklärung über Pressefragen möglichst weite Kreise zu erfassen, veranstaltete der Presseverein Schweizerische katholische Pressetage und übernahm als Sektion für Presse die Durchführung von Presseversammlungen an Schweizerischen Katholikentagen.

Das ABC der Presseförderung

In den jeweiligen Jahresberichten wurde ausführlich darüber berichtet, welche Aufgaben der Presseverein anzupacken hat. Ebenfalls fand diese Losung an den Pressetagen erneute Niederkunft (wie es zum Beispiel aus folgender Tabelle zu entnehmen ist).

Die Wichtigkeit und Bedeutung unserer katholischen Presse ergibt eine dreifache Pflicht praktischer Pressearbeit:
Systematische Förderung unserer katholischen Presse durch:
1 vermehrte Propaganda im Sinne des Bettagsmandates des schweizerischen Episkopates vom Jahre 1912. Eine solche Werbearbeit hat folgende Wege zu beschreiten
A persönliche Agitation zur Einführung unserer Zeitungen in den Familien. Grundsatz: In jede katholische Familie eine katholische Zeitung!
B Vermittlung von Gratisabonnements an Unbemittelte
C Propaganda zur Einführung unserer Presse in Gasthäusern und anderen öffentlichen Lokalen verschiedener Art, Kiosken etc.
D Errichtung von Zeitungsverschleissstellen für katholische Blätter.
E Gründung von öffentlichen Lesezimmern.
F Mitwirkung bei der Stiftung für Gründung alkoholfreier Gemeindehäuser und Gemeindestuben durch Bedienung der Leselokale.

Die Wichtigkeit und Bedeutung unserer katholischen Presse ergibt eine dreifache Pflicht praktischer Pressearbeit:

Systematische Förderung unserer katholischen Presse durch:

1 vermehrte Propaganda im Sinne des Bettagsmandates des schweizerischen Episkopates vom Jahre 1912. Eine solche Werbearbeit hat folgende Wege zu beschreiten

A persönliche Agitation zur Einführung unserer Zeitungen in den Familien. Grundsatz: In jede katholische Familie eine katholische Zeitung!

B Vermittlung von Gratisabonnements an Unbemittelte

C Propaganda zur Einführung unserer Presse in Gasthäusern und anderen öffentlichen Lokalen verschiedener Art, Kiosken etc.

D Errichtung von Zeitungsverschleissstellen für katholische Blätter.

E Gründung von öffentlichen Lesezimmern.

F Mitwirkung bei der Stiftung für Gründung alkoholfreier Gemeindehäuser und Gemeindestuben durch Bedienung der Leselokale.

G Veranstaltung besonderer regionaler, kantonaler und schweizerischer Pressetage mit vorheriger und anschliessender praktischer Werbearbeit.

H Veranstaltung von Vorträgen über Pressethemata an den Versammlungen sämtlicher katholischer Vereine sowie an den kantonalen und schweizerischen Pressetagen.

I Bestellung lokaler Propagandakommissionen zur methodischen Presseförderung in den einzelnen Gemeinden.

K Verbreitung von Flugblättern über die Bedeutung der Presse, insbesondere zur Zeit des Jahresabschlusses.

L Durch periodische Veranstaltung sogenannter «Weisser Wochen», zum Zwecke einer einheitlich und planmässig durch grössere Gruppen von Vertrauensleuten durchzuführenden Agitation gegen die schlechte und für die gute Presse.

M  Gewinnung der Jugend für die Pressidee und Anleitung der Jugendlichen in den Jugendvereinen zur richtigen Wertung der Presse und erfolgreichen Benützung dieses Bildungsmittels.

2. Vermehrte geistige Mitarbeit

A Beteiligung weitester Kreise am Nachrichtendienst der Presse.

B Mitarbeit der katholischen Intelligenz durch Artikel aus dem eigenen Fachgebiete.

C Heranbildung wissenschaftlich und literarisch tüchtiger Kräfte für den Journalistenstand durch Förderung junger Talente und Förderung der akademischen Berufsbildung für Zeitungskunde.

3. Vermehrte Zuwendung von Inseraten

A Aufklärung des Volkes über die Bedeutung des Inseratenwesens, als unerlässlicher materieller Voraussetzung unserer Presse.

B Bevorzugung jener Geschäftsfirmen, die sich zur Insertion unserer eigenen Presse bedienen.

C Energischer Kampf gegen den Unfug und Schwindel auf dem Gebiet des Inseratewesens, der eine Gefährdung des sittlichen Volksempfindens und der Volksgesundheit bedeutet.

D Förderungen der Bestrebungen auf Schaffung einer Annoncenzentrale für katholische Blätter.

Förderung des schweizerischen katholischen Pressevereins durch

A Gewinnung von Einzelmitgliedern.

B Gründung lokaler Presseverein.

C Förderung der in den Pressevereins-Statuten aufgeführten Programmziele.

Materielle Hebung des Journalistenstands durch:

A Fürsorge für die Hinterbliebenen verstorbener katholischer Journalisten, mittelst Ausbau der Augustin-Egger-Stiftung des Schweizerischen katholischen Volksvereins (Äufnung des Fonds durch Vermehrung der Freiplätze an den katholischen Lehr- und Erziehungsanstalten, Zuwendungen von Legaten etc.

B Gründung einer Sterbekasse zugunsten der Hinterbliebenen der beim Verein der Schweizer Presse nicht mehr versicherten älteren katholischen Publizisten.

C Förderung der Versicherung gegen Alter und Invalidität, als eine Massnahme, die für den Journalistenstand, angesichts seiner aufreibenden Berufstätigkeit, doppelt angezeigt und am besten geeignet erscheint, eine feste wirtschaftliche Grundlage für ein geordnetes Arbeitsleben zu schaffen und zu mutigem Vorwärtsstreben zu befähigen.

Eines der wichtigsten Postulate des Schweizerischen Katholischen Pressevereins war die Sensibilisierung der mit Pressefragen befassten Redaktionen der katholischen Druckerzeugnisse. Der neue Verband war nicht nur als Sektion für Presse an den Katholikentagen eingebunden, er organisierte seinerseits auch regelmässig sogenannte Schweizerische katholische Pressetage, in der Regel alle drei Jahre.

Was bringen alle schönen Worte und Diskussionsbeiträge zur katholischen Presse, wenn es an geeignetem Personal, grundsatztreuen Redaktoren mangelt? Die Satzungen des Verbands stipulieren mit «Bestrebungen für geistige und materielle Hebung der schweizerischen katholischen Presse» quasi die Schaffung eines Lehrstuhles für Journalistik. Am Pressetag in Schwyz wurde die Frage nach einem Lehrstuhl heiss diskutiert. Aus Fachkreisen kam vorwiegend kritische Rückmeldung. Es wurde befürchtet, dass es zu einer «Überproduktion an Kräften» komme, was eher negative Folgen gewärtigen würde.

Der Journalist müsse, so die Kritiker, übe allgemeine Bildung, Sprachgewandtheit, Mitteilungsgabe verfügen, alles Eigenschaften, «die man nicht anlernen kann.» Jedoch wünsche man sich Vorlesungen über Geschichte und Bedeutung des Pressewesens, über Verfassungskunde, zur Geschichte der Neuzeit, über soziale Fragen sowie zum Parteiwesen. Damit würde das Interesse der akademischen Kreise an der Presse geweckt, was dringend nötig sei. Es lag nun mehr oder weniger auf der Hand, sich an der katholischen Universität Freiburg für dieses Anliegen einzusetzen.

Zusammen mit der Vereinigung katholischer Publizisten wurde der Vorstand beim Senat der Universität vorstössig. Im darauffolgenden Jahr 1922 wurde bereits ein Studienplan genehmigt. Dieser Plan sah vor, dass angehende Publizisten zunächst ein Studium in Philosophie, Theologie, Jurisprudenz oder Nationalökonomie abschliessen. Parallel dazu bot die Universität Kurse in Ethik, in Sozial- und Rechtsphilosophie, in Apologetik, in katholischer Politik, zu Kirche und Staat in ihren gegenseitigen Bestrebungen, in Schweizer-, Welt-, Presse-, Parteiengeschichte, in Urheber- und Presserecht an sowie ein eigentliches journalistisches Seminar. Damit sah sich der Verein in seinem Ansinnen gestärkt, dass künftig auch vermehrt Akademiker für den Beruf des Redaktors gewonnen werden konnten, da «die Mitarbeit an unseren katholischen Blättern seitens der intellektuellen Kreise gegenüber frühern Jahren bedeutend abgenommen habe.» Erst rund zwanzig Jahre später hatte man genügend Erfahrungswerte, um die journalistische Ausbildung auszubauen.

Seit je eng verbunden ist der Schweizerische Katholische Presseverein mit der Kipa, der katholischen internationalen Presseagentur. Früh schon wurde die Notwendigkeit einer zuverlässigen Berichterstattung in kirchlichen Fragen erkannt.

So existierte ab den frühen 1870er-Jahre ein katholisches Korrespondenzbüro, welches auf Initiative der Geistlichen Gaspard Mermillod (1824-1892) und Joseph Schorderet (1840-1893) in Bern und Genf eröffnet wurde.

Mermillod präsidierte von 1884 bis 1889 die von ihm mitgegründete Union catholique d‘études sociales et économiques, bekannt als Union de Fribourg, welche die Sozialenzyklika Leos XIII. «Rerum novarum» vorbereiten half. Er wurde 1883 Bischof des Bistums Lausanne und Genf und 1890 ernannte ihn Leo XIII zum Kardinal.

Schorderet war über zwanzig Jahre Chorherr in Freiburg. Er gründete 1869 die Revue de la Suisse catholique und 1871 die Liberté, die bis heute existierende Freiburger Tageszeitung. Die Gründung der Druckerei St. Paul geht ebenfalls auf Anregungen Schorderets zurück.

Beide Geistlichen sahen ihre Mission in der Verbreitung katholischen Gedankenguts ultramontaner Ausprägung, was nachgerade zu Spannungen und später zur Einstellung der Tätigkeit des Büros führte. Der Journalist und Redaktor Ferdinand Rüegg war sich bewusst, dass das Sammeln und Verbreiten katholischer Nachrichten notwendig war. So schloss er sich mit dem Oltner Verleger Otto Walter zusammen und gründete 1917 die Kipa, die ab 1919 ihren Sitz in Freiburg hatte.

Während die Kipa ihren Fokus eher auf das Internationale richtete – im ersten Briefkopf firmierte sie ‘Katholische Internationale Presse-Agentur Rom, Wien, Trier, Olten – hielt sich die 1925 gegründete Schweizerische katholische Korrespondenz (SKK) bewusst an das Kleinräumige, das Inner-Schweizerische. Mit dem damaligen Generalsekretär der Konservativen Volkspartei Paul Kubick (1896-1928) sowie dem Berner Bundeshauskorrespondenten Franz von Ernst (1879-1957) fanden sich zwei Gründungsmitglieder, die der schweizerischen Innenpolitik verpflichtet waren. So war denn auch die Aufgabe der SKK schnell umschrieben: wöchentliche Pressemitteilungen über Fragen der eidgenössischen Politik und über Ereignisse in den Kantonen.

Was scheinbar als rein politisch motiviertes Vehikel daherkommt, hatte durchaus eine tief strategische Bedeutung. Denn die mittleren und kleinen Landzeitungen waren anders als die grossen Tageszeitungen gezwungen, einen aktuellen und mitunter attraktiven Inlandteil zu bieten, um ihr Überleben zu sichern. Dank der SKK konnten Redaktionen Lücken in der Berichterstattung füllen und ihre Abhängigkeit von Korrespondenzbüros, die nicht den gleichen religiösen und politischen Nährboden hatten, dämmen.

Paul Kubick leitete seinerzeit mit ersten Gehversuchen eine engere Zusammenarbeit zwischen den Organen des Schweizerischen Pressevereins, anderer katholischer Einrichtungen sowie der konservativen Volkspartei ein. Es zeigte sich jedoch nach seinem frühen Tode 1928, dass diese institutionelle Zusammenarbeit nicht immer einfach war. Anfänglich war die SKK unter dem Dach des SKPV, ehe sie 1958 an die Katholische Volkspartei abgetreten wurde.

Seit der Gründung des SKPV suchte er nicht nur die politische und religiöse Tuchfühlung mit der Leserschaft. Er wollte auch die Förderung guter Volkslektüre an die Hand nehmen. Dazu drängte sich idealerweise die Zusammenarbeit mit den Schweizerischen katholischen Volksvereinen auf, denen seit deren Gründung Ende der 1850er-Jahre genau diese Aufgabe am Herzen lag.

Am zweiten Pressetag in Schwyz wurde die Errichtung einer Feuilletonberatungsstelle beschlossen. Die Redaktoren vorab der kleinen und mittleren Presseorgane begrüssten diese Massnahme, fanden sie doch in aller Regel zu wenig Zeit, um sich als Journalisten auch noch dieser Aufgabe zu stellen. Mangels richtiger Auswahl bei der Fülle an Zuschriften erscheint oftmals gerade ungeeigneter Lesestoff in den Zeitungen. Hier sollte eine Beratungsstelle das richtige Sensorium entwickeln, um die Redaktionen mit fundierten, dem katholischen Schrifttum nahestehenden Beiträgen zu füttern. «So will der katholische Presseverein damit eine neue wichtige Mission der heutigen Zeit einleiten, in der Auffassung, dass unsere Zeit, welche in ihrer sittlichen Gestaltung durch skrupellosen Kinobetrieb und literarischen Schund so sehr gefährdet ist, nur durch eine tatkräftige Gegenaktion, durch Unterstützung des guten Schrifttums in der Tagespresse gehoben werden kann.» Die Beratungsstelle wurde sodann eingeführt und Franz Wäger übertragen, welcher ab 1928 auch die SKK leitete.

Mit den Feuilletons wurde freilich die Verbreitung schweizerischer Literatur, die man gemeinhin für gut hielt, noch nicht gefördert. Hierzu bedurfte es eines weiteren Schrittes. Mit Preisausschreiben für Feuilletons wurden hiesige Schriftsteller zur Mitarbeit motiviert. Diese Wettbewerbe und die damit verbundene Anerkennung spezifisch katholischer Literatur stiess denn auch auf positive Resonanz seitens der schreibenden Gilde. Sie lebten mehr schlecht als recht von der Schriftstellerei und waren nun befriedigt, dass man sich an höherer Stelle ihrer Nöte annahm. Diese erwähnte Zusammenarbeit mündete zunächst 1930 in einer Buchberatungsstelle, welche die bisherige Feuilletonberatungsstelle erweiterte.

Das Elend des ersten Weltkrieges rückte die soziale Frage und die damit verbundenen Aufgaben, einerseits des Staates, andererseits der Kirchen, in den Vordergrund. Hier waren klare Worte seitens katholischer Publizisten erwünscht. So forderte Arthur Hättenschwiler 1919 in seinem Geleitwort, «am Wiederaufbau jener christlichen Kultur, die […] aus den Trümmern der gegenwärtigen furchtbaren Weltkrisis entstehen soll», mitzuwirken.

Am 6. und 7. November fand in Schwyz der 2. Schweizerische katholische Pressetag statt. Den Pressetag bestritt der Verein jeweils mit dem Verein katholischer Publizisten. Diese Standes- und Berufsorganisation der katholischen Redaktoren und Journalisten wurde 1912 gegründet und setzte sich für die publizistischen Anliegen der katholischen Presse ein. Als Interessenvertreter war in frühen Jahren vor allem die Sterbekasse bedeutsam. Zunächst hielt der Presseverein seine Generalversammlung ab, ehe sonntags die öffentliche Pressetagung stattfand mit einigen hundert Teilnehmer. Zwei Referate standen auf der Tagesordnung. Der Schwyzer Ständerat und Präsident der Katholisch-Konservativen Volkspartei Josef Räber sprach zu «Presse und Politik», während der Zürcher Vikar Gottfried Hess sich dem Thema «Die Presse als Gewissenssache» annahm.

Der Pressetag erliess danach eine Resolution folgenden Inhalts:

«Der Schweizerische katholische Pressetag in Schwyz begrüsst im Interesse der Förderung einer engern Zusammenarbeit zwischen Presse, katholisch-konservativer Fraktion und konservativer Parteileitung die kürzlich erfolgte Schaffung eines ständigen Sekretariates und empfiehlt dessen Förderung durch Leistung von Beiträgen.» Diese Resolution nahm namentlich die Intention des parteipräsidialen Votums auf, wonach engere Beziehungen zwischen Presse und Parteileitung «im Sinne einer staatserhaltenden Politik» wünschenswert wären.

Hess seinerseits ortete viel Versäumtes und Leichtsinnigkeit der Katholiken, denn tausende von Katholiken lesen und unterstützen «antichristliche oder sogenannte farblose Zeitungen und Zeitschriften». Es schien dem Referenten schwerlich vorstellbar, dass Katholiken «in der einen Hand das Gebetbuch und den Rosenkranz, in der andern eine glaubensfeindliche Zeitung» hielten. Katholikenfeindlich, christentumsgegnerisch, vermaterialisiert, ja gar verjudet sei die Presse, wogen es seitens der katholischen Presse entschieden anzukämpfen gelte.

Nach wenigen Jahren konnte der Verein bereits auf eine sehr erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. So wurde der Verein schnell als allgemeine Zentrale für das katholische Pressewesen erkannt. Das Ziel war ja von Beginn weg hochgesteckt, nicht nur Anlaufstelle für die Fachleute zu sein, sondern auch den Anliegen der Laien zu genügen.

Es bedurfte jedoch nicht bloss der Agitation für das geschriebene Wort, es gab auch Herausforderungen in organisatorischen Belangen. Die Buchdruckereien hatten mit ganz profanen Problemen zu kämpfen, es galt, diesen in finanziellen oder arbeitsrechtlichen Fragen tatkräftig beizustehen. Der Verein setzte sich hier für Lösungen betreffend der Arbeitnehmer ein, im Interesse der katholischen Allgemeinheit, «damit endlich der Terror der sozialistischen Typographia gebrochen werden könne.»

Um für solche zusätzlichen Aufgaben gewappnet zu sein, benötigte der SKPV eine «Kriegskasse», den Pressefonds. Diesen konnte er dank gesunden Wachstums der Mitgliederzahl kontinuierlich äufnen. Schon damals war nämlich klar, «dass bei der Presse nur mit hohen Zahlen gerechnet werden kann; Zehntausender gelten hier nicht viel.»

Dank unermüdlichem Einsatz des Propagandasekretariats – mit planmässiger Beharrlichkeit – wuchs der Bestand kontinuierlich auf über 5000 Mitglieder an. Diese hohe Zahl war einerseits wichtig, um dem Anliegen der Verbreitung der religiösen und politischen Werte Genüge zu leisten, andererseits erforderten die vielen verschiedenen Aufgaben und Verpflichtungen des Vereins auch vermehrte Finanzpolster.

Nach den verheerenden Kriegsjahren begann durch die weltweite Konjunktur eine bessere Zeit. The Roaring Twenties schwappten aus Amerika nach Europa und brachten speziell im Unterhaltungssektor ganz neue Entwicklungen. Diese Industrie – Musik, Film, Theater – beschäftigte auch das katholische Pressewesen. Denn die Unterhaltungsmaschinerie brauchte den Zugang zum Publikum und diesen verschaffte sie sich wohlweislich durch Insertionen in den Tageszeitungen. Es war nun aber schwierig, im Voraus zu erkennen, wofür jeweils in den Zeitungen Werbung geschalten wurde. Denn die Kinofilme kannte man ja nicht.

Für den SKPV stellten sich grundsätzlich zwei Fragen: die eine war jene des feuilletonistischen Beitrages. Hier riet der Verein, nur dann einen Text zu einem Kinofilm zu verfassen, wenn man den Film auch wirklich gesehen hat. Die andere Frage werfen die Inserate für die jeweiligen Kinofilme respektive die Reklame in den Kinosälen auf. Zwar weiss man seitens des Vereins, dass das Niveau der Filme zweifelsohne gestiegen ist, dass die Lichtspiel-Gesetzgebung durch ihre Zensurgewalt wenigstens die gröbsten Verstösse gegen Anstand und Sitte verhindert, hingegen versagt das Gesetz bei der Anwendung gegenüber anstössiger, unanständiger Werbung.

Für die katholische Presse gilt der Grundsatz, dass sie nicht nur im Textteil katholisch zu sein hat, «sondern auch ihre Inserate dürfen den Grundsätzen von Glaube und Sitte nicht widersprechen.» Bei der Kinowerbung tut sich hier ein oftmals weites Minenfeld auf, denn scheint ein Film im Titel noch so unverfänglich, könne oft dennoch «eine pikante Stelle» vorkommen. Gewähr böte nur, wenn man den ganzen Film gesehen und als untadelig taxiert hätte.

Das Luzerner Landstädtchen Sursee war Kulisse für die Austragung des 3. Katholischen Pressetages. Als Referent trat kein geringerer auf als der Lokalpatriot und Freiburger Theologieprofessor Joseph Beck, dessen Ausführungen unter dem Titel «Lehr und Wehr in der katholischen Zeitung» standen. Beck riet dazu, die religiöse Orientierung solle «die ganze Zeitung beherrschen und durchgeistigen». Hierzu müssten die päpstlichen Enzykliken in ihren Auswirkungen auf unsere Zeit dargestellt werden. Ferner wünschte er sich mehr Artikel zu den christlichen Festen des liturgischen Jahres. Sodann erachtete Beck Nekrologe oder Lebensbilder zu bedeutenden (selbstverständlich) katholischen Zeitgenossen, auch Heiligenviten, als sehr lehrreich. Die Wehrhaftigkeit oder Kampfeslust und -freude ortete Beck eher im gemeinsamen Kampf gegen die sozialistischen Irrlehren als wie bis anhin üblich gegen den Liberalismus. Gefahr gegenüber die katholische Presse und gegenüber den Katholiken generell komme nicht mehr vom einst aggressiven Liberalismus, der nun «lendenlahm und altersschwach» sei.

Die ersten Jahre brachten dem SKPV viel Elan. Mit grossen Schritten ging es einer befruchtenden Zukunft entgegen, im steten Glauben und der Erkenntnis, das Richtige zur richtigen Zeit zu wagen. Jahr für Jahr konnte neue teils hoch gesteckte Ziele erreicht werden. Der Mitgliederbestand wuchs stets an und die unzähligen katholischen Organisationen lokaler und regionaler Ausrichtung, die im Sog des SKPV entstanden, verbreiteten den Humus des religiösen und politischen Gedankenguts. Finanziell stand der Verein bald auf sehr gesunden Beinen, sodass er vermehrt neben seiner grundlegenden Propagandatätigkeit auch andere Aufgaben anpacken konnte und Hilfeleistungen finanzieller oder organisatorischer Art da anerbot, wo sie nötig war.

Rückschläge gab es hingegen auch zu verzeichnen. Der plötzliche Tod des jungen Leiters der Schweizerischer katholische Korrespondenz (SKK), Paul Kubick, traf den Verein hart. Kaum hatte der SKPV in seiner Organisationsstruktur wieder Tritt gefasst, verschied der langjährige Präsident und umtriebige Katholikenführer Emil Pestalozzi-Pfyffer. Pestalozzi hat sich an unzähligen Orten des katholischen Verbandswesens einen Namen gemacht. Er war – einst im tief zwinglianischen Zürich sozialisiert – als Arzt nach Zug gezogen, wo er bald in verschiedenen politischen und kirchlichen Gremien aktiv wurde, jedoch nie mit jenem missionarischen Eifer, den man Konvertiten nachzusagen pflegt.

1930 fand der katholische Pressetag, nunmehr der fünfte, in Zug statt. Hier nahmen die Anwesenden nochmals Abschied von ihrem einstigen Präsidenten Pestalozzi. Und in diesem Städtchen stellte sich ein weiterer Zuger in den Dienst des katholischen Pressewesens. Mit Philipp Etter, damals Zuger Ständerat, stellte sich eine weitherum anerkannte Persönlichkeit zur Verfügung. Am Pressetag selbst erliess man eine Resolution, die sich inhaltlich mit dem Film- und Kinowesen befasste und einheitliche Richtlinien in der Handhabung der Filmkritik, der Insertionen sowie der Filmzensur aufstellte. Der Verein sprach sich dafür aus, «dass im Interesse der moralischen Volksgesundheit und namentlich auch im Interesse der heranwachsenden Jugend die amtliche Filmzensur sachlich-streng gehandhabt, minderwertige Filme verboten und anstössige Stellen aus Filmen entfernt werden.»

Am Peter- und Paultag (29. Juni) feiert die katholische Kirche ihren Pressetag. Auch der Schweizerische katholische Presseverein nahm jeweils an diesen innerkirchlichen Veranstaltungen teil. 1932 wurde der Verein bei der Bischofskonferenz vorstellig, künftig doch ebenfalls eine solchen Pressesonntag in der katholischen Kirche der Schweiz durchzuführen. Die Konferenz stimmte diesem Ansinnen zu, die Umsetzung oblag den jeweiligen Diözesen. Als erstes führte das Bistum Chur einen besonderen Pressesonntag im Monat Dezember ein, womit der Grundstein für eine bis in die heutigen Tage aufrechterhaltene Tradition ihren Anfang nahm.

Eine ganz spezielle Propagandatätigkeit erforderte die Lancierung der Zeitschrift Buch und Volk, womit vorwiegend gute katholische Literatur unters Volk gebracht werden sollte, darunter auch ein Sonderdruck von Klerus und Literatur. So ist in all’ den Jahren neben der Propagandastelle, die immense Aufbauarbeit geleistet hat, die Buch- und Feuilletonberatungsstelle stark gewachsen, was sich auch in den jeweiligen Jahresrechnungen niederschlug. Zwar machten weiterhin Propagandatätigkeit sowie das Beitragswesen die Löwenanteile aus.

Die Amtsdauer von Ständerat Philipp Etter war nur von kurzer Dauer. Schon 1934 wählte ihn die Vereinigte Bundesversammlung in den Bundesrat. Sein Nachfolger wurde der Obwaldner Walter Amstalden.

«Die Schweiz ist das zeitungsreichste Land der Welt», wurde bereits in den Dreissigerjahren verkündet. Dies ist eine Tatsache, die auf unserer Vielsprachigkeit, verschiedenen Kulturräumen, zweier Hauptreligionen, mehrerer Parteien beruht. Die grosse Anzahl der katholischen Zeitungen wurde 1940 im Jahresbericht publiziert. Rund 75 Erzeugnisse geben einen Überblick, wie stark das katholische, das konservative Leben sich im Land spiegelte.

Der Zweite Weltkrieg stellte in den katholischen Zeitungen vermehrt wieder die sozialen Belange ins Zentrum. Angesichts des Horrors in Europa, des wütenden Krieges, sind Querelen unter den verschiedenen Zeitungen divergierender politischer Ausrichtung mehrheitlich ausgeblieben. Die Kriegsjahre waren für den Verein eher ruhigere, in denen es galt, das Vereinswesen aufrechtzuerhalten und namentlich auch finanziell über die Runden zu kommen. Mit Ende des Weltkrieges galt der erste Dank zunächst dem Seligen Bruder Klaus, der die Schweiz vor dem Krieg bewahrt hatte. Diese Tatsache sowie seine Wundertätigkeit führten 1947 zu seiner Heiligsprechung.