100 Jahre Presseverein

Im Jahr 2017 konnte der Schweizerische Katholische Presseverein SKPV seinen 100. Geburtstag feiern. Das Jubiläum war für den Presseverein Anlass, mit einer Festschrift auf hundert Jahre katholische Medienarbeit in der Schweiz zurückzublicken. Mit einer Schifffahrt auf dem Zugersee feierte der Presseverein am 17. September 2017 seinen 100. Geburtstag mit zahlreichen Gästen. In Zug wurde der Presseverein 1917 aus der Taufe gehoben.

1917-2017

100 Jahre Schweizerischer Katholischer Presseverein
Katholische Medienarbeit: Rückblick und Ausblick

Die Festschrift ist erhältlich beim Sekretariat des Pressevereins.

«Wenn Paulus wiederkäme,
würde er Redaktor werden»

Markus Vögtlin
Präsident SKPV • Président ACSP

Als der Schweizerische Katholische Presseverein (SKPV) vor hundert Jahren gegründet wurde, steckte das Radio noch in den Kinderschuhen, das Fernsehen gab es noch nicht, und ein Internet lag jenseits des Denkbaren. Das beherrschende Massenkommunikationsmittel war die Presse. Über die Presse wurden nicht nur Informationen verbreitet, sondern auch politische Überzeugungen propagiert und weltanschauliche Kämpfe ausgefochten. Die katholische Kirche betrachtete die Presse als «zweite Kanzel», die dank ihrer Reichweite viel einflussreicher war als die Kirchenkanzel. Prälat Robert Mäder, ein Kirchenmann von «impulsiver Schlagkraft», schrieb daher in einer viel beachteten Schrift: «Wenn Paulus wiederkäme, so würde er Redaktor werden.»

«Volksblatt im Haus, treibt Unglauben aus»

Aufgabe des «Presseapostolates» war es, nach einer Formulierung des Basler Bischofs Josephus Ambühl von 1930, «Zeugnis für Christus abzulegen, durch Belehrung und Verteidigung die Feinde der Wahrheit zu beschämen, Unwissende aufzuklären und Zagende und Schwankende zu stützen». Und Aufgabe, ja Pflicht, des gläubigen Volkes war es, die «gute Presse» zu abonnieren und nicht-katholische Blätter zu meiden. «Volksblatt im Haus, treibt Unglauben aus», lautete ein einprägsamer Werbespruch.

Werbung für die «gute Presse» zu machen und die Gläubigen für die Bedeutung eigener Medien zu sensibilisieren war ein Hauptgrund, weswegen der SKPV 1917 gegründet wurde. Der Presseverein beschäftigte dafür zeitweise eigens einen «Propaganda-Sekretär». Daneben unterstützte er alle Bemühungen zur «Hebung» der katholischen Presse. Unter anderem richtete er eine Ausbildungsstätte für katholische Medienstudenten ein, aus der das Institut für Journalistik der Universität Freiburg hervorging. Er sorgte mit regelmässigen Pressetagen für den Austausch unter den katholischen Medienleuten. Zudem förderte er die ebenfalls 1917 gegründete Katholische Internationale Presseagentur (Kipa-Apic), welche die katholischen Zeitungen mit Nachrichten aus der katholischen Welt versorgte.

All das ergab ein schlüssiges Medienkonzept, das von den bis zu 12‘000 Mitgliedern des Pressevereins mitgetragen und von den Leitungspersönlichkeiten mit zum Teil klingenden Namen tatkräftig vorangetrieben wurde.

Heute, hundert Jahre später, sieht die Welt allerdings anders aus.

Forumszeitungen statt Gesinnungsmedien

Die Presselandschaft hat sich stark verändert. Aus der konfessionellen und politischen Gesinnungspresse von einst sind Forumszeitungen geworden, die aus wirtschaftlichen Gründen für eine breitere Abonnentenbasis geniessbar sein müssen und sich eine betont ideologische Ausrichtung nicht mehr leisten können. Diese Entwicklung hat der katholischen Tagespresse den Boden entzogen. Sie existiert nicht mehr.

Wenn Paulus heute wiederkäme, hätte er wohl trotzdem seine Freude an der katholischen Medienlandschaft. Tatsächlich ist heute fast jeder katholische Haushalt mit einem katholischen Medium versorgt. An die Stelle der katholischen Zeitungen sind zum Teil stattliche Pfarrblätter und christliche Magazine getreten, und selbstverständlich ist die katholische Kirche auch online präsent. Diese Medien werden in ihrer Existenz nicht gefährdet sein, solange bei Lesern und Geldgebern das Bewusstsein ihrer Notwendigkeit besteht. Dieses Bewusstsein ist aber nicht selbstverständlich. Es muss durch «Propaganda» immer wieder aufgefrischt werden.

Systematisch «Propaganda» für die katholischen Medien zu machen ist also auch heute aktuell, wenn vielleicht auch unter anderem Namen: Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing.

Alle können Medienschaffende sein

Immer noch aktuell ist auch die Vermittlung von Medienkompetenz an katholische Medienschaffende durch Aus- und Weiterbildung. Dabei darf der Begriff Medienschaffende heute viel breiter gefasst werden als früher. Die Digitalisierung der Medien erlaubt es im Prinzip allen, Medienschaffende zu sein. Ein guter Dienst wäre es heute auch, nicht nur Medienkompetenz an kirchennahe, sondern umgekehrt Kirchenkompetenz an kirchenferne Journalistinnen und Journalisten zu vermitteln.

Es gibt also für den Schweizerischen Katholischen Presseverein auch nach hundert Jahren noch viel zu tun. Was seine Kernaufgaben sind, wird gerade auch aus der historischen Perspektive klar. Ich danke daher allen, die diese Festschrift ermöglicht und zu ihr beigetragen haben: den Sponsoren, den Autoren, die zurückblicken, Thomas Gmür, André Kolly und Cristina Vonzun, den Autoren, die vorausblicken, Martin Spilker, Pierre Pistoletti und Martin Iten, dem Buchgestalter Christoph von Siebenthal und unserem Geschäftsführer Melchior Etlin, bei dem das ganze Fest- und Buchprojekt in sehr guten Händen lag.

Möge dieses Werk, im Geiste des Festes, das uns am 9. September auf dem Zugersee zusammengeführt hat (vgl. Seite 86), die Zukunft des Pressevereins beflügeln.

Katholischer Presseverein: Relikt aus einer vergangenen Zeit oder nötiger Fels in der sich wandelnden Brandung?

Thomas Gmür

Thomas Gmür (1967), Historiker. Studium der Zeitgeschichte, der Modernen Geschichte und der Betriebswirtschaft in Freiburg/CH, Bern und Rom. Er publiziert zu politik-, wirtschafts- und kirchenhistorischen Themen und verfasste diverse Vereins-, Firmen- und Familiengeschichten. Gmür ist Chefredaktor der «Civitas», des Organs des Schweizerischen Studentenvereins sowie Geschäftsführer einer Immobilienfirma in Luzern.

Quellen: Der Beitrag stützt sich insbesondere auf die Jahresberichte des SKPV, auf Unterlagen aus dem Privatarchiv von Alois Hartmann sowie auf diverse Veröffentlichungen zur katholischen Vereins- und Mediengeschichte von Urs Altermatt, Willy Kaufmann et altera.

Von der Diaspora in die Kerngebiete der katholischen Schweiz: die ersten Jahrzehnte des Pressevereins

Der Wunsch, sich seitens der katholischen Presse vermehrt zu organisieren, bestand schon länger. Zum einen fühlten sich die Katholisch-Konservativen seit der Gründung des modernen Bundesstaates faktisch in der Minderheit, zum anderen wurde das Katholische stets auch mit dem Konservativen in Verbindung gebracht, was die Unterstützung politisch eher liberaler gesinnter Kräfte für die katholische Sache seit je konfliktanfällig gestaltete.

Der neue Bundesstaat, der sich 1848 gegen die mehrheitlich katholischen Innerschweizer, Walliser, Freiburger und Teile der Ostschweiz sowie des Aargaus formierte, drängte das Religiöse, vorab das Katholische, aus dem politischen Alltagsgeschehen. Die Bundesverfassung von 1874 enthielt gar mehrere Artikel, welche sich in concreto gegen die Katholiken (z.B. «Jesuitenartikel») wandte. Damit verbunden waren gewiss auch innerkirchliche Spannungen, kulturkämpferische Auseinandersetzungen, die Abspaltung der christkatholischen Kirche oder die Zerschlagung des einst mächtigen Kirchenstaates nach der Einigung Italiens.

Vereine als soziales Fundament für den Glauben

In dieses Spannungsfeld fallen vermehrte Aktivitäten, sich katholischerseits zu formieren, sei es religiös konnotiert oder auf politischem Parkett. Politisch führte dies zur Erstarkung der Katholisch-konservativ Gesinnten, die bald darauf mit dem ersten Bundesrat Einzug in die Landesregierung nahmen. Religiös konstituierten die Katholiken sich in mehreren Vereinen und Verbänden, die ihre Zugehörigkeit zum römisch-katholischen Glauben unterstrichen.

Bereits 1857 gründeten Katholiken den Piusverein, eine Organisation zur Bewahrung des Glaubens, für christliche Liebeswerke und die Pflege katholischer Wissenschaft und Kultur. Emil Pestalozzi-Pfyffer nannte als treibende Umstände, die zur Gründung des Piusvereins führten, «die zahlreichen Misserfolge, welche die Katholiken während der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts erfahren mussten.» Ein nicht minder wichtiger Grund war der fehlende Zusammenhalt untereinander. Dank einer gewissen Sogwirkung des Piusvereins entstanden in dessen Umfeld 1859 der Bücherverein, 1863 die Inländische Mission oder 1901 der Caritas-Verband. 1904 schlossen sich verschiedene katholische Männer- sowie Jünglingsvereine mit anderen zum Schweizerischen Katholischen Volksverein (SKVV) zusammen.

Kein antikatholisches Blatt abonnieren

Gerade dieses verzweigte katholische Vereinswesen stand quasi dem späteren Presseverein Pate. An der Generalversammlung des Schweizerischen Piusvereins von 1867 in Altdorf wies der Pfarrer, Volksdichter und Zeitungsredaktor Franz Anton Rothenfluh (1835-1893) auf die prekäre Situation der katholischen Presse hin. Nur etwas mehr als zwanzig katholische Presseorgane bestanden damals. Emil Pestalozzi-Pfyffer schilderte den damaligen Zustand am 3. Pressetag 1923 wie folgt: «Es erschienen damals in der Schweiz 268 politische Tagesblätter, von denen 190 entschieden katholikenfeindlich genannt werden mussten. Katholische Blätter existierten damals keine zwei Dutzend, also höchstens 8 Prozent der Gesamtzahl. Von den politischen Blättern erschienen 47 täglich, unter diesen aber nur 2-3 katholische.»

Rothenfluh fasste seinen Aufruf in folgende Worte:

  1. Nie ein der katholischen Kirche feindliches Blatt zu abonnieren oder irgendwie zu unterstützen und zu fördern;
  2. die schon bestehende, entschieden katholische Presse sowohl durch Abonnements als auch durch Mitarbeit zu unterstützen;
  3. die Gründung einer Zentralzeitung für die katholische Schweiz oder Erweiterung eines schon bestehenden Blattes zu einem Zentralblatt anzustreben.

Solcherart herausgefordert nahm der Piusverein Altdorf erste Versuche in Angriff, die Pressefrage vermehrt zu thematisieren. Zunächst gründete der spätere Volksverein eine Sektion für Presse als Zentralstelle für Pressefragen, womit er die Verbreitung guter Bücher sowie die Einführung von Volksbibliotheken unterstützte. Gerade letzterem Engagement des Piusvereins ist es zu verdanken, dass das Bibliothekswesen sich schnell im öffentlichen Bewusstsein festnagte. Bereits nach wenigen Jahren konnte die Vereinsspitze die Errichtung von rund 60 Ortsbibliotheken vermelden.

Vaterland – das «trefflich redigierte Zentralorgan»

Als der Piusverein 1874 in Sachseln unweit des Grabes des Seligen Bruder Klaus seine Jahresveranstaltung abhielt, konstatierte derselbe Rothenfluh: «Wir haben es seither zu einem trefflich redigierten Zentralorgan (das Vaterland) für die deutsche und ebenso die französische Schweiz gebracht, welche von einer beträchtlichen Schar wackerer Kämpfer in den Kantonen umgeben sind, die alle mannhaft und beherzt, wie es Katholiken ziemt, für die Interessen unserer heiligen Kirche einstehen und dafür öffentlichen Dank und Anerkennung aller schweizerischen Katholiken verdienen.» In seinem ideologiegetränkten Pathos scheint der Redner geflissentlich darüber hinwegzuschauen, dass ein nicht geringer Teil der katholischen Schweiz mit jener erwähnten konservativen Zeitung reichlich wenig anzufangen wusste.

In jene Jahre fällt auch das bischöfliche Engagement für die katholische Presse, so widmen sich fortan in unregelmässigen Abständen die Diözesanbischöfe in ihren Hirtenschreiben dem Pressewesen. Mit dem Pontifikat Leos XIII. (ab 1878) nehmen diese Stellungnahmen zu. Auch ist in der Schweiz nach dem unglückseligen Kulturkampf etwas Tauwetter eingezogen. So nahmen an den Feierlichkeiten zum 400. Todestag des Seligen vom Ranft 1887 drei (!) Bundesräte teil – «diese Milderung der Gegensätze hatte auch ihren Einfluss auf die Presse (Pestalozzi-Pfyffer)».

Vordringlich wurden Massnahmen zur stärkeren Unterstützung des katholischen Pressewesens während des Ersten Weltkrieges. Damals dramatisierte sich die Lage der katholischen Presse zunehmend. In Zug wurde eine Sammelstelle für Bücher und Zeitschriften errichtet, um die an der Grenze stehenden Soldaten via deren Feldgeistlichen mit Lesestoff zu versorgen.

Gründung des Pressevereins im zwinglianischen Zürich

Die Pressesektion des Volksvereins organisierte 1916 den ersten Schweizerischen katholischen Pressetag. Der St. Galler Redaktor Emil Buomberger rief erfolgreich die anwesenden Freunde und Vertreter des katholischen Pressewesens zur Gründung eines Schweizerischen Katholischen Pressevereins auf. Nach umsichtigen Vorbereitungsarbeiten wie beispielsweise der Ausarbeitung von Statuten wurde am 12. Juni 1917 in Zürich der Schweizerische katholische Presseverein gegründet.

Zürich als zwinglianisches Bollwerk wurde nicht zufällig als Gründungsort gewählt: Um die Neuen Zürcher Nachrichten hat sich eine grosse Anhängerschaft der Diasporakatholiken geschart. Per Ende 1917 kamen rund ein Viertel der Mitglieder aus dem Kanton Zürich, von den damals angeschlossenen 77 Vereinen stammten ebenfalls die Mehrheit (32) aus dem Stand Zürich. Dahinter folgten sodann die gemischt-religiösen Kantone St. Gallen, Aargau und Thurgau, erst danach Schwyz und Luzern. Im ersten Jahr hat der Propagandasekretär seinen Fokus auf die Deutschschweizer Kantone gerichtet, weshalb ein verschwindend kleiner Teil aus der französisch- und der italienisch-sprachigen Schweiz rekrutiert werden konnte.

Ein Konvertit wird erster Präsident

Bald nach der Gründung des Vereins ging das Zentralkomitee an die Umsetzung des aufgestellten Arbeitsprogramms. Dieses Programm sah folgende Tätigkeiten vor: Propaganda für den Presseverein (hierzu gab es einen Propagandasekretär), Sammlung der lokalen und regionalen Pressevereine, Planung sowie Ausrichtung von Pressetagen, damit verbunden Abgabe aufklärender Schriften zur katholischen Presse.

Die Zürcher Katholiken hatten sich bereits sehr breit organisiert. Diese Strukturen dienten den Verantwortlichen als Beispiel, welche Strukturen auch in anderen Kantonen umgesetzt werden sollten. Welch starke Stellung die Zürcher Katholiken seit Beginn innehatten, zeigt ein Blick ins Organigramm des Gründungsjahres.

Der erste Vereinspräsident war der Zürcher Arzt Emil Pestalozzi-Pfyffer, der seinerzeit als Zwinglianer zum Katholizismus konvertierte, als deutschsprachiger Vizepräsident amtete der Kaufmann Niklaus Dedual aus Zürich, die Geistlichkeit wurde vom langjährigen Vikar und späteren Pfarrer der Zürcher Antoniuspfarrei vertreten. Der erste Geschäftsführer Eduard Müller sowie der einflussreiche Propagandasekretär Rupert Kugelmann waren ebenfalls beides Zürcher Katholiken.

Kioskverkauf und Versicherungspolice

Bereits im ersten Vereinsjahr strebte der Vorstand eine stärkere Einbindung der bereits existierenden lokalen und regionalen Pressevereine an. Er bot selbstredend auch seine Hilfe zur Gründung solcher Organisationen an. Schon von Beginn weg sah sich der Verein mehr als Bindeglied der verschiedenen Suborganisationen sowie als Koordinator, namentlich in Bezug auf die Propagandatätigkeit, als «Zentralorgan für alle Bestrebungen auf dem ganzen Gebiete der Presse […], welches die grossen Ziele im Auge behält».

Hingegen «die Kleinarbeit in der Agitation für die katholischen Blätter» sollte Aufgabe lokaler Volksvereine und anderer katholischer Gesellschaften sein. Um den Mitgliedern, den Sektionen, den Redaktoren die Ziele und Aufgaben des Vereins näher zu bringen, gelangte man einerseits mit einem Schreiben an rund 1300 Pfarrämter, andererseits hielt man achtzehn sogenannte Pressevorträge mit dem Ziel, «vermehrte Aufklärung in die breiten Volksschichten zu tragen und zu vermehrtem Eifer für die Verbreitung unserer katholischen Blätter aufzufordern und anzuregen».

Propagandatätigkeit erfordert stete Aufmerksamkeit und kreative Ideen. Um katholische Presseerzeugnisse auch wirklich unters Volk zu bringen, bemühte sich der Verein, die Zeitungen an den Kiosken sowie in den Restaurationsbetrieben aufzulegen. Die Katholiken wurden im Dezember 1917 aufgerufen, Zeitungen jeweils auch an den Kiosken zu kaufen.

Eine Idee, welche jedoch nie konkretisiert wurde, war das Verbinden eines Zeitungsabonnements mit dem Abschluss einer Versicherungspolice. Mangels positiver Rückmeldungen begrub man dieses Ansinnen bereits nach einem Jahr wieder.

Finanzspritzen für Zeitungsunternehmen

Propaganda sollte jedoch nicht bloss von den Vereinsfunktionären betrieben werden, viel mehr forderte man diesbezügliches Engagement von den Mitgliedern und den Zeitungsherausgebern selbst ein. Denn: «Ist das liberale Blatt einmal im Hause, so ist es schwer, es wegzubringen, und die Familie beherbergt einen Gast, der sie langsam von Gott wegführt.» Bei derartigen Aufrufen zur Verbreitung katholischer Presseerzeugnissen, kommt stets auch die Nähe des konservativen zum katholischen Gedankengut zum Ausdruck; das Liberale seinerseits konnte mit katholischen Wert niemals deckungsgleich sein.

Ein Verein, der ziemlich klare Aussagen hinsichtlich der Ausrichtung der katholischen Presse macht, wird schnell auch mit Forderungen konfrontiert, nicht nur mit Rat sondern auch mit Tat zur Seite zu stehen. Ein kleiner Verlag gelangte denn auch mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an den Verein. Da gerade das Streuen katholischer Werte bis in die äussersten Kapillaren der Gesellschaft ein Anliegen des SKPV ist, konnte er sich diesem Subventionsgesuch nicht widersetzen. Mit einer Finanzspritze von Fr. 1000 sowie Unterstützung bei organisatorischen Fragen konnte das kleine Zeitungsunternehmen vor dem Untergang bewahrt werden, «ein Werk der Tat, das sich auch nach aussen sehen lassen darf».

Presse als Volksaufklärerin

In einem der ersten Jahresberichte fasste Vikar Gottfried Hess, später Pfarrer von St. Anton, Zürich, die Arbeitsziele dahingehend zusammen: es müsse geschafft werden, «an den Grundlagen und geistigen Bedingungen einer guten katholischen Presse, an der Volksaufklärung über die Presse und an der systematischen Verbreitung der Presse». Hess wollte dem katholischen Gedanken mehr Luft und Leben in der Öffentlichkeit verschaffen.

Um mit der Aufklärung über Pressefragen möglichst weite Kreise zu erfassen, veranstaltete der Presseverein Schweizerische katholische Pressetage und übernahm als Sektion für Presse die Durchführung von Presseversammlungen an Schweizerischen Katholikentagen.

Die dreifache Pflicht der Pressearbeit

In den jeweiligen Jahresberichten wurde ausführlich darüber berichtet, welche Aufgaben der Presseverein anzupacken hat. Ebenfalls fand diese Losung an den Pressetagen erneute Niederkunft (wie es zum Beispiel aus folgender Tabelle zu entnehmen ist).

Die Wichtigkeit und Bedeutung unserer katholischen Presse ergibt eine dreifache Pflicht praktischer Pressearbeit:

Systematische Förderung unserer katholischen Presse durch:
  1. vermehrte Propaganda im Sinne des Bettagsmandates des schweizerischen Episkopates vom Jahre 1912. Eine solche Werbearbeit hat folgende Wege zu beschreiten
  • A persönliche Agitation zur Einführung unserer Zeitungen in den Familien. Grundsatz: In jede katholische Familie eine katholische Zeitung!
  • B Vermittlung von Gratisabonnements an Unbemittelte.
  • C Propaganda zur Einführung unserer Presse in Gasthäusern und anderen öffentlichen Lokalen verschiedener Art, Kiosken etc.
  • D Errichtung von Zeitungsverschleissstellen für katholische Blätter.
    E Gründung von öffentlichen Lesezimmern.
  • F Mitwirkung bei der Stiftung für Gründung alkoholfreier Gemeindehäuser und Gemeindestuben durch Bedienung der Leselokale.
  • G Veranstaltung besonderer regionaler, kantonaler und schweizerischer Pressetage mit vorheriger und anschliessender praktischer Werbearbeit.
  • H Veranstaltung von Vorträgen über Pressethemata an den Versammlungen sämtlicher katholischer Vereine sowie an den kantonalen und schweizerischen Pressetagen.
  • I Bestellung lokaler Propagandakommissionen zur methodischen Presseförderung in den einzelnen Gemeinden.
  • K Verbreitung von Flugblättern über die Bedeutung der Presse, insbesondere zur Zeit des Jahresabschlusses.
  • L Durch periodische Veranstaltung sogenannter «Weisser Wochen», zum Zwecke einer einheitlich und planmässig durch grössere Gruppen von Vertrauensleuten durchzuführenden Agitation gegen die schlechte und für die gute Presse.
  • M Gewinnung der Jugend für die Pressidee und Anleitung der Jugendlichen in den Jugendvereinen zur richtigen Wertung der Presse und erfolgreichen Benützung dieses Bildungsmittels.
  1. Vermehrte geistige Mitarbeit
  • A Beteiligung weitester Kreise am Nachrichtendienst der Presse.
  • B Mitarbeit der katholischen Intelligenz durch Artikel aus dem eigenen Fachgebiete.
  • C Heranbildung wissenschaftlich und literarisch tüchtiger Kräfte für den Journalistenstand durch Förderung junger Talente und Förderung der akademischen Berufsbildung für Zeitungskunde.
  1. Vermehrte Zuwendung von Inseraten
  • A Aufklärung des Volkes über die Bedeutung des Inseratenwesens, als unerlässlicher materieller Voraussetzung unserer Presse.
  • B Bevorzugung jener Geschäftsfirmen, die sich zur Insertion unserer eigenen Presse bedienen.
  • C Energischer Kampf gegen den Unfug und Schwindel auf dem Gebiet des Inseratewesens, der eine Gefährdung des sittlichen Volksempfindens und der Volksgesundheit bedeutet.
  • D Förderungen der Bestrebungen auf Schaffung einer Annoncenzentrale für katholische Blätter.
Förderung des schweizerischen katholischen Pressevereins durch:
  • A Gewinnung von Einzelmitgliedern.
  • B Gründung lokaler Pressevereine.
  • C Förderung der in den Pressevereins-Statuten aufgeführten Programmziele.
Materielle Hebung des Journalistenstands durch:
  • A Fürsorge für die Hinterbliebenen verstorbener katholischer Journalisten, mittelst Ausbau der Augustin-Egger-Stiftung des Schweizerischen katholischen Volksvereins (Äufnung des Fonds durch Vermehrung der Freiplätze an den katholischen Lehr- und Erziehungsanstalten, Zuwendungen von Legaten etc.).
  • B Gründung einer Sterbekasse zugunsten der Hinterbliebenen der beim Verein der Schweizer Presse nicht mehr versicherten älteren katholischen Publizisten.
  • C Förderung der Versicherung gegen Alter und Invalidität, als eine Massnahme, die für den Journalistenstand, angesichts seiner aufreibenden Berufstätigkeit, doppelt angezeigt und am besten geeignet erscheint, eine feste wirtschaftliche Grundlage für ein geordnetes Arbeitsleben zu schaffen und zu mutigem Vorwärtsstreben zu befähigen.

Eines der wichtigsten Postulate des Schweizerischen Katholischen Pressevereins war die Sensibilisierung der mit Pressefragen befassten Redaktionen der katholischen Druckerzeugnisse. Der neue Verband war nicht nur als Sektion für Presse an den Katholikentagen eingebunden, er organisierte seinerseits auch regelmässig sogenannte Schweizerische katholische Pressetage, in der Regel alle drei Jahre.

Forderung nach einem Lehrstuhl für Journalistik

Was bringen alle schönen Worte und Diskussionsbeiträge zur katholischen Presse, wenn es an geeignetem Personal, grundsatztreuen Redaktoren mangelt? Die Satzungen des Verbands stipulieren mit «Bestrebungen für geistige und materielle Hebung der schweizerischen katholischen Presse» quasi die Schaffung eines Lehrstuhles für Journalistik. Am Pressetag in Schwyz wurde die Frage nach einem Lehrstuhl heiss diskutiert. Aus Fachkreisen kam vorwiegend kritische Rückmeldung. Es wurde befürchtet, dass es zu einer «Überproduktion an Kräften» komme, was eher negative Folgen gewärtigen würde.

Der Journalist müsse, so die Kritiker, über allgemeine Bildung, Sprachgewandtheit, Mitteilungsgabe verfügen, alles Eigenschaften, «die man nicht anlernen kann». Jedoch wünsche man sich Vorlesungen über Geschichte und Bedeutung des Pressewesens, über Verfassungskunde, zur Geschichte der Neuzeit, über soziale Fragen sowie zum Parteiwesen. Damit würde das Interesse der akademischen Kreise an der Presse geweckt, was dringend nötig sei. Es lag nun mehr oder weniger auf der Hand, sich an der katholischen Universität Freiburg für dieses Anliegen einzusetzen.

Zusammen mit der Vereinigung katholischer Publizisten wurde der Vorstand beim Senat der Universität vorstössig. Im darauffolgenden Jahr 1922 wurde bereits ein Studienplan genehmigt. Dieser Plan sah vor, dass angehende Publizisten zunächst ein Studium in Philosophie, Theologie, Jurisprudenz oder Nationalökonomie abschliessen. Parallel dazu bot die Universität Kurse in Ethik, in Sozial- und Rechtsphilosophie, in Apologetik, in katholischer Politik, zu Kirche und Staat in ihren gegenseitigen Bestrebungen, in Schweizer-, Welt-, Presse-, Parteiengeschichte, in Urheber- und Presserecht an sowie ein eigentliches journalistisches Seminar.

Damit sah sich der Verein in seinem Ansinnen gestärkt, dass künftig auch vermehrt Akademiker für den Beruf des Redaktors gewonnen werden konnten, da «die Mitarbeit an unseren katholischen Blättern seitens der intellektuellen Kreise gegenüber früheren Jahren bedeutend abgenommen habe». Erst rund zwanzig Jahre später hatte man genügend Erfahrungswerte, um die journalistische Ausbildung auszubauen.

Rüegg und Walter gründen die Kipa

Seit je eng verbunden ist der Schweizerische Katholische Presseverein mit der Kipa, der Katholischen Internationalen Presseagentur. Früh schon wurde die Notwendigkeit einer zuverlässigen Berichterstattung in kirchlichen Fragen erkannt. So existierte ab den frühen 1870er-Jahre ein katholisches Korrespondenzbüro, welches auf Initiative der Geistlichen Gaspard Mermillod (1824-1892) und Joseph Schorderet (1840-1893) in Bern und Genf eröffnet wurde.

Mermillod präsidierte von 1884 bis 1889 die von ihm mitgegründete Union catholique d‘études sociales et économiques, bekannt als Union de Fribourg, welche die Sozialenzyklika Leos XIII. «Rerum novarum» vorbereiten half. Er wurde 1883 Bischof des Bistums Lausanne und Genf, und 1890 ernannte ihn Leo XIII. zum Kardinal.

Schorderet war über zwanzig Jahre Chorherr in Freiburg. Er gründete 1869 die Revue de la Suisse catholique und 1871 die Liberté, die bis heute existierende Freiburger Tageszeitung. Die Gründung der Druckerei St. Paul geht ebenfalls auf Anregungen Schorderets zurück.

Beide Geistlichen sahen ihre Mission in der Verbreitung katholischen Gedankenguts ultramontaner Ausprägung, was nachgerade zu Spannungen und später zur Einstellung der Tätigkeit des Büros führte. Der Journalist und Redaktor Ferdinand Rüegg war sich bewusst, dass das Sammeln und Verbreiten katholischer Nachrichten notwendig war. So schloss er sich mit dem Oltner Verleger Otto Walter zusammen und gründete 1917 die Kipa, die ab 1919 ihren Sitz in Freiburg hatte.

Katholische Korrespondenz für das Inner-Schweizerische

Während die Kipa ihren Fokus eher auf das Internationale richtete – im ersten Briefkopf firmierte sie ‘Katholische Internationale Presse-Agentur Rom, Wien, Trier, Olten‘ – hielt sich die 1925 gegründete Schweizerische katholische Korrespondenz (SKK) bewusst an das Kleinräumige, das Inner-Schweizerische. Mit dem damaligen Generalsekretär der Konservativen Volkspartei Paul Kubick (1896-1928) sowie dem Berner Bundeshauskorrespondenten Franz von Ernst (1879-1957) fanden sich zwei Gründungsmitglieder, die der schweizerischen Innenpolitik verpflichtet waren. So war denn auch die Aufgabe der SKK schnell umschrieben: wöchentliche Pressemitteilungen über Fragen der eidgenössischen Politik und über Ereignisse in den Kantonen.

Was scheinbar als rein politisch motiviertes Vehikel daherkommt, hatte durchaus eine tief strategische Bedeutung. Denn die mittleren und kleinen Landzeitungen waren anders als die grossen Tageszeitungen gezwungen, einen aktuellen und mitunter attraktiven Inlandteil zu bieten, um ihr Überleben zu sichern. Dank der SKK konnten Redaktionen Lücken in der Berichterstattung füllen und ihre Abhängigkeit von Korrespondenzbüros, die nicht den gleichen religiösen und politischen Nährboden hatten, dämmen.

Paul Kubick leitete seinerzeit mit ersten Gehversuchen eine engere Zusammenarbeit zwischen den Organen des Schweizerischen Pressevereins, anderer katholischer Einrichtungen sowie der konservativen Volkspartei ein. Es zeigte sich jedoch nach seinem frühen Tode 1928, dass diese institutionelle Zusammenarbeit nicht immer einfach war. Anfänglich war die SKK unter dem Dach des SKPV, ehe sie 1958 an die Katholische Volkspartei abgetreten wurde.

Förderung guter Volkslektüre

Seit der Gründung des SKPV suchte er nicht nur die politische und religiöse Tuchfühlung mit der Leserschaft. Er wollte auch die Förderung guter Volkslektüre an die Hand nehmen. Dazu drängte sich idealerweise die Zusammenarbeit mit den Schweizerischen katholischen Volksvereinen auf, denen seit deren Gründung Ende der 1850er-Jahre genau diese Aufgabe am Herzen lag.

Am zweiten Pressetag in Schwyz wurde die Errichtung einer Feuilletonberatungsstelle beschlossen. Die Redaktoren vorab der kleinen und mittleren Presseorgane begrüssten diese Massnahme, fanden sie doch in aller Regel zu wenig Zeit, um sich als Journalisten auch noch dieser Aufgabe zu stellen. Mangels richtiger Auswahl bei der Fülle an Zuschriften erscheint oftmals gerade ungeeigneter Lesestoff in den Zeitungen. Hier sollte eine Beratungsstelle das richtige Sensorium entwickeln, um die Redaktionen mit fundierten, dem katholischen Schrifttum nahestehenden Beiträgen zu füttern.

«So will der katholische Presseverein damit eine neue wichtige Mission der heutigen Zeit einleiten, in der Auffassung, dass unsere Zeit, welche in ihrer sittlichen Gestaltung durch skrupellosen Kinobetrieb und literarischen Schund so sehr gefährdet ist, nur durch eine tatkräftige Gegenaktion, durch Unterstützung des guten Schrifttums in der Tagespresse gehoben werden kann.» Die Beratungsstelle wurde sodann eingeführt und Franz Wäger übertragen, welcher ab 1928 auch die SKK leitete.

Unterstützung für katholische Buchautoren

Mit den Feuilletons wurde freilich die Verbreitung schweizerischer Literatur, die man gemeinhin für gut hielt, noch nicht gefördert. Hierzu bedurfte es eines weiteren Schrittes. Mit Preisausschreiben für Feuilletons wurden hiesige Schriftsteller zur Mitarbeit motiviert. Diese Wettbewerbe und die damit verbundene Anerkennung spezifisch katholischer Literatur stiess denn auch auf positive Resonanz seitens der schreibenden Gilde. Sie lebten mehr schlecht als recht von der Schriftstellerei und waren nun befriedigt, dass man sich an höherer Stelle ihrer Nöte annahm. Diese erwähnte Zusammenarbeit mündete zunächst 1930 in einer Buchberatungsstelle, welche die bisherige Feuilletonberatungsstelle erweiterte.

Das Elend des ersten Weltkrieges rückte die soziale Frage und die damit verbundenen Aufgaben, einerseits des Staates, andererseits der Kirchen, in den Vordergrund. Hier waren klare Worte seitens katholischer Publizisten erwünscht. So forderte Arthur Hättenschwiler 1919 in seinem Geleitwort, «am Wiederaufbau jener christlichen Kultur, die […] aus den Trümmern der gegenwärtigen furchtbaren Weltkrisis entstehen soll», mitzuwirken.

Engere Bande zwischen Presse und Partei

Am 6. und 7. November fand in Schwyz der 2. Schweizerische katholische Pressetag statt. Den Pressetag bestritt der Verein jeweils mit dem Verein katholischer Publizisten. Diese Standes- und Berufsorganisation der katholischen Redaktoren und Journalisten wurde 1912 gegründet und setzte sich für die publizistischen Anliegen der katholischen Presse ein. Als Interessenvertreter war in frühen Jahren vor allem die Sterbekasse bedeutsam. Zunächst hielt der Presseverein seine Generalversammlung ab, ehe sonntags die öffentliche Pressetagung stattfand mit einigen hundert Teilnehmer. Zwei Referate standen auf der Tagesordnung. Der Schwyzer Ständerat und Präsident der Katholisch-Konservativen Volkspartei Josef Räber sprach zu «Presse und Politik», während der Zürcher Vikar Gottfried Hess sich dem Thema «Die Presse als Gewissenssache» annahm.

Der Pressetag erliess danach eine Resolution folgenden Inhalts:
«Der Schweizerische katholische Pressetag in Schwyz begrüsst im Interesse der Förderung einer engern Zusammenarbeit zwischen Presse, katholisch-konservativer Fraktion und konservativer Parteileitung die kürzlich erfolgte Schaffung eines ständigen Sekretariates und empfiehlt dessen Förderung durch Leistung von Beiträgen.» Diese Resolution nahm namentlich die Intention des parteipräsidialen Votums auf, wonach engere Beziehungen zwischen Presse und Parteileitung «im Sinne einer staatserhaltenden Politik» wünschenswert wären.

Kampf gegen glaubensfeindliches Schrifttum

Hess seinerseits ortete viel Versäumtes und Leichtsinnigkeit der Katholiken, denn tausende von Katholiken lesen und unterstützen «antichristliche oder sogenannte farblose Zeitungen und Zeitschriften». Es schien dem Referenten schwerlich vorstellbar, dass Katholiken «in der einen Hand das Gebetbuch und den Rosenkranz, in der andern eine glaubensfeindliche Zeitung» hielten. Katholikenfeindlich, christentumsgegnerisch, vermaterialisiert, ja gar verjudet sei die Presse, wogen es seitens der katholischen Presse entschieden anzukämpfen gelte.

Nach wenigen Jahren konnte der Verein bereits auf eine sehr erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. So wurde der Verein schnell als allgemeine Zentrale für das katholische Pressewesen erkannt. Das Ziel war ja von Beginn weg hochgesteckt, nicht nur Anlaufstelle für die Fachleute zu sein, sondern auch den Anliegen der Laien zu genügen.

«Kriegskasse» prall gefüllt

Es bedurfte jedoch nicht bloss der Agitation für das geschriebene Wort, es gab auch Herausforderungen in organisatorischen Belangen. Die Buchdruckereien hatten mit ganz profanen Problemen zu kämpfen, es galt, diesen in finanziellen oder arbeitsrechtlichen Fragen tatkräftig beizustehen. Der Verein setzte sich hier für Lösungen betreffend der Arbeitnehmer ein, im Interesse der katholischen Allgemeinheit, «damit endlich der Terror der sozialistischen Typographia gebrochen werden könne».

Um für solche zusätzlichen Aufgaben gewappnet zu sein, benötigte der SKPV eine «Kriegskasse», den Pressefonds. Diesen konnte er dank gesunden Wachstums der Mitgliederzahl kontinuierlich äufnen. Schon damals war nämlich klar, «dass bei der Presse nur mit hohen Zahlen gerechnet werden kann; Zehntausender gelten hier nicht viel».

Erfolgreiches Propagandasekretariat

Dank unermüdlichem Einsatz des Propagandasekretariats – mit planmässiger Beharrlichkeit – wuchs der Bestand kontinuierlich auf über 5‘000 Mitglieder an. Diese hohe Zahl war einerseits wichtig, um dem Anliegen der Verbreitung der religiösen und politischen Werte Genüge zu leisten, andererseits erforderten die vielen verschiedenen Aufgaben und Verpflichtungen des Vereins auch vermehrte Finanzpolster.

Nach den verheerenden Kriegsjahren begann durch die weltweite Konjunktur eine bessere Zeit. The Roaring Twenties schwappten aus Amerika nach Europa und brachten speziell im Unterhaltungssektor ganz neue Entwicklungen. Diese Industrie – Musik, Film, Theater – beschäftigte auch das katholische Pressewesen. Denn die Unterhaltungsmaschinerie brauchte den Zugang zum Publikum und diesen verschaffte sie sich wohlweislich durch Insertionen in den Tageszeitungen. Es war nun aber schwierig, im Voraus zu erkennen, wofür jeweils in den Zeitungen Werbung geschalten wurde. Denn die Kinofilme kannte man ja nicht.

Kino unter moralischer Beobachtung

Für den SKPV stellten sich grundsätzlich zwei Fragen: die eine war jene des feuilletonistischen Beitrages. Hier riet der Verein, nur dann einen Text zu einem Kinofilm zu verfassen, wenn man den Film auch wirklich gesehen hat. Die andere Frage werfen die Inserate für die jeweiligen Kinofilme respektive die Reklame in den Kinosälen auf. Zwar weiss man seitens des Vereins, dass das Niveau der Filme zweifelsohne gestiegen ist, dass die Lichtspiel-Gesetzgebung durch ihre Zensurgewalt wenigstens die gröbsten Verstösse gegen Anstand und Sitte verhindert, hingegen versagt das Gesetz bei der Anwendung gegenüber anstössiger, unanständiger Werbung.

Für die katholische Presse gilt der Grundsatz, dass sie nicht nur im Textteil katholisch zu sein hat, «sondern auch ihre Inserate dürfen den Grundsätzen von Glaube und Sitte nicht widersprechen». Bei der Kinowerbung tut sich hier ein oftmals weites Minenfeld auf, denn scheint ein Film im Titel noch so unverfänglich, könne oft dennoch «eine pikante Stelle» vorkommen. Gewähr böte nur, wenn man den ganzen Film gesehen und als untadelig taxiert hätte.

Zeitungen religiös durchgeistigen

Das Luzerner Landstädtchen Sursee war Kulisse für die Austragung des 4. Katholischen Pressetages. Als Referent trat kein geringerer auf als der Lokalpatriot und Freiburger Theologieprofessor Joseph Beck, dessen Ausführungen unter dem Titel «Lehr und Wehr in der katholischen Zeitung» standen. Beck riet dazu, die religiöse Orientierung solle «die ganze Zeitung beherrschen und durchgeistigen». Hierzu müssten die päpstlichen Enzykliken in ihren Auswirkungen auf unsere Zeit dargestellt werden. Ferner wünschte er sich mehr Artikel zu den christlichen Festen des liturgischen Jahres. Sodann erachtete Beck Nekrologe oder Lebensbilder zu bedeutenden (selbstverständlich) katholischen Zeitgenossen, auch Heiligenviten, als sehr lehrreich. Die Wehrhaftigkeit oder Kampfeslust und -freude ortete Beck eher im gemeinsamen Kampf gegen die sozialistischen Irrlehren als wie bis anhin üblich gegen den Liberalismus. Gefahr gegenüber die katholische Presse und gegenüber den Katholiken generell komme nicht mehr vom einst aggressiven Liberalismus, der nun «lendenlahm und altersschwach» sei.

Die ersten Jahre brachten dem SKPV viel Elan. Mit grossen Schritten ging es einer befruchtenden Zukunft entgegen, im steten Glauben und der Erkenntnis, das Richtige zur richtigen Zeit zu wagen. Jahr für Jahr konnte neue teils hoch gesteckte Ziele erreicht werden. Der Mitgliederbestand wuchs stets an, und die unzähligen katholischen Organisationen lokaler und regionaler Ausrichtung, die im Sog des SKPV entstanden, verbreiteten den Humus des religiösen und politischen Gedankenguts. Finanziell stand der Verein bald auf sehr gesunden Beinen, sodass er vermehrt neben seiner grundlegenden Propagandatätigkeit auch andere Aufgaben anpacken konnte und Hilfeleistungen finanzieller oder organisatorischer Art da anerbot, wo sie nötig war.

Rückschläge gab es hingegen auch zu verzeichnen. Der plötzliche Tod des jungen Leiters der Schweizerischer katholische Korrespondenz (SKK), Paul Kubick, traf den Verein hart. Kaum hatte der SKPV in seiner Organisationsstruktur wieder Tritt gefasst, verschied der langjährige Präsident und umtriebige Katholikenführer Emil Pestalozzi-Pfyffer. Pestalozzi hat sich an unzähligen Orten des katholischen Verbandswesens einen Namen gemacht. Er war – einst im tief zwinglianischen Zürich sozialisiert – als Arzt nach Zug gezogen, wo er bald in verschiedenen politischen und kirchlichen Gremien aktiv wurde, jedoch nie mit jenem missionarischen Eifer, den man Konvertiten nachzusagen pflegt.

Späterer Bundesrat Philipp Etter wird Präsident

1930 fand der katholische Pressetag, nunmehr der fünfte, in Zug statt. Hier nahmen die Anwesenden nochmals Abschied von ihrem einstigen Präsidenten Pestalozzi. Und in diesem Städtchen stellte sich ein weiterer Zuger in den Dienst des katholischen Pressewesens. Mit Philipp Etter, damals Zuger Ständerat, stellte sich eine weitherum anerkannte Persönlichkeit zur Verfügung. Am Pressetag selbst erliess man eine Resolution, die sich inhaltlich mit dem Film- und Kinowesen befasste und einheitliche Richtlinien in der Handhabung der Filmkritik, der Insertionen sowie der Filmzensur aufstellte. Der Verein sprach sich dafür aus, «dass im Interesse der moralischen Volksgesundheit und namentlich auch im Interesse der heranwachsenden Jugend die amtliche Filmzensur sachlich-streng gehandhabt, minderwertige Filme verboten und anstössige Stellen aus Filmen entfernt werden».

Am Peter- und Paultag (29. Juni) feiert die katholische Kirche ihren Pressetag. Auch der Schweizerische katholische Presseverein nahm jeweils an diesen innerkirchlichen Veranstaltungen teil. 1932 wurde der Verein bei der Bischofskonferenz vorstellig, künftig doch ebenfalls eine solchen Pressesonntag in der katholischen Kirche der Schweiz durchzuführen. Die Konferenz stimmte diesem Ansinnen zu, die Umsetzung oblag den jeweiligen Diözesen. Als erstes führte das Bistum Chur einen besonderen Pressesonntag im Monat Dezember ein, womit der Grundstein für eine bis in die heutigen Tage aufrechterhaltene Tradition ihren Anfang nahm.

Eine ganz spezielle Propagandatätigkeit erforderte die Lancierung der Zeitschrift Buch und Volk, womit vorwiegend gute katholische Literatur unters Volk gebracht werden sollte, darunter auch ein Sonderdruck von Klerus und Literatur. So ist in all’ den Jahren neben der Propagandastelle, die immense Aufbauarbeit geleistet hat, die Buch- und Feuilletonberatungsstelle stark gewachsen, was sich auch in den jeweiligen Jahresrechnungen niederschlug. Zwar machten weiterhin Propagandatätigkeit sowie das Beitragswesen die Löwenanteile aus.

Die Amtsdauer von Ständerat Philipp Etter war nur von kurzer Dauer. Schon 1934 wählte ihn die Vereinigte Bundesversammlung in den Bundesrat. Sein Nachfolger wurde der Obwaldner Walter Amstalden.

75 katholische Pressetitel

«Die Schweiz ist das zeitungsreichste Land der Welt», wurde bereits in den Dreissigerjahren verkündet. Dies ist eine Tatsache, die auf unserer Vielsprachigkeit, verschiedenen Kulturräumen, zweier Hauptreligionen und mehrerer Parteien beruht. Die grosse Anzahl der katholischen Zeitungen wurde 1940 im Jahresbericht publiziert. Rund 75 Erzeugnisse geben einen Überblick, wie stark das katholische, das konservative Leben sich im Land spiegelte.

Der Zweite Weltkrieg stellte in den katholischen Zeitungen vermehrt wieder die sozialen Belange ins Zentrum. Angesichts des Horrors in Europa, des wütenden Krieges, sind Querelen unter den verschiedenen Zeitungen divergierender politischer Ausrichtung mehrheitlich ausgeblieben. Die Kriegsjahre waren für den Verein eher ruhigere, in denen es galt, das Vereinswesen aufrechtzuerhalten und namentlich auch finanziell über die Runden zu kommen. Mit Ende des Weltkrieges galt der erste Dank zunächst dem Seligen Bruder Klaus, der die Schweiz vor dem Krieg bewahrt hatte. Diese Tatsache sowie seine Wundertätigkeit führten 1947 zu seiner Heiligsprechung.

Vom Aufbruch zum Umbruch
Der Presseverein vor und nach dem II. Vatikanischen Konzil

Das Ende des Zweiten Weltkrieges läutete eine neue Entwicklung, ein neues Verständnis des Katholischen in der Schweiz aus. Die Schweiz blieb glücklicherweise von den kriegerischen Auseinandersetzungen verschont. Dennoch spürten die Bürgerinnen und Bürger auch soziales Elend. Es ist mitunter der Weitsicht kirchlicher Institutionen zuzurechnen, dass weiteres Elend in der Schweiz ausblieb. Hilfsorganisationen, kirchliche, staatliche sowie private, halfen dort, wo Hilfe benötigt wurde. Und stets, wenn es den Leuten weniger gut geht, suchen sie Halt im Glauben. Dies war auch im Krieg nicht anders.

Die umliegenden Staaten lagen teilweise in Schutt und Asche, was zu einer starken Zunahme der Migration in die Schweiz führte, die bis Mitte der Siebzigerjahre anhielt, als die Ölkrise die wirtschaftlichen Boomjahre vorerst beendeten. Die Einwanderer kamen mehrheitlich aus katholischen Gegenden, vor allem jene, die ab Mitte der Fünfzigerjahre für den Aufschwung der Schweiz mitverantwortlich waren.

1947 wurde Niklaus von Flüe vom Papst heiliggesprochen. Es schien offensichtlich, dass es Bruder Klaus zuzuschreiben ist, dass unser Land vom Krieg verschont blieb. Der Heilige vom Ranft verband somit Protestanten und Katholiken gleichermassen, viele neue Kirchen erhielten seinen Namen und unterstanden seinem Patrozinium.

Johannes XXIII. sorgt für kirchlichen Hype

1958 bestieg ein neuer Papst den Stuhl Petri, Johannes XXIII., der «Gute Papst», heimste derart viel Sympathien ein, dass er bereits bei seinem Amtsantritt ein Glücksfall für die Kirche war. Als er dann kurz danach das zweite Vatikanische Konzil einberief, löste dies für die kommenden Jahre einen kircheninternen Hype sondergleichen aus. Das Vatikanum stärkte das katholische Verständnis nachhaltig. Die Konzilsberichterstattung erfasste auch Reformierte sowie Nicht-Christen. Ein gewaltiger Ruck ging durch die Weltkirche, ein enormer Elan drang durch sie. In der Schweiz gipfelte der neue Geist der Kirche in der Synode 72, die bis in die äussersten Verästelungen der Basiskirche drang.

Influenzer Federer und Kopp

In der Politik erreichten die Katholisch-Konservativen in den 50er-Jahren unter ihrem Generalsekretär Martin Rosenberg Höhenflüge. Kurze Zeit stellten die Konservativen gar drei Bundesräte. Ihre Durchschlagkraft war gewaltig, ihr Gestaltungswille stärker als jener der Freisinnigen.

1952 erinnerte der Verein daran, dass es ein Vierteljahrhundert her sei, dass einer der bekanntesten katholischen Schweizer Literaten seiner Zeit verstorben ist. Seit dem Wirken Heinrich Federers hätte sich im publizistischen wie im allgemeinen katholischen Auftrage nichts Wesentliches geändert. Federer beeinflusste mehrere Generationen von Heranwachsenden in deren Verständnis für katholisch geprägte Literatur.

Während der eine schon länger tot war, schied 1952 einer der angesehensten und wichtigsten Redaktoren der katholischen Presse hin. Eugen Kopp prägte während rund dreissig Jahren das Zentralorgan der katholisch-konservativen Schweiz, das Vaterland. August Bärlocher würdigte ihn im Jahresbericht: «Wer Kopp-Artikel las, wusste am Schluss klar und bestimmt, wie es gemeint war und was er sagen wollte. […] Er hasste den Irrtum und liebte den Irrenden.»

In diese Zeit des Um- und des Aufbruchs fällt auch eine wichtige Zäsur beim Schweizerischen Katholischen Presseverein. 1954 schied Walter Amstalden, der 1934 das Zepter von Philipp Etter übernommen hatte, aus dem Amt. Sein Vorgänger freilich blieb noch einige Jahre prägend im Bundesrat. Amstalden «hat ein gewichtiges Wort gesprochen, das Beachtung fand. Und er hat es verstanden die Mitglieder der Direktionskommission im Geiste schöner Harmonie zur Arbeit zusammenzuführen.»

Reibereien zwischen Presseverein und Katholischer Korrespondenz

Die Erstarkung der Konservativen Partei führte dazu, dass die SKK vermehrt von der Partei vereinnahmt wurde. Dies führte 1954 zu grösseren Reibereien, was sich auch im Jahresbericht ausdrückte:

«In mehreren Sitzungen und in einer Aussprache mit der katholischen Publizistenvereinigung am Vorabend des Schweiz. Katholikentages in Freiburg wurde die Stellung der SKK zum SKPV abgeklärt. Nicht dass in unserm Verein Zweifel geherrscht hätten, die SKK (Schweizerische Katholische Korrespondenz) in Bern sei nicht ein Werk unseres Vereins, was schon 1929 und späterhin bei verschiedenen Gelegenheiten wieder festgestellt wurde und auch aus dem Beitragsverhältnis unseres Vereins an die SKK im Vergleich zum Beitrag anderer Gremien sowie aus den Protokollen hervorgeht. Anlässlich der Abstimmungspropaganda zur Finanzreform hat sich aber zwischen leitenden Instanzen der Partei und des Pressvereins eine Diskussion ergeben über das Verhältnis zur SKK. Es ist der Partei unbenommen, weiterhin grundsätzliche Verlautbarungen mit den Sendungen der SKK an die Redaktionen zu leiten. Der nähere Modus wurde in einer schriftlichen Vereinbarung niedergelegt. Die SKK aber ist nach wie vor ein Unternehmen nicht der Partei, sondern des Schweiz. Kathol. Pressvereins. Auch dieses Pressewerk bedarf der finanziellen Ausweitung. Doch wurde mit den verantwortlichen Organen auch Aussprache gepflogen über den inhaltlichen Ausbau. Alle diese Verhandlungen hier und dort nahmen viel Zeit unserer Direktionskommission oder einzelner ihrer Mitglieder in Anspruch.» Die Auseinandersetzungen mündeten schliesslich in der Abtretung der Schweizerischen Katholischen Korrespondenz an die Schweizerische Konservativ-christlichsoziale Volkspartei. Seit Ende 1958 führt die Partei den Pressedienst Schweizerische Konservative Korrespondenz.

«Publizistik des christlichen Charmes»

Monsignore Giovanni Battista Montini, der spätere Papst Paul VI., schrieb 1952 zur Bedeutung der katholischen Presse: «Das Presseapostolat stand dem Heiligen Vater von jeher besonders am Herzen. Der Papst hat ihm wiederholt seinen Segen gegeben und wichtige Richtlinien hierüber erlassen. Heute, da die Wahrheiten unseres Glaubens so oft misskannt werden und verhängnisvolle Irrtümer die Geister auf Abwege führen, so dass die unvergänglichen Güter der Kirche Christi von vielen nicht mehr geschätzt werden, kommt der wichtigen Rolle der katholischen Zeitung eine ganz besondere Bedeutung zu.»

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Umbruch- und Aufbruchstimmung forderte die Kirchenoberen heraus. Bischof Franziskus von Streng ermahnte 1952 zur Fastenzeit die Gläubigen eindringlich ihrer Pflicht gegenüber der katholischen Presse:

«Leider erfüllen nicht alle Katholiken ihre Pflicht gegenüber der katholischen Tages- und Lokalpresse. Die katholische Zeitung ist der Lautsprecher des katholischen Glaubenslebens. Wenige andere Tagesblätter sind es, die sich bemühen, christliches Ideen- und Kulturgut in die Öffentlichkeit hinauszutragen. […] Wer regelmässig nur neutrale Presse liest, wird neutral, religiös lau, kalt und gleichgültig. Wer kirchenfeindliche Blätter abonniert, hilft den Feinden der Kirche. Die katholische Zeitung ist der Herold, der das katholische Volk zum gemeinsamen religiösen und kulturellen Verteidigungs- und Aufbauwerk aufruft und sammelt …»

Wie kaum zuvor äussern sich nun Bischöfe, Kardinäle, ja sogar die römische Kurie unter Papst Pius XII. vermehrt zu pressepolitischen Themen («auffällig gehäufte Kundgebungen»), die die Redaktoren der Jahresberichte des SKPV jeweils dankbar aufnehmen und den Mitgliedern zukommen lassen. 1953 gipfelte dies in der schön formulierten Forderung nach «Publizistik des christlichen Charmes».

Kipa mit Meldungen à la minute

Es fällt ebenfalls in die Zeit des starken Engagements der katholischen Presse sowie der weltlichen und geistlichen Hüter des «sentire cum Ecclesia», als die Katholische Internationale Presseagentur Kipa zu neueren Ufern aufbrach. Einerseits firmierte die Kipa ab 1955 als Genossenschaft, nachdem sie 1932 als Privatunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Andererseits standen sich «Traum und Wirklichkeit» gegenüber: die Technik ermöglicht die schnellere Übermittlung von Texten und Nachrichten aus aller Welt, dank dem Fernschreiber, dem Telex, wird die Kipa Meldungen à la minute absetzen.

Der Schweizerische Katholische Presseverein war 1955 bei den Genossenschaftsgründern und unterstützte die Kipa mit namhaften Beiträgen. Die technische Entwicklung der Agentur war nur dank finanzieller Leistungen des SKPV möglich, der bei den Bischöfen vermittelnd für das Presseopfer am Pressesonntag eintrat. Die Kipa hat für die katholische Berichterstattung der folgenden Jahre dank ihres technischen Fortschritts hohe Anerkennung erhalten, so beim Tod Papst Pius XII. demjenigen von Papst Johannes XXIII., beim Konklave sowie massgeblich beim II. Vatikanischen Konzil – «auf der Redaktion der Kipa stehen nun fünf Fernschreiber. Einer ist mit einem permanenten Kabel mit dem Büro in Rom verbunden.»

«Seelsorger und Redaktor gehören zusammen»

Die Nähe zur Geistlichkeit wird klar ersichtlich bei der Tagung von Redaktoren und Pfarrherren, die 1963 auf dem Rügel, oberhalb des Hallwilersees, stattfand. Aus dem Ergebnisbericht lesen wir:

  1. In der Zeit der Vertiefung und gegenseitigen Annäherung der christlichen Konfessionen drängt sich gebieterisch die Forderung auf: die Massenmedien (Presse, Radio, Fernsehen und Film) intensiver in den Dienst der Religion, des Christentums und der Kirche zu stellen. An erster Stelle steht die Presse. Sie hat immer noch die breiteste und tiefste Wirkung der vier Massenmedien. Mit ihr werden täglich über 500 Millionen Menschen erreicht. Ob wir wahre, lebendige Christen bleiben, ob wir das Christentum tiefer in die Herzen und weiter in die heute offene Welt hineintragen, hängt zu einem sehr grossen Teil von der Presse, den Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten ab: ob diese noch christliche Substanz besitzen oder ob sie neutral, oberflächlich und nivellierend sind und es immer mehr werden. Wir sind heute auf dem besten Wege, durch die sogenannte Sensationspresse immer mehr und mehr an menschlicher und christlicher Substanz zu verlieren. Am Konzil wurde der Satz ausgesprochen: «Die Kirche ist auf die Presse lebensnotwendig angewiesen.»
  2. Die Seelsorger brauchen heute mehr und mehr die Unterstützung durch die gute Presse. Nicht dass eine politische Zeitung zu einem Predigtblatt werden soll. Aber die Seele der Zeitung muss christlich sein. Der Redaktor muss die Welt und das grosse Weltgeschehen mit christlichen Augen betrachten und die grossen, entscheidenden Fragen, namentlich die Fragen der Erziehung, aus dem christlichen Blickfeld sehen. Der Seelsorger und der Redaktor gehören zusammen. Beide sind eine Schicksalsgemeinschaft. Beide brauchen einander.
  3. An der Konferenz auf dem «Rügel» wurde von Redaktoren die dringende Bitte an die Geistlichen gerichtet: Ihr Seelsorger, wir bitten euch, helft uns in der geistigen Not der Gegenwart, in der allgemeinen Verflachung und Nivellierung des Lebens. Ihr Pfarrherren, unterstützt die gute Presse mit eurem ganzen Ansehen und eurem ganzen Einsatz. Der Redaktor braucht die Hilfe der Seelsorger. Zusammen sind Pfarrer und Redaktor eine Macht, zusammen sind sie ein Segen für das christliche Volk. Wenn wir das Christentum im Volke lebendig erhalten wollen, müssen wir die katholische Presse stärken, sie besser, tiefer und zeitgemässer ausbauen. Am Konzil wurde ferner erklärt: «Die Kirche kann heute ihre Aufgabe nicht erfüllen ohne die Benützung der Massenmedien. Und weiter: Nur wenn die Presse der Kirche hilft, wird es ihr möglich sein, das christliche Weltbild noch weiter und noch eindringlicher zu verbreiten. Die gute Presse ist ein Herzensanliegen des Konzils.» Der Berichterstatter des Konzils für die Behandlung der Massenmedien, Erzbischof von Sens, Rene Stourm, rief die Worte von Papst Johannes XXIII. in Erinnerung: «Die Macht der Presse ist gewaltig, da sie die öffentliche Meinung, deren Bedeutung jedermann kennt, bildet und lenkt.» Erzbischof Rene Stourm schreibt in seinem Referat vor dem Konzil: «Wie sollte die Kirche ruhig bleiben, wenn so viele Seelen, die sie mit der Taufe bezeichnet hat, wegen schlechter Lektüre und wegen der Vorführungen, die sie so häufig betrachten, den Glauben und die guten Sitten verlieren?!» Es ist eine unabdingbare Forderung des Konzils, dass Bischöfe und Klerus der Presse ihre ganze Aufmerksamkeit schenken und die Redaktoren es sich zur Pflicht machen, die Kirche in dieser schweren Aufgabe mit ganzer Hingabe zu unterstützen. Beide, die Kirche und die Presse, werden durch ihre getreue Zusammenarbeit sich im Volke die besten Helfer und Unterstützer schaffen. Auch hier besteht die gleiche gegenseitige Gewissenspflicht: die Kirche und die gute Presse bringen dem Volke Licht, Trost und Kraft. Das gläubige Volk aber steht andererseits ebenfalls tatkräftig zur guten Presse und zu den Seelsorgern.

Das schlechteste aller Konzilspapiere

Viel Hoffnung, sei es von Seiten der katholischen Medienschaffenden, sei es von Seiten der kirchlich Engagierten, sei es von Seiten der gläubigen Basis, ruhte auf dem Vatikanischen Konzil. Vieles konnte erreicht werden, einiges bleibt Stückwerk. Doch gerade die Verlautbarungen zur Presse, zur Öffentlichkeitsarbeit gehören zu den wenig greifbaren Aussagen des Konzils. «Es ist das schlechteste Konzilspapier», meint der langjährige Präsident des Pressevereins Alois Hartmann.

Josef von Matt fördert Volksbibliotheken

Der Schweizer katholische Presseverein initiierte 1963 die Schaffung von Pfarrei- und Klassenbibliotheken, vor allem in bedürftigen Berggemeinden. Die teilweise bereits bestehenden Bibliotheken sind oftmals in kläglichem Zustand mit veraltetem schlechtem Buchbestand. Einer der wichtigen Förderer dieser gemeinsinnigen Idee war der Buchhändler Josef von Matt aus Stans. Dieses Engagement wurde vor allem auch von den Lehrschwestern, die damals in die äussersten «Chrachen» entsandt wurden, geschätzt: «Durch Ihre Gabe bilden Sie unsere Leute. Mir ist es wichtig, dass gute und beste Erzählungen zu unserm einfachen Volk kommen, das fördert den kulturellen Aufbau, festigt den Charakter und stärkt die Wehrkraft.»

Boulevard und Pressekonzentration bedrängen die Kleinen

Die zahllosen Bemühungen, die katholische Presse inhaltlich zu stärken und deren Verbreitung auszudehnen, täuschen nicht hinweg, dass ihr ein eisiger Wind entgegenblies. Ende der Fünfzigerjahre erschien erstmals der Blick und führte als Boulevardblatt einen bislang gänzlich unbekannten Journalismus ein. In Zürich und anderen urbanen Zentren kam es zu ersten Zusammenschlüssen, es entstanden die ersten grossen Pressekonzerne. Dies führte zu erhöhtem Druck auf die mittleren und kleinen Lokalzeitungen sowie auf die Meinungspresse.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen hatten Auswirkungen auf das katholische Milieu, und damit auch auf die damals sehr starke Konservative Christlich-soziale Volkspartei. Langsam begann – zunächst in den städtischen Zentren und Agglomerationen – ein bis anhin relativ homogenes Milieu zu erodieren.

Katholische Verleger vereinigen sich

Einige katholische Verleger sahen diese Entwicklung am Horizont aufblitzen und organisierten sich ab 1963 in der Vereinigung der Verleger katholischer Zeitungen (VVKZ). Im selben Jahr wurde die AKP, die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Presse, aus der Taufe gehoben. Ihre Aufgaben bestanden stipuliert in Artikel 2 des Reglements darin,

  • eine verständnisvolle und rationelle Zusammenarbeit zwischen den Verlegern und Redaktionen zu fördern,
  • den Nachwuchs, die Ausbildung und die Weiterbildung von Journalisten zu fördern
  • alle Pressefragen, welche zweckmässig gemeinsam durch Verleger und Journalisten behandelt werden, zu beraten,
  • die Interessen der katholischen Presse nach aussen zu vertreten.

Die Geburt des journalistischen Instituts an der Uni Freiburg

Der SKPV ist mit dem VVKZ sowie dem Verein katholischer Publizisten Mitträger der AKP. Die AKP war am 8. Juli 1964 Gründerin des Seminars für Journalistik der Universität Freiburg, dessen Vorläufer das journalistische Seminar unter Prof. Müller-Büchi war (die Anerkennung der Statuten als offizielles Universitätsinstitut durch den Freiburger Staatsrat erfolgte am 29. April 1966). Auf Initiative von Studenten (darunter viele Mitglieder des Schweizerischen Studentenvereins) gab es auch Film-, Radio- und TV-Kurse. Die Arbeitsgemeinschaft wurde zunächst ausschliesslich durch den Presseverein, den Hochschulrat, die Verlegervereinigung sowie das Fastenopfer alimentiert.

Die AKP veranstaltete Fortbildungskurse für Journalisten und Verleger. Gastrecht erhielt sie im Hotel Pax-Montana in Flüeli im Kanton Obwalden. Das Thema der ersten Tagung, «Hat die Gesinnungspresse noch eine Chance?», war bereits ein voller Erfolg, weshalb die Pax-Montana-Kurse fortgeführt wurden. In der Romandie entwickelte sich bald schon ein Pendant auf dem Mont-Pélerin.

Katholische Medienarbeit kritisch analysiert

Das Institut für Journalistik hat 1971 den Auftrag vergeben «für eine kritische Strukturanalyse der Medienarbeit der Schweizer Katholiken.» 1974 erschien die Schrift Katholische Medienarbeit in der Schweiz von Redaktor Willy Kaufmann. Er zeigt das Zusammenarbeiten der verschiedensten Player auf und stellt mehrmals fest, dass strukturelle und organisatorische Herausforderungen bevorstehen. Anfang der Siebzigerjahre scheint die Entwicklung unaufhaltsam in eine Richtung zu gehen, die Massenmedien verdrängen nach und nach die kleinen Lokalzeitungen, es kommt zu einer Boulevardisierung im Pressewald. Der Verdrängungskampf hat vor allem auch die katholischen Zeitungen in den urbanen Zentren und Agglomerationen hart getroffen, in Zürich, Basel und Bern verschwinden Zeitungen, die für die Diasporakatholiken einstmals starken bindenden Einfluss ausübten.

Was Kaufmann ebenfalls konstatierte, war eine fehlende Zusammenarbeit der verschiedenen Player. Oftmals wurde gleiches in verschiedenen Gremien ausgearbeitet, ohne dass irgendein Koordinationsbedarf ersichtlich gewesen wäre. Im Jahresbericht 1964 hielt der damalige Sekretär Eigenmann noch folgendes fest: «Der Umstand, dass das Sekretariat des Seminars und jenes der Arbeitsgemeinschaft wie auch das der Verleger-Vereinigung in der gleichen Hand liegen, erleichtert die rationelle Zusammenarbeit unter den genannten Institutionen und gab auch die Möglichkeit zu einer erfreulichen Zusammenarbeit mit den übrigen Spitzenorganisationen der Schweizer Katholiken, aber auch mit den Berufsorganisationen der katholischen Presse im In- und Ausland und mit den übrigen Berufsorganisationen der Presse.»

Brötchen werden kleiner gebacken

Was hat sich in den Jahren zwischen 1964 und 1974 denn derart verändert, dass Kaufmanns Schlüsse diametral zur Erkenntnis Eigenmanns erscheinen? Zunächst wiesen die Katholiken einen hohen Organisationsgrad aus. Das Pressewesen war auf all seinen diversen Ebenen bis in die äussersten Kapillaren fein strukturiert. So ist es wenig erstaunlich, dass jede Organisationseinheit für sich in Anspruch nahm, bald einmal eigenständiger und unabhängiger agieren zu können. Die Abspaltung der früheren Schweizerischen Katholischen Korrespondenz hätte hier eigentlich Beispiel für eine aufkommende Entwicklung abgegeben. In den Siebzigerjahren – die Krise im katholischen Milieu schlug nun voll durch – fehlte es zusehends an katholisch konnotiertem Personal. Damals kam es auch zur Zusammenlegung der AKP, der VVKZ, der Kipa und des SKPV in den noch heute bestehenden Räumen der Paulusdruckerei, und man merkte damals, dass die Brötchen kleiner gebacken wurden, «als noch zehn Jahre zuvor».

Gremien mit den immer gleichen Leuten

Die Jahre nach der Synode 72, die vielerorts die Aufbruchstimmung dämpften, waren aber von einem anderen Phänomen geprägt. Vieles wurde zwar erreicht, angegangen, umgesetzt etc., die katholische Medienarbeit gab sich neue Strukturen und der SKPV stand «in einem gewissen Sinne am Scheideweg», wie der neue Vereinspräsident Franz Josef Kurmann 1974 feststellte. Doch etwas hatte die Verantwortlichen nicht bemerkt, und dies hatte vor allem in Zeiten des Umbruchs markante Auswirkungen: es waren fast immer die gleichen Leute in den Gremien vertreten. Häufig bewegte man sich im Kreis. Was den Anschein einer gewissen Dynamik hinterliess, war eigentlich ein Treten an Ort. Es gab zwar viele positive Aspekte dieser Phase, so ist vor allem die Filmförderung als eine solche zu erwähnen, der Erfolg der Filmzeitschrift Zoom gehört sicher auch dazu. Gewiss wäre einer breiten Bevölkerungsschicht der Zugang zu literarischen (und nicht nur katholischen) Werken ohne den SKPV verwehrt geblieben. Die Neustrukturierung des «Neuen Buchs» ab 1972/73 mit stärkerer Einbindung der Buchhändler tat das Ihre.

Auf zu neuen Ufern
Der Presseverein in der neuen Zeit

Während nach dem Vatikanum, vor allem aber nach der Synode eine verstärkte Säkularisierung einsetzte, machten im wirtschaftlichen Umfeld Konzentrationsbestrebungen von sich reden, dies selbstredend auch im Verlagswesen. Viele einst führende Blätter mit katholisch-konservativem Hintergrund gerieten ins Strudeln. Im Jahresbericht 1983 des SKPV liest sich dies so:

«Auch im vergangenen Jahr mussten wir feststellen, dass der Konzentrationsprozess in der Schweizer Presse unvermindert anhielt, wovon auch katholische Zeitungen betroffen waren. Aus unserer Sicht wiegt besonders schwer, dass die Zahl der Zeitungen, welche sich klar als Meinungspresse deklarieren, weiterhin im Schwinden begriffen ist. In diesem Bereich sind aber auch erfreuliche Beispiele aufzuzeigen, wie der Schulterschluss rund um die Neuen Zürcher Nachrichten zeigt, der dazu geführt hat, dass das Sprachrohr mit klar christlicher Weltanschauung im Raum Zürich wieder den Stellenwert zurückerobert hat, den es braucht, um als Zeitung beachtet und geachtet zu werden.»

Das Schicksal der Neuen Zürcher Nachrichten

Das Schicksal der Neuen Zürcher Nachrichten (NZN) scheint hier exemplarisch. Nach den gesellschaftlichen Entwicklungen mit ihren Auswirkungen auf das Verständnis kirchenpolitischer und religiöser Belange begann für die NZN ein beschwerlicher Weg. Die traditionelle Leserschaft brach mehr und mehr weg. Die Nachfrage nach katholischer Meinungspresse schmolz zusehends dahin. Es mutete nun an wie ein Anachronismus, als der SKPV freudig vermeldete, wie katholische Schreiberlinge in der Grossstadt Zürich «in den journalistischen Tageskampf eingegriffen» haben. Von diesem Kampf war nun reichlich wenig zu spüren. Andere Sorgen plagten die NZN. Bis 1972 wurde die Zeitung im Zürcher Seefeld gedruckt. Wie so häufig im Zeitungswesen werden Redaktion und Verlag durch Einnahmen aus dem Druckgewerbe quersubventioniert.

Dies war ab Anfang der Siebziger-Jahre nicht mehr möglich, als das Stammhaus im Seefeld als Druckerei nicht mehr zur Verfügung stand. Fortan wurde die NZN in St. Gallen bei der Ostschweiz gedruckt. Zu Beginn der Achtzigerjahre bäumte sich das Blatt kurzzeitig auf. Die Rosabrillensicht schlug sich im Jahresbericht des SKPV nieder, konnte aber nicht über die unüberwindbaren Probleme hinwegtäuschen. 1985 hatte die NZN eine Auflage von 12‘000, 1991 sackte diese dramatisch auf 5‘000 Exemplare ab. Ob die früheren Zahlen der Wahrheit entsprechen, ist zweifelhaft, denn ein Insider sagte dazu: «Man beschiss ohne Ende bezüglich der Auflage.» In dieser Zeit wäre es von Nöten gewesen, auch ausserhalb des schwächelnden eigenen Milieus zu überzeugen, was schon aus finanziellen Gründen ein unlösbarer Kraftakt gewesen wäre. So gingen die Neuen Zürcher Nachrichten 1991 ein.

«Wir reden viel – und machen wenig»

Als Vermächtnis der NZN blieb die Beilage Katholische Kultur, die später als Christ und Kultur vom Vaterland weitergeführt wurde. Im Jahresbericht 1990 fand der damalige Vereinspräsident Alois Hartmann deutliche Worte: «Wir sind uns wohl der Solidarität zur eigenen Presse viel zu wenig bewusst. Wir reden viel davon – aber machen zu wenig. Wir rühmen uns unserer eigenen klaren Haltung – aber verpassen es, diese mit Nachdruck in der Werbung für unsere Presse einzusetzen. Was ich konkret meine: Viel zu viele jammern über ein Ungenügen unserer Presse, sind aber nicht bereit, diese tatkräftig zu unterstützen, sie auch wirklich zu abonnieren. […] Vergessen wir nicht, was wir erreichen, wenn wir so weiterfahren – dass wir eines Tages keine eigene Presse mehr haben, keinen Gesprächspartner mehr, niemanden mehr, der nicht nur hin und wieder, sondern dauernd über die Ereignisse aus unserem eigenen gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Bereich informiert.» Wer dieses deutliche Statement liest, fragt sich, was von der 1984 veröffentlichten Studie Kooperationsmöglichkeiten und -bereitschaft der, der CVP nahestehenden Zeitungen in der Schweiz vom damaligen Kipa-Redaktor Pius Schmid übriggeblieben ist.

Zeitungssterben in Schaffhausen, Aargau, Bern

Etwas früher als die NZN wurde die Schaffhauser Zeitung liquidiert, jene Zeitung, die seit 1905 das Organ der Katholiken im reformierten Kanton Schaffhausen war. 1992 stellte das Aargauer Volksblatt aus Baden sein Erscheinen ein. Der SKPV war seit je eng mit dem Aargauer Volksblatt verbunden. Hier verdienten viele Journalisten ihre Sporen ab, die später im Verein aktiv mitarbeiteten. Der langjährige Präsident der Direktionskommission sowie Kipa-Verwaltungsrat August Bärlocher war beim AV Redaktor. Die Neuen Berner Nachrichten suchten bereits 1969 eine Annäherung an andere katholische Blätter, den Zuspruch erhielt das Vaterland, welches die Zeitung vollständig integrierte.

Bereits dieser Deal war mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden, die später den Vaterlandaktionären kommuniziert wurden: «Wir müssen unseren Verlegerkollegen hüben wie drüben zu bedenken geben, dass bald einmal der Moment gekommen ist, wo es für solche Gespräche [über Kooperationen, Anm. der Red.] zu spät sein könnte. Auf alle Fälle würde es sich das Vaterland sehr gut überlegen, ob es bei einer Zeitung retten helfen würde, wenn es überhaupt nichts mehr zu retten gibt.»

Diese Zeit begleitete der SKPV sowie die anderen katholisch konnotierten Vereine nur mehr am Rande. Als Verein konnte der Schweizerische Katholische Presseverein nur bedingt Einfluss nehmen. Konnte er in seinen Anfängen den Verlagshäusern noch finanziell unter die Arme greifen, wären nun Summen gefordert gewesen, die seine Möglichkeiten weit überfordert hätten. Vermehrt traten publizistische Fragen in den Hintergrund der tatsächlich existentiellen wirtschaftlichen Kernfragen des Überlebens.

Mangelnder Wille zur Zusammenarbeit

Ein weiterer Faktor war ebenfalls mitentscheidend. Verschiedene konservative Zeitungen buhlten um die Vorherrschaft, in Luzern das Vaterland, in St. Gallen die Ostschweiz, in Zürich die NZN. Dieses Gegen- statt Miteinander beförderte den drohenden Untergang der katholischen Presse nur noch mehr. Zwar diskutierten in den Jahren 1969/1970 unter dem Vorsitz von Nationalrat Leo Schürmann die katholischen Verleger der Deutschschweiz über ein Zusammenarbeitsmodell zwischen den NZN (inkl. deren verschiedenen Kopfblätter), dem Vaterland sowie der Ostschweiz. Eine deutschschweizerische Lösung hätte wohl von allen ein Einlenken und eigene Abstriche abverlangt, um schliesslich der gemeinsamen Sache dienlich zu sein. Doch die angestrebte Lösung kam nicht zu Stande, denn es gab Widerstand aus «Luzern», namentlich mit Ressentiments gegenüber «Zürich» verbunden. Das Vaterland war nur bereit einzulenken, sofern dies «die eigene Position nicht schwächt».

Im Jahresbericht 1986 spricht Alois Hartmann die herrschenden «widrigen Umstände» an: «In der Tat ist es heute nicht leicht, dieses Anliegen an seine Fahnen zu heften. Weil immer mehr nivelliert, das heisst bis zur Unkenntlichkeit eingenebelt wird, weil wir uns in der Öffentlichkeit oft nicht mehr getrauen, vom Christlichen zu reden, weil alles ‹neutral› sein will, hat es auch eine christliche Presse, haben es katholische Zeitungen schwer, sehr schwer.»

Aufbau des Schweizerischen Katholischen Pressesekretariats

Dem SKPV blieb in dieser Zeit, wo seine ureigenste Aufgabe, das Fördern der katholischen Presse, mithin das Unterstützen katholischer Zeitungsredaktionen und Zeitungsverleger, wegbröckelte, nichts anderes übrig, als zu neuen Ufern aufzubrechen und sein Betätigungsfeld neu zu strukturieren, was mit den Worten des Geschäftsführers wie folgt tönt: «Prioritäten setzen ist auch für uns notwendig geworden.» Grundlage für die Neustrukturierung war die bereits erwähnte Studie von Willy Kaufmann, die nicht nur eine strukturelle Konzentration der Medienarbeit postulierte, sondern auch aufzeigte, wie diese zu erfolgen hätte.

Mit dem erfolgten Aufbau des Schweizerischen Katholischen Pressesekretariats ab den frühen Siebzigerjahren konnte ein erster wichtiger Schritt im bisherigen Auftritt vollzogen werden. Die nun einsetzende vereinsinterne Rationalisierung der Arbeiten führte zu deutlich modernerer Wahrnehmung seitens der Zielgruppen. «Mit seinem Pressesekretariat bildet er heute die anerkannte Drehschreibe für die Zusammenarbeit innerhalb der katholischen Medienarbeit in unserem Land», schrieb der Vereinspräsident Franz Josef Kurmann im Jahresbericht 1984. Und der Geschäftsführer war sich schon 1977 sicher: «Im Bereiche der Medienarbeit ganz allgemein erledigen wir Arbeiten, die anderswo kaum ohne merkliche Mehrausgaben bewältigt werden könnten. Daraus sei in aller Bescheidenheit die Schlussfolgerungen gezogen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Impulse von Communio et Progressio

Von der römischen Kurie gab es zwei Veröffentlichungen, die zur medialen Präsenz etwas sagten: zum einen das Konzilsdekret Inter Mirifica von 1964, zum andern die Pastoralinstruktion Communio et Progressio von 1971. Communio et Progressio hat bei ihrem Erscheinen grosse Beachtung gefunden und im Gegensatz zu Inter Mirifica auch Neuerungen gebracht. «Die Aufgaben, welche die Kommunikationsmittel in der Gesellschaft haben, erfüllen sich nicht von selbst. Deshalb müssen Kommunikatoren und Rezipienten auf diesem Gebiet gut vorbereitet und ausgebildet sein, damit sie die Möglichkeiten der Medien voll ausschöpfen können.» (Communio et progressio)

Die Pastoralinstruktion forderte nicht weniger als die Schaffung «einer nationalen Hauptstelle für alle Kommunikationsmittel». Das Pressesekretariat nahm sich zusammen mit dem «Koordinationsausschuss für katholische Medienarbeit» dieser Verpflichtung an. Walter Buchs hielt dazu fest: «Die Aufgaben, die uns Communio et progressio gestellt hatte, werden in der Schweiz in den nächsten Jahren wieder einen Schritt weiterkommen. Das Schweizerische Katholische Pressesekretariat wird zur Verfügung stehen, um die Aufgaben einer nationalen Hauptstelle zu übernehmen. Gewappnet mit den Erfahrungen der letzten Jahre, unterstützt von den Trägerorganisationen, bereichert von den Kontakten mit Partnerorganisationen im Ausland und im medienüberschreitenden Bereich und auf der wichtigen Sprachgrenze in der Schweiz gelegen, wird es auch diese Arbeit im Dienste der Kirche übernehmen.»

Presseverein mit neuen Statuten

1977 gibt sich der Verein neue Statuten, worin er klar umreisst, was er zu fördern gedenkt:

  • a) die Katholische Internationale Presseagentur in Freiburg (Kipa);
  • b) das Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Freiburg zur Aus- und Weiterbildung der Journalisten;
  • c) die Buchberatung und Gründung guter Bibliotheken in Pfarreien und Gemeinden sowie in Heimen;
  • d) die Dienststelle der Fachvereinigung für Presse und Publizistik der Schweizer Katholiken.

Das einstige Propagandasekretariat erscheint in den Statuten nicht mehr, und die Siebzigerjahre haben wohl aufgezeigt, dass man guten Gewissens «die Unterstützung finanziell bedrohter katholischer Zeitungen, insbesondere in der Diaspora» streichen kann.

Die Statuten stipulieren nun auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen:

  • a) dem Medienrat der Schweizer Katholiken als gemeinsames Planungs- und Führungsorgan der katholischen Medienarbeit;
  • b) der Fachvereinigung für Presse und Publizistik der Schweizer Katholiken, in der der SKPV die Federführung innehat, und für deren Dienststelle er verantwortlich ist;
  • c) den regionalen Pressevereinen, deren Aktivität er fördert;
  • d) dem Schweizerischen Katholischen Volksverein (SKVV).
  • Dieser Statutenartikel dürfte aus den Diskussionen mit den verschiedenen Playern entstanden sein, woraus schliesslich auch das Pressesekretariat erwuchs. Vor allem aber waren die neuen Statuten Ausdruck der sich ändernden Zeit, und der Präsident stellte den Jahresbericht 1977 unter das Motto «Herausforderung durch neue Aufgaben».

«Christlich» statt «katholisch»

Die moderne Zeit verlangte auch neue Ausdrücke. In den Berichten fällt beispielsweise auf, dass schleichend anstelle des «Katholischen» das «Christliche» tritt. Es scheint, der Verein hätte – zumindest sprachlich – jenen Prozess vorweggenommen, den die meisten katholischen Zeitungen verschlafen hatten.

Blüte und Ende der Filmzeitschrift Zoom

Der früheren katholischen Filmberatungsstelle nahm man zunächst den religiösen Bezug im Namen weg und mutierte sie zum Filmberater, ehe man 1972/73 daraus das neue Magazin Zoom-Filmberater schuf. Für die Lancierung der neuen Zeitschrift, die von den beiden grossen Landeskirchen getragen wurde, sind 1972 Fr. 36‘000.00 Rückstellungen gemacht worden. Dies wird als «ein Zeichen gelungener Koordination wie ökumenischer Zusammenarbeit» gepriesen. Zoom war die bedeutendste schweizerische Publikation im Filmbereich. Die Filmzeitschrift berichtete ausführlich über das breite Spektrum des Filmschaffens. Die Auflage blieb mit 6‘000 Exemplaren stets im kritisch tiefen Bereich. Die wirtschaftlichen Herausforderungen waren hoch, der publizistische Anspruch ebenfalls. In den Neunzigerjahren verschärften sich die finanziellen Probleme, und im Juni 1999 erschien die letzte Ausgabe. Mit der Mitherausgeberin, der Stiftung Ciné-Communication, gab man sodann die Zeitschrift Film heraus, die noch bis zum August 2001 erschien. Mehrere Wechsel in der Redaktion waren Ausdruck der Kurzlebigkeit des nicht mehr von kirchlichen Organisationen getragenen Filmheftes. Der Katholische Mediendienst der Schweiz und die Reformierten Medien, welche von Beginn weg als Herausgeberinnen des Zoom verantwortlich zeichneten, berichteten fortan mit dem Internetdienst Medienheft.ch über Medienpolitik, Medienpädagogik sowie Medienentwicklung. Im August 2011 stellten Charles Martig und Urs Meier, die Geschäftsführer der beiden konfessionellen Mediendienste, den Internetdienst aus finanziellen Gründen ein.

Katholischer Medienpreis erstmals verliehen

Im Jahresbericht 1977 schreibt Walter Buchs: «Ferner wäre es denkbar, dass der SKPV jährlich am Mediensonntag einen katholischen Journalistenpreis vergibt oder für angehende katholische Redaktoren Stipendien für Praktiken zur Verfügung stellt.» Es dauerte danach noch einige Jahre, bis aus dieser Randnotiz ein Vorhaben wurde. Rund zehn Jahre später konkretisierte sich dieser Preis, mit dem der Verein «Journalisten zu verantwortungsvoller Arbeit auf der Grundlage christlichen Gedankengutes ermutigen und fördern» will. 1994 wurde der Katholische Medienpreis zum ersten Mal verliehen. Die Auszeichnung ging an die Autoren der Fernsehserie «Pâques à Jerusalem», die vom Westschweizer Fernsehen von Karfreitag bis Ostern 1994 ausgestrahlt wurde. Bei der Übergabe des Preises an Georges Haldas, Jean-Philippe Rapp und Jacob Berger (fehlt auf der Foto oben) war auch der Präsident der Bischofkonferenz Pierre Mamie anwesend.

Arbeitsgemeinschaft katholischer Kleinmedieninteressierter

Die Konzentration im Pressewesen, verbunden mit einem Verdrängungskampf, führte dazu, dass sich viele zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung zusammenfanden. Ein anderer Grund war die technische Entwicklung. Längst haben andere Medien wie Radio und Fernsehen sich einige Stücke des Kuchens ergattert. Es entstand ein wachsendes Bedürfnis an audiovisuellen Medien. Die kirchlichen Verleihstellen – namentlich kantonale und regionale katechetische Arbeitsstellen und Medienzentren – brauchten ein Gremium, um ihre Preis-, Verleih- und Verkaufspolitik absprechen zu können. Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Kleinmedieninteressierter der Schweiz (AKK) nahm dieses Anliegen auf. Das Tonbild «Ist das unsere Kirche?» wurde 1979 mit rund Fr. 3‘500.00 aus dem Medienopfer unterstützt.

Arbeitsgemeinschaft für katholische Kinder- und Jugendpresse

Etwas mehr Unterstützung erhielt im selben Jahr 1979 die Arbeitsgemeinschaft für katholische Kinder- und Jugendpresse (AKJP), für die Werbeaktion der drei katholischen Jugendzeitschriften JUMI, tut/Weite Welt und club-m. Diese Aktion war vorerst auf drei Jahre festgelegt. Dem Schweizerischen Katholischen Presseverein war das Verbreiten guter Bücher sowie eben auch guter Zeitschriften stets ein zentrales Anliegen, die AKJP stiess also auf offene Ohren beim Verein. Die Jugendzeitschriften sprechen eine Klientel an, die sich nach wenigen Jahren vollständig erneuert, jährlich gilt es etwa 20% des Abonnentenbestandes zu ersetzen. Die Argumente der Arbeitsgemeinschaft überzeugten den Koordinationsausschuss für die katholische Medienarbeit des SKPV, denn: «Aus dem Blickwinkel unserer christlichen Presse für die Erwachsenen kann man nicht übersehen, dass bereits unter Jugendlichen die potentiellen Leser von morgen rekrutiert werden müssen.» Seitens der AKJP war man sehr erfreut über dies willkommene Unterstützung: «Der weitsichtigen Tätigkeit des Schweizerischen Katholischen Pressevereins verdankt die AKJP die erfreulichen Ergebnisse in einer schwierigen Situation, die sie allein nicht hätte meistern können.»

Das Grundanliegen des Vereins lag auch dem Jugendbischof Otto Wüest am Herzen: «Ich freue mich immer, wenn ich feststellen kann, dass unsere Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit auch lesen. Entscheidend ist aber, was sie lesen. Unter den vielen Jugendzeitschriften fallen jumi, tut und läbig sehr positiv auf: Die Redaktionen suchen aus christlicher Verantwortung heraus, eine interessante Zeitschrift zu gestalten und dabei ein sauberes Niveau zu halten.»

Die Kulturbeilage «Christ und Welt»

Aus dem Nachlass der Neuen Zürcher Nachrichten kam die Beilage «Christ und Kultur» zur Vereinigung der Verleger katholischer Zeitungen, die fortan als Herausgeberin firmierte. 1983 überarbeitete die Vereinigung das Konzept der Beilage, die wesentlich aus finanziellen Beiträgen vom Medienopfer gespiesen wird. So sah das Konzept folgende Zielformulierung vor:

  • den Leser über die für das Zusammenleben der Menschen und ihre soziale und kulturelle Entfaltung relevanten Entwicklungen in Gesellschaft, Staat und Kirchen zu informieren;
  • ihm die geistigen und religiösen Perspektiven der Vorgänge in Gesellschaft, Staat und Kirchen zu erschliessen;
  • ihm die geschichtlichen Quellen aktueller Fragestellungen aufzuzeigen;
  • ihn in religiösen Fragen zu orientieren.

Dies sollte durch eine sachgerechte, offene und wahrheitsgetreue Information sowie durch eine aus christlicher Grundhaltung heraus unternommenen Darstellung und Beurteilung geschehen.

Gedruckt wurde die Beilage in Luzern, zunächst beim Vaterland, ab 1991 nach der Fusion des Vaterlands mit dem Luzerner Tagblatt bei der Maihof Druck AG. Seit den Neunzigerjahren heisst die Beilage «Christ und Welt». Im Jahre 2000 löste sich die Vereinigung der Verleger katholischer Zeitungen (VVKZ) auf, danach trat der SKPV als Träger der Beilage auf – unter der ausdrücklichen Bedingung, dass die kirchliche Mitfinanzierung erhalten bleibt. Das Fastenopfer seinerseits ist einer der Hauptsponsoren der Beilage, die zeitweilig eine Auflage von rund 200‘000 ausweisen konnte.

Erster Lehrstuhl am Institut für Journalistik

Für das Institut für Journalistik hatte das Medienzeitalter positive Auswirkungen. Ein erster wichtiger Schritt im universitären Umfeld war die Anerkennung als offizielles Universitätsinstitut 1966 mit der Eingliederung in die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Uni Freiburg. «Aus dem wohlwollend geduldeten, vielleicht hin und wieder als ‹wilder Sprössling› betrachteten Seminar für Journalistik war das Institut für Journalistik der Universität Freiburg geworden.»

Ab 1968 kamen erstmals wie bereits erwähnt Kurse aus den Bereichen Film, Radio und Fernsehen hinzu. Ursprünglich war das Institut im Foyer St. Justin untergebracht, mit dem erfolgten Umzug in Räumlichkeiten der Universität Miséricorde ist 1978 ein weiterer wichtiger Schritt vollzogen worden. Der Jahresbericht des SKPV verzeichnet für dieses Jahr ein Defizit des Instituts von Fr. 1‘800.90, der übernommen wurde. Aus der Medienkollekte konnten ordentlich Fr. 40‘000.00 beigesteuert werden. Zwei Jahre später wurde der Beschluss zur Schaffung eines Lehrstuhls für Journalistik und Kommunikationswissenschaft gefällt, erster Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor wird ab Anfang 1982 Prof. Dr. Louis Bosshart.

Glücklose Zusammenarbeit mit katholischen Buchhändlern

In den Siebzigerjahren kam es auch zu einer engeren Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Katholischen Buchhändler und Verleger der Schweiz (VKB) sowie dem Katholischen Lehrerverein, der die Zeitschrift Schweizer Schule editierte. Die Vorstellung des VBK im Jahresbericht 1977 machte bereits deutlich, in welchem Umfeld sich die Vereinigung in diesen Jahren befand, zeigte sie doch die Probleme des konfessionellen Buchhandels in exemplarischer Weise auf. Dabei verschwieg sie nicht, «dass die Kirche aus einer Bewahrungs- und Bevormundungspsychologie heraus eigentlich dem Buch feindlich geblieben ist» (II Vaticanum und Synode 72).

Mit den katholischen Buchhändlern begann ab 1987 auch eine spezielle Zusammenarbeit. Zusammen setzte man sich als Trägerschaft für die Herausgabe eines Pressedienstes ein, Herausgeberin war die Kipa. Dieser Pressedienst (pdb – pressedienstbuch) wollte «vor allem katholischen Zeitungen, Zeitschriften, Pfarrblättern usw. ermöglichen, gezielt auf aktuelle und wichtige Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt aufmerksam zu machen». Der Schweizerische Katholische Presseverein hatte von Beginn weg hohe Ansprüche an diesen Pressedienst, alimentierte er ihn doch massgeblich.

Mehrmals äusserte der SKPV Kritik einerseits an der einseitig eingeengten Themenwahl im Bereich Kirche-Religion-Theologie, andererseits an der journalistisch mageren Form des pdb-Bulletins. Die Kritikpunkte prallen jedoch an einer Wand des scheinbaren Unverständnisses ab. Der Verein konnte nicht mehr länger Träger eines Bulletins sein, dessen destruktive Grundhaltung «keinen Beitrag zur Bewältigung der gegenwärtigen innerkirchlichen Spannungen» leistet, sondern bloss «zusätzlich Sand ins Getriebe» streut. Nach fünf Jahren endete dieses Engagement des Pressevereins. «Wir sind zum Schluss gelangt, dass es wohl nicht mehr möglich ist, Änderungen in dem mehrmals besprochenen Sinne herbeizuführen; anderseits entspricht der Pressedienst unseren Vorstellungen in keiner Weise.»

Josef von Matt kämpft für gute Jugendliteratur

Unermüdlicher Einsatz zeichnete Josef von Matt aus Stans aus. Der Buchhändler weibelte wie keiner für sinnvolle Jugendbücher, namentlich in den Berggebieten, wo der Zugang nachgerade erschwert war. Er schrieb jeweils rührende Berichte in den Jahresrückschauen, verfasste Gedichte, erzählte gerne auch vom Alltag in den Bergen, den er selbst erlebt hat. Und stets motivierte er Lehrer, Pfarreien, Jugendliche:

«Das auch noch, Herr Gruber», skandierte der Schulpräsident und lief rot an, «nun kommen Sie in diesem Jahr schon mit dem dritten Begehren, und es ist erst März!» Der Lehrer blieb ruhig und sagte gedämpft: «Ich wollte nur fragen.» «Ich kenne das», fuhr der Schulpräsident mit erhöhter Stimme fort, «Sie machen ein Gesuch an den Schulrat, und, weiss der Himmel, ist die Hälfte noch dafür. Jetzt ist Schluss! Die Kinder sollen ihre Aufgaben machen und helfen daheim, statt lesen!» Aus seiner Mappe zog der Lehrer einige zerknüllte Heftli, die er seinen Buben abgenommen hatte und begann daraus vorzulesen: «Jimmy zog seinen Revolver und schoss ihm drei Kugeln in den Bauch. Mit breitem Grinsen schaute er auf den Mann, der sich heulend auf dem Boden wälzte und schrie voll Verachtung: ‹Ich hätte höher zielen können, aber er soll mit Schmerzen verenden, das Aas!› Dann steckte Jimmy die rauchende Waffe ein und trat mit seinem gespornten Stiefel auf die Kehle des Blutenden.» «Herr Präsident, das ist der Lesestoff unserer Bergkinder, solange wir keine gute Schulbibliothek haben», erklärte der Lehrer und legte noch zehn andere Heftli vor. «Weiß der Himmel, wie sie hier heraufkommen, aber sie sind da. Verbieten? Wegnehmen? Sie kommen wie die Ameisen. Eine Schulbibliothek ist ein sehr dringendes Anliegen.» «Die Schulden abzahlen ist auch dringend», stöhnte der Schulpräsident, «wir haben kein Geld!» Der Lehrer packte die zerschlissenen Schundheftli in seine Mappe und sagte: «In diesem Fall, Herr Präsident, schreibe ich an den Schweizerischen Katholischen Presseverein nach Zug, dort finde ich gewiss Verständnis und Unterstützung.» (Josef von Matt, Jahresbericht 1970)

Josef von Matt starb hochbetagt 1988. Sein Einsatz für die Förderung des Jugendbuches wurde honoriert, denn «Tausende junger Menschen schöpften daraus geistige und religiöse Nahrung, holten sich hier einen wichtigen Teil ihres Rüstzeuges für das Leben in Familie, Beruf und Gesellschaft». Die Förderung seitens des SKPV schlief danach bald einmal ein, sei es wegen mangelnder Nachfrage, sei es wegen anderer Finanzquellen, vorab der öffentlichen Hand.

Finanzpolster dank Mandaten

Mit dem Einbruch der katholischen Zeitungen und dem Wegbröckeln einer treuen Mitgliederbasis entfielen nach und nach auch wichtige finanzielle Mittel, um die eigentlichen Aufgaben, die im Wesentlichen nicht gänzlich andere waren als diejenigen bei der Vereinsgründung, finanzieren zu können. Hier boten die verschiedenen Aktivitäten für andere Organisationen eine wichtige Einnahmequelle, das Pressesekretariat konnte so stets aufs Neue finanzielle Mittel generieren. Ein anderer wichtiger Faktor war der Mediensonntag. Hier «sprudelten» alljährlich die Gelder, die nachher in Projekte investiert werden konnten, wofür sonst die Mittel nicht vorhanden gewesen wären.

Mediensonntag soll Medienbewusstsein schärfen

«Der Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, der auf den Sonntag nach dem Fest Christi Himmelfahrt festgelegt ist, soll allen Gläubigen die Bedeutung der Medienarbeit mehr und mehr bewusst machen. Die Synode erwartet von allen Katholiken und ihren Seelsorgern, dass sie durch das Opfer am ‹Mediensonntag› ihr Verständnis bekunden und zugleich einen unentbehrlichen finanziellen Beitrag für besondere Aufgaben leisten.» (Auszug aus einem Synodentext, der am 12. September 1975 gesamtschweizerisch verabschiedet wurde.)

«In den Jahren 1972 bis 1975 haben sich die Diözesansynoden auch mit dem Thema: ‹Information und Meinungsbildung in Kirche und Öffentlichkeit› befasst. In allen Bistümern sind dazu bis Ende 1976 Texte veröffentlicht worden, und es wurde darin zu Fragen Stellung genommen, die direkt unsere Arbeit betreffen. Als Folge dieser Synodenarbeit kann man feststellen, dass man sich ganz allgemein mehr um unsern Verein interessiert. Dieses wachsende Interesse konkretisiert sich in vielen Formen.» (aus dem Jahresbericht des SKPV 1976)

Der Koordinationsausschuss, worin der SKPV vertreten war, formulierte 1975 Richtlinien zur Verteilung des Medienopfers, welches nicht als reine Vereinstätigkeit zu betrachten ist, sondern vielmehr als eine Angelegenheit und ein Anliegen aller katholischen Massenmedienorganisationen im Auftrage der Schweizer Bischöfe. Der Schweizerische Katholische Presseverein wurde mandatiert, die Vorbereitung für den Mediensonntag, die Durchführung, das Inkasso des Opfers sowie die Verteilung der Mittel zu leisten. Dank dieser Aufgabe ist eine stete Grundauslastung des Pressesekretariats gewährleistet. Im Wesentlichen führte das Medienopfer jene Ideen weiter, die 1960 mit der Schaffung des Presseopfers im Auftrag der Schweizer Bischöfe ihre erste Ausformulierung fanden.

Löwenanteil des Medienopfers für die Kipa

Im Zusammenhang mit dem Strukturmodell der Kirche Schweiz haben die Vertreter des SKPV die Hauptanliegen des Vereins – Kipa und Institut für Journalistik – in Erinnerung gerufen, was für die Verteilung des Medienopfers von grosser Wichtigkeit ist. 1980 konnten beispielsweise Fr. 100‘000.00 an die Kipa sowie Fr. 50‘000.00 (Fr. 20‘000.00 davon freilich für die Errichtung des Lehrstuhls) an das Institut für Journalistik ausbezahlt werden, die Einnahmen der Kollekte beliefen sich auf Fr. 380‘000.00. Geschäftsführer Bruno Köstinger konnte erfreut bilanzieren: «Die Sensibilisierung der jugendlichen und erwachsenen Bevölkerung für Medienfragen nimmt spürbar zu, wir sagen: glücklicherweise!»

Medienkommission in der Hand der Bischöfe

1982 konnte man sich mit der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) dahingehend einigen, dass inskünftig die administrativen Leistungen des Sekretariates des SKPV für andere im katholischen Medienbereich tätige Organisationen – namentlich auch sämtliche Kosten des SKPV in Zusammenhang mit dem Medienopfer – abgegolten werden. Ähnliche Vereinbarungen bestanden bereits mit der Kipa sowie der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Presse (AKP). Der 1983 neugeschaffenen Medienkommission wurde von der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) die ausschliessliche Verantwortung über das Medienopfer übertragen. Der Kommission unter der Leitung von Abbé André Babel wurden vier Arbeitsgruppen eingegliedert: Arbeitsgruppe Mediensonntag/Medienopfer (Vorsitz: Hans-Peter Röthlin, Informationsbeauftragter der SBK); Pastorale Prioritäten im Medienbereich (Vorsitz: Don Valerio Crivelli, Direktor Centro Cattolico della Radio e Televisione, CCRT); Harmonisierung innerhalb der Finanzierungsinstitutionen (Vorsitz: Professor Louis Bosshart, Direktor des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Freiburg); Medienbildung (Vorsitz: Alfons Croci, Leiter der Arbeitsstelle für Radio und Fernsehen, ARF). Mit dieser neuen Organisationsstruktur bestand nun auch ein direkterer Draht zur Bischofskonferenz.

Vorläufer dieser Kommission waren der Grosse und der Kleine Koordinationsausschuss für katholische Medienarbeit, geschaffen Ende der Sechzigerjahre auf Initiative von Dr. Max Gressly und Professor Florian Fleck hin. Erster Ausschusspräsident war Armand Claude, zweiter Präsident bis zum Übergang in die Medienkommission war Alois Hartmann.

An der SKPV-GV 1985 in Einsiedeln referierte Abt Georg Holzherr, der Medienverantwortliche der SBK. Er meinte, die Presse müsste vermehrt ein Forum des Dialogs sein. Es liege am Journalisten, «die Samenkörner der Werte auf fruchtbares Erdreich auszustreuen und den Sauerteig der Wahrheit richtig dosiert dem Teig der öffentlichen Meinung beimengen zu können». Abt Holzherr sprach sich nicht nur für eine klar katholisch-kirchlich orientierte Presse aus, er forderte auch ein vermehrtes Engagement der Kirche auf allen Stufen ein.

Medienarbeit beargwöhnt von der Geistlichkeit

Der Jahresbericht 1985 weist auf einen wunden Punkt hin: «Das grosse Problem bildet der geringe Beliebtheitsgrad der katholischen Medienarbeit bei der Geistlichkeit.» Die Mitarbeit seitens der Pfarreien sei oft unzureichend, der Kollektenertrag demnach auch geringer als erwünscht. Ein Jahr später erfährt man, welche Anstrengungen seitens der organisierenden Medienkommission ergriffen wurden: «Mittelpunkt der Vorbereitungsarbeiten ist immer der direkte Dienst an den Geistlichen und ihren engsten Mitarbeitern in der Pfarrei, in erster Linie die Erstellung und der Versand der notwendigen Unterlagen, die ihnen bei der sinnvollen Durchführung des Mediensonntags dienlich sind: Gottesdienst-Unterlagen, Dokumentation zur Thematik, Aushängeplakate, Bericht über das Medienopfer-Ergebnis des Vorjahres und über die Verteilung der Gelder. […] Darüber hinaus sind in mehreren Pfarreien in Zusammenarbeit mit unserem Pressesekretariat Begleitaktionen wie Ausstellungen, Film- oder Vortragsabende, Besichtigungen und andere Anlässe organisiert und durchgeführt worden.» Vor diesem Hintergrund erscheinen die Enttäuschungen, die gegenüber abseitsstehenden oder ständig kritisierenden Pfarreien zum Ausdruck kommen, durchaus nachvollziehbar.

Förderung der Kipa als Hauptaufgabe

Die Unterstellung des Medienopfers in die Verantwortung der Medienkommission entzog dem SKPV eine wichtige Aufgabe. Zwar hatte er weiterhin die treuhänderische Verwaltung der Medienopfergelder inne, doch die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die direkte Projektförderung waren eingeschränkt – auch wenn personell sehr enge Beziehungen bestanden. Das gab aber auch Luft für andere wichtige Aufgaben, worunter eines der wichtigsten Engagement noch stärkere Förderung erfuhr: die Katholische Internationale Presseagentur, Kipa. Das Standbein Kipa wurde über all die Jahre stets wichtiger. Die 1917 gegründete Agentur, seit 1945 auch mit einem französischen Pendant, galt als eine der ältesten katholischen Nachrichtenagenturen. Mit der Tendenz im Zeitungswesen, auch bei den Korrespondenten zu sparen und Stellen zu streichen, stieg das Interesse an einer bestens informierten und vernetzten Presseagentur wie der Kipa. Die Agentur war bestrebt, breite und fundierte Informationen aus dem Vatikan, Informationen aus der Kirche und Informationen aus der Ökumene zu vermitteln. «Diese Trilogie ist bedeutungsvoll. Die Kipa bringt nicht nur einseitig ‹Rom›. Sie betreibt auch nicht einfach ‹Kirchturmspolitik›. Sie weiss sich ganz besonders der Ökumene verhaftet. Mit andern Worten heisst das: sie trägt allen Strömungen Rechnung. Ihre Berichterstattung ist weltoffen. Diese Offenheit bezieht sich nicht nur auf den Stoff, sondern auch auf den Bezügerkreis.»

Ein katholischer Pressedienst, der über die Grenzen hinaus auch andere, mitunter kirchenferne Kreise ansprechen oder gar erschliessen kann, ist zum einen eine grosse Herausforderung, zum anderen auch kostenintensiv. Bereits 1976 und 1977 mussten erkleckliche Summen zur Defizitdeckung der Kipa vom SKPV aufgebracht werden, dies in der leisen Hoffnung, «dass solche Massnahmen wirklich einmalig sind und bleiben». Die Kipa selbst bezeichnete sich als Spezialitätengeschäft, das nicht floriert, «um selbsttragend und gar noch gewinnabwerfend zu sein». Es erwuchsen der Kipa Konkurrenten, die mit ganz anderen finanziellen Mitteln ausgestattet waren, die – dem Zeitgeist folgend – nicht mehr auf fundierte tiefgründige Informationen zu katholischen oder christlichen Themen setzten, sondern lieber oberflächlich und flach in ihren Berichterstattungen blieben. Präsident Hartmann forderte 1988 angesichts dieser Probleme, auch solche der technischen Infrastruktur, eine Neuformulierung des Selbstverständnisses der Kipa. Gleichzeitig drückte «sich auch die Schweizer Bischofskonferenz unmissverständlich für die Erhaltung und den Ausbau dieser Agentur» aus.

Hauptsponsoren kürzen Beiträge

Bruno Köstinger setzte als Geschäftsführer der Kipa den Neuaufbau der Redaktion um, beschaffte die nötige finanzielle Unterstützung im technischen Bereich durch den Presseverein und konnte bei seinem Rücktritt Morgenröte verkünden: «Heute darf sich die Kipa in journalistischer Hinsicht, vom Abdruck her wieder sehen lassen.» Köstinger vermeldete auch vermehrtes Interesse an der Agentur aus Osteuropa und der Dritten Welt, wo zwar keine grossen Gelder eingebracht werden konnten. Während es journalistisch für die Kipa erfreulichere Neuigkeiten zu vermelden gab, kriselten die beiden Hauptsponsoren, das Fastenopfer und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz. Ihre Beiträge konnten nicht weiter der Kaufkraft angepasst werden, was sodann den SKPV finanziell stärker forderte.

Journalismus als Hauptfachstudium

Für das Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaften markiert 1998 einen wichtigen Meilenstein. Das Studium kann fortan als Hauptfach mit einem Lizentiat für Gesellschaftswissenschaften belegt werden. In den folgenden Jahren erfährt das Institut verschiedene Ausbauschritte mit neuen Professuren. Ab 2003 bilden die Professuren in «Medien- und Kommunikationswissenschaft» und «Sociologie de la communication et des médias» neu zusammen mit den Professuren für Soziologie und Politikwissenschaft das Departement für Gesellschaftswissenschaften der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Die Bezeichnung «Institut» verschwindet. Zum Gedenken an die beiden Pioniere von 1966 wird ein «Dr. Max Gressly – Prof. Florian Hans Fleck-Preis» für hervorragende Arbeiten in der Medien- und Kommunikationswissenschaft eingerichtet. 2004 werden neue Bachelorstudiengänge eingeführt. Der langjährige Institutsleiter Prof. Louis Bosshart wird 2013 pensioniert, ein Jahr später erhält das Departement den neuen Namen Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (DCM). 50 Jahre nach den bescheidenen Anfängen ohne eigenen Lehrstuhl weist das DCM sechs Professuren aus.

Medienpreis an NZZ-Feuilletonisten

Die Vergabe eines Medienpreises, 1994 erstmals durchgeführt, animierte den Schweizerischen Verein Katholischer Journalistinnen und Journalisten unter seinem Präsidenten Pater Bruno Holtz, ab 1995 einen nationalen Preis für junge Journalisten zu vergeben, der sofort auf breites Interesse stiess. Derweil vergab die Medienkommission den Katholischen Medienpreis 1996 an den weitum bekannten und renommierten NZZ-Feuilletonisten Dr. Hanno Helbling. Für ihr unermüdliches Schaffen in diversen katholischen Gremien wurden 2006 gemeinsam Don Valerio Crivelli, langjähriger Direktor des Centro Cattolico per la Radio e la Televisione (CCRTV) und Realisator von zahllosen Gottesdienstübertragungen am Radio und Fernsehen, und Abbé Michel Demierre, Regisseur der katholischen und religiösen Sendungen beim Westschweizer Fernsehen TSR, mit dem Medienpreis ausgezeichnet.

Subventionen an «Christ und Welt» versiegen

Der alljährliche Mediensonntag ist stets auch einem konkreten Thema gewidmet, um zusätzlich Pfarreien und Gläubige zur Kollekte zu motivieren. So war 2003 beispielsweise das leider dauerhaft aktuelle Thema «Medien für den Frieden». Die generierten Opfereinnahmen von rund Fr. 370‘000.00 lagen fast Fr. 60‘000.00 tiefer als jene vom Vorjahr, was angesichts der Mobilisierungskraft des doch wahrlich brennenden Themas ernüchtern ist. Es ist aber unerlässlich, in Zeiten versiegender finanzieller Quellen, in Zeiten negativer Motivation gegenüber kirchlichen Themen stets aufs Neue die Notwendigkeit kirchlicher medialer Einmischung zu kommunizieren. Und dies geschieht seitens des Schweizerischen Katholischen Pressevereins gebetsmühlenartig. Thema 2017, im Jubiläumsjahr, ist – Nomen est Omen – «Mehr Good News».

2003 wurde Christ und Welt vom Fastenopfer sowie der Römisch-katholischen Zentralkonferenz mit Fr. 20‘000.00 zum letzten Mal unterstützt. Den nötigen Restbetrag von rund Fr. 37‘000.­ sollte der SKPV auf Vorschlag von Fastenopfer/RKZ bei den rund zehn Kantonalkirchen beschaffen, in deren Gebiet die Zeitungsseiten Christ und Welt erscheinen, was sodann auch gelang.

Für den SKPV bedeutet diese Art der Mittelbeschaffung einen wesentlich grösseren Aufwand als bisher. Um die Finanzierung ab 2004 sicherzustellen, wurde zwischen dem SKPV und der Neuen Luzerner Zeitung AG, der Produzentin der Christ und Welt-Seiten, ein Vertrag mit anderen Modalitäten abgeschlossen. Demnach wird wöchentlich nur noch eine Zeitungsseite für das Projekt produziert. Die Basellandschaftliche Zeitung, Oltner Tagblatt und Appenzeller Volksfreund haben davon zustimmend Kenntnis genommen.

Mit der Veröffentlichung dieser Seiten «soll mitgeholfen werden, dass kirchliche, religiöse und theologische Themen regelmässig erscheinen und nicht ganz dem Event-Denken geopfert werden». Seit einiger Zeit kann Christ und Welt auf der Homepage abgerufen werden. 2016 steuerte der SKPV Fr. 12‘368.00 an das Verlagsprojekt Christ und Welt bei.

Nachlassverwaltung für die Kipa

Mit der Kipa bestand seit je eine sehr enge und erspriessliche Zusammenarbeit. Umso spezieller ist der Entscheid, die Kipa 2015, also genau zwei Jahre vor deren 100-Jahr-Jubiläum, zu liquidieren. Wo sonst im Jahresbericht des SPKV die Zusammenarbeit mit und die Geschäftsführung für die Kipa im Vordergrund standen, heisst es heute, im Jahresbericht 2016: «Für die Genossenschaft Kipa-Apic erledigen wir die Liquidationsarbeiten.» Der Entscheid an der Genossenschaftsversammlung der Katholischen Internationalen Presseagentur 2015 fiel einstimmig: «Zu reden gab bloss noch die Verwendung des Genossenschaftskapitals (250‘000 bis 300‘000 Franken). Schliesslich einigte man sich darauf, je 40 Prozent des Vermögens an die beiden Medienzentren in Zürich und Lausanne zu überweisen und 20 Prozent an den Katholischen Presseverein (SKPV).» Viel mehr gab es nicht zu vermelden. Die Kipa-Apic freilich lebt in den katholischen Medienzentren weiter, die die Onlineportale kath.ch, cath.ch und catt.ch betreiben.

Katholische Medienpräsenz fördern bleibt Hauptaufgabe

Der Vorstand ist nun herausgefordert, die Strukturen des Vereins anzupassen. Mit dem Präsidenten Markus Vögtlin steht dem Verein ein versierter Kenner der katholischen Medienlandschaft vor. Vögtlin wurde 2002 Nachfolger von Walter Buchs, nachdem er bereits einige Jahre im Vorstand mitarbeitete. Er war Chefredaktor des katholischen Sonntag und somit journalistisch tätig. Lange Jahre vertrat er den SKPV im Kipa-Apic-Vorstand, war Mitglied der bischöflichen Medienkommission und kurze Zeit auch Leiter der Fachredaktion «Religion» beim Schweizer Radio DRS. Bei dieser Grossinstitution vermisste er den Gestaltungsfreiraum, dessen es bedurfte, um zielkonform das Wünschbare umzusetzen. Dank seiner verschiedenen Hüte hat Vögtlin das nötige Know-how, die Strategien und Strukturen anzupacken und anzupassen.

Seit 1.1.2008 steht ihm der Geschäftsführer Melchior Etlin zur Seite. Er ist als Ökonom, der im Verbandsmanagement «zu Hause ist», und bereits neben dem Presseverein auch die Geschäfte von Kipa-Apic leitete sowie das Sekretariat des Schweizerischen Vereins Katholischer Journalistinnen und Journalisten führt, der richtige Mann für den Strategie- und Strukturprozess.

Bei all der Veränderung der vergangenen hundert Jahre gilt, dass der Verein stets für andere zugegen war und nie für sich allein. Der Schweizerische Katholische Presseverein hat jeweils Aufgaben übernommen und Projekte angerissen, begleitet und betreut, um vor allem «die katholische Präsenz in den Medien zu fördern» – seit 100 Jahren.

«Den Korpsgeist und den Sinn für Solidarität lebendig halten» – Die Pressetage des SKPV

Die Pressetage bilden seit der Gründung des Schweizerischen Katholischen Pressevereins eine zentrale Rolle für das Verständnis des Vereins. Es war im Kriegsjahr 1916, als die Idee zur Gründung eines einenden und stärkenden Bandes die Runde machte und viele der in Zug versammelten katholischen Redaktoren und Verleger sich hinter dieses Vorhaben scharten. Der Nährboden wurde durch verschiedene katholische Vereine, namentlich durch den Piusverein, seit Jahren ausgelegt, nun galt es, nach und nach die Saat des katholischen Gedankenguts, welches in den Presseerzeugnissen Niederschlag finden sollte, auszustreuen. Der SKPV fungierte sodann als Sämann, die Saat ging auch schnell auf. In den ersten Statuten postulierte der Verein sein Bekenntnis zur «Abhaltung schweizerischer katholischer Pressetage und Anregung zur Abhaltung kantonaler und lokaler Versammlungen, Veranstaltungen und Vorträge zugunsten unserer Presse».

Der zweite Pressetag wurde 1920 in Schwyz abgehalten, 1923 ging es nach Wil, 1926 nach Sursee, 1930 wiederum nach Zug, und der sechste Pressetag fand 1933 in der Ambassadorenstadt Solothurn statt. Interessanterweise wurde keiner dieser Pressetage in der Diaspora durchgeführt, obwohl eine stattliche Anzahl der Mitglieder aus nichtkatholischen Kantonen stammte.

In der Folge haben sich die eigentlichen Katholikentage stark gewandelt. Zunächst kokettierten die Veranstalter damit, mit grossen Namen grosse Auftritte mit grosser Wirkung zu erzeugen. Der Verein war dem knochenharten und trockenen Tagesgeschäft verpflichtet, die Pressetage warteten mit Brandredner auf, vorwiegend für die katholische Sache, mitunter auch gegen die radikalen Widersacher:

«Vom religiösen Standpunkt aus bilden die Katholiken die eindrucksvollste Organisation und die wunderbarste brüderliche Einheit der Welt. Hielte ihre Solidarität, ihr Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Geiste ihrer Religion Schritt, dann wären sie die Könige der Welt. Wenn in jedem Lande, in jedem Kanton, in jedem Kreis und in jeder Pfarrei die Katholiken es verständen, den Korpsgeist und den Sinn für Solidarität lebendig zu halten, dann wären sie eine Macht, auch wenn ihnen die zahlenmässige Mehrheit abginge.»

Mit der nachmaligen stärkeren Bezugnahme der römisch-katholischen Kirche zu Pressefragen richteten sich die einstigen Pressetage vermehrt anders aus. Das Presseapostolat, welches sich in Konzils- und Synodenpapieren niederschlug, postulierte eine vermehrte Einbindung der katholischen Basis. Heute organisiert der SKPV die jährlich wiederkehrenden Mediensonntage, die im Kern die einstige Ausrichtung der Pressetage auf die katholischen Medienorgane wach halten.

«Vom Feuilleton zur Jugendzeitschrift» – Der SKPV ist stets wandlungsfähig und -willig

Wie ein roter Faden zieht sich das Bemühen, den katholischen Leserinnen und Lesern gute und sinnvolle Literatur zu vermitteln, durch die Geschichte der letzten hundert Jahre des Pressevereins. Zunächst galt es, die Redaktionen der kleineren Zeitungen zu entlasten, da ihnen oftmals die Ressourcen – personeller wie finanzieller Art – fehlten. Die Feuilletonberatung geht auf den Pressetag in Schwyz zurück, wo moniert wurde, es fehle an geeigneter Beratung. Als gewinnbringender Nebeneffekt sah der Verein schon damals, dass «dabei auch das schweizerische katholische Schrifttum gefördert und vermehrt berücksichtigt» würde. In den Statuten fand sich sodann folgender Passus: Der Verein fördert die Feuilletonberatungsstelle zur Unterstützung der katholischen Presse bei der Hebung des Feuilletondienstes und durch Mitwirkung beim Schweizerischen Feuilletondienst, sowie durch gelegentliche Veranstaltung von literarischen Wettbewerben.

Eine Zeitlang veranstaltete der Verein Preisausschreiben für Feuilletons, um schweizerische Schriftsteller zur Mitarbeit zu gewinnen. Diesbezüglich kam es zu enger Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen katholischen Volksverein sowie mit der Schweizerischen Volksbuchgemeinde. Schon bald wurde die Feuilletonberatungsstelle um eine eigentliche Buchberatung erweitert, vom Verein abgekoppelt und wuchs zusehends an, was sich auch in einer eigenen Publikation, Buch und Volk, niederschlug.

1963 übernahm der Presseverein den Ausbau von Pfarrei- und Schulbibliotheken in Berggemeinden durch die Vermittlung von Buchhändler Josef von Matt aus Stans. Er knüpfte da an, wo er sich bereits dreissig Jahre zuvor bemühte: Die Vermittlung von Literatur an jene an die Hand zu nehmen, die – zumal in Berggebieten – erschwerten Zugang hatten. Diese Aktion fand in den Berggemeinden besonders bei Jugendlichen grosse Beachtung.

Engagierte sich der SKPV einst mit Preisausschreiben für katholische Schriftsteller, unterstützt er heute mit Medienpreisen weniger literarisches als vermehrt journalistisches Schaffen.

Aus der ehemaligen Beratungsstelle und dem damit verbundenen Einsatz für sinnvolles Lesevergnügen der Jugendlichen ist zum einen der Auf- und Ausbau diverser Bibliotheken, andererseits die finanzielle Unterstützung von Kinder- und Jugendzeitschriften wie beispielsweise tut oder Yakari erwachsen.

Lag bei der Feuilletonberatungsstelle der Fokus bei den oft überlasteten und überforderten Redaktionen, sind heute vermehrt die Nutzerinnen und Nutzer, Jugendliche und Pfarreien, die Ansprechpartner.